Universitätsbibliothek Hagen


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Archiv der Ausstellungen und Lesungen der Universitätsbibliothe Hagen von 2014-2017

23.02.2017 - Peter Schütze liest aus dem Werk „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq

Veranstalter: Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen

Am Donnerstag, dem 23. Februar 2017, veranstaltet die Universitätsbibliothek der Fernuniversität Hagen in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. und der Volkshochschule Hagen eine Lesung.

Es liest Peter Schütze aus dem Werk „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq. Die Lesung beginnt um 19 Uhr in der Villa Post (Wehringhauser Str. 38, 58089 Hagen). Es findet eine kleine Pause mit Apéritif statt. Außerdem gestaltet eine Hagener Buchhandlung zwei große Büchertische zum Gesamtwerk von Michel Houellebecq, an denen Sie sich reichlich eindecken können.

Eintritt frei
Flyer zur Lesung von Peter Schütze: Unterwerfung, von Michel Houellebecq (PDF 22 KB)


17.11.-09.12.2016 - Ausstellung "Papier ist nicht geduldig"

Veranstalter: Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen

Ausstellung über die Erhaltung von Schriftgut und Grafik des Arbeitskreises Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e. V. im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen,
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr

Eintritt frei


Über die Ausstellung:
Ein Teil der Ausstellung sind Schautafeln, die zeigen, welche Schäden dem schriftlichen Kulturgut drohen. In diesem Rahmen wird gerade die Bedeutung jener Institutionen hervorgehoben, die ihre Aufgabe in der Aufbewahrung und Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch zahlreiche Leihgaben des Hagener Buchbinders Jürgen Blasberg, die neben Meisterstücken auch einzelne Schritte des Buchbindeprozesses vor Augen führen.

Eröffnungsveranstaltung:
Die Ausstellung wird im Rahmen des Infotags der Hagener Bibliotheken im Inforaum am 17.11.2016 um 13:00 Uhr eröffnet. Nach einer Führung durch die Ausstellung wird es Informationen und eine Vorführung zum Thema Buchbinderei und Papier geben.


Flyer zur Ausstellung: "Papier ist nicht geduldig" (PDF 155 KB)


8.06.2016 - Lesung "Best of Ruhrpoeten" am 8. Juni 2016

Veranstalter: Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen

Best of Ruhrpoeten! Das Ruhrgebiet ist bunt, das literarische Ruhrgebiet noch viel mehr. Der Verein „Ruhrpoeten“ zur Förderung für Literatur aus der und über die Region hat zu drei Literaturwettbewerben ausgerufen und wunderbare Texte erhalten. Eine Auswahl der besten Texte präsentieren die „Ruhrpoeten“ in einer musikalischen Lesung hier in Hagen.
Das Beste aus drei Ruhrgebiets-Literaturwettbewerben, gelesen von Till Beckmann und Sabine Brandi sowie den Autoren Benny Alze, Esra Canpalat, Selin Gerlek und Sarah Meyer-Dietrich. Selin Gerlek und Sarah Meyer-Dietrich haben auch einen besonderen Bezug zur FernUniversität Hagen: So hat Frau Meyer-Dietrich an der Fernuniversität Wirtschafts- und Kulturwissenschaften studiert und Frau Gerlek promoviert derzeit im Fach Philosophie in Hagen. Für die musikalische Begleitung sorgt Peter Eisold.

Also viele triftige Gründe, sich mit uns am Mittwoch, den 8. Juni 2016 um 20 Uhr in der Ellipse im IZ der FernUniversität auf einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abend zu freuen.

Eintritt frei

Flyer zur Veranstaltung: Best of Ruhrpoeten (PDF 2,8 MB)


05.04.-13.05.2016 - Ausstellung „Ohne zu zögern. Varian Fry: Berlin-Marseille-New York”

Veranstalter: Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen


Eine Wanderausstellung des Aktiven Museums Berlin e. V. in der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen,
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr

In Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V., der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.

Eintritt frei


Begleitveranstaltungen:
5. April 2016, 17:30 Uhr: Ausstellungseröffnung mit Einführungsvortrag durch Kuratorin Marion Neumann.
Ort: Ellipse im IZ der FernUniversität Hagen
13. April 2016, 17:30 Uhr: Lesung „Gerettete Menschen - gerettete Werke: Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus literarischen Erinnerungen an Varian Fry“. Ort: Ellipse im IZ der FernUniversität Hagen

Über die Ausstellung: Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1940 in Frankreich war das Land für die dorthin vor dem Faschismus Geflohenen kein sicherer Ort mehr. Varian Fry, ein junger amerikanischer Journalist, wird vom New Yorker Hilfskomitee „Emergency Rescue Committee“ (ERC) nach Marseille geschickt, um den besonders Bedrohten unter den Exilanten zur Flucht aus Europa zu verhelfen. Fry und seinen Helfern gelingt es, über zweitausend Flüchtlinge vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu bewahren. Zu den Geretteten zählen Marc Chagall, Max Ernst, Lion Feuchtwanger, Golo und Heinrich Mann, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, um nur einige zu nennen. Nur dank Varian Fry war es möglich, dass sie die Chance auf ein neues Leben hatten und weiter an ihrem Werk arbeiten konnten. Die Vielfalt der Romane und künstlerischen Arbeiten, die nach der Flucht aus dem zerrütteten Europa entstanden sind, legt davon ein beredtes Zeugnis ab. Varian Fry wurde 1996 als erster US-Amerikaner vom Staat Israel mit der Ehrung „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet. Die Ausstellung erinnert an ihn und an die von ihm Geretteten.


21.10.2015 - Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus dem Roman „Bel-Ami“ von Guy de Maupassant

Datum: 21.10.2015, 19:00 Uhr
Ort: FernUniversität in Hagen, Ellipse im ehem. TGZ der FernUniversität, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen
Veranstalter: Universitätsbibliothek der FernUniversität in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V.


Guy de Maupassant (1850-1893) zählt zu den herausragenden französischen Autoren des 19. Jahrhunderts. Er verfasste vorwiegend Prosa, darunter sechs Romane und mehr als dreihundert Novellen. Neben seinen literarischen Texten schrieb Maupassant zahlreiche journalistische Artikel, die von einem äußerst kritischen Blick auf seine Zeit geprägt sind. Der Schriftsteller pflegte eine enge Freundschaft zu Gustave Flaubert, der sich als sein künstlerischer Mentor verstand. Emile Zola wiederum brachte Maupassant mit den Literaten der naturalistischen Schule in Kontakt. Der Roman „Bel-Ami“ war ein durchschlagender Erfolg: Innerhalb von nur zwei Jahren erlebte das Werk 51 Auflagen und Verkaufszahlen von über 50.000 Exemplaren.

In „Bel-Ami“ geht es um Geld, Macht und Intrigen. Georges Duroy, gutaussehend, opportunistisch und skrupellos, nutzt seine zahlreichen Affären mit Pariserinnen aus „gutem Hause“ für seinen eigenen sozialen Aufstieg. Einer seiner Figuren legt Maupassant ironisch in den Mund: „Nehmen Sie sich vor der Liebe in acht! Sie ist gefährlicher als Reißen, Husten und Schnupfen zusammen!“ Maupassant zeichnet in seinem Roman ein lebendiges Tableau der Pariser Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts. „Bel-Ami“ ist aber mehr als ein getreues Abbild einer Epoche. Seine Modernität liegt in der Präzision und der feinen Ironie begründet, mit der Maupassant die Abgründe des menschlichen Zusammenlebens freilegt. Von seiner Aktualität zeugen auch die zahlreichen Bearbeitungen für Bühne und Leinwand, die der Roman über die Jahre hinweg erfahren hat. Zuletzt in einer Hollywood-Verfilmung von 2012 mit hochkarätiger schauspielerischer Besetzung. Guy de Maupassant zeigt, dass das Ideal des dynamischen und erfolgreichen Machertyps nicht zu trennen ist von der unnachgiebigen Härte des gesellschaftlichen Konkurrenzkampfs. Er tut dies mit viel Leichtigkeit, denn er ist überzeugt: „Die Gegner des Witzes sind die, denen er fehlt.“


12.05.2015 - Klabund 1890 – 1928 „Ich würde sterben, hätt ich nicht das Wort…

Eine Ausstellung des Archivs der Akademie der Künste Berlin in der Universitätsbibliothek Hagen (Universitätsstraße 23, 58097 Hagen) vom 12.05.2015 – 23.06.2015

Hagener Forschungsdialog Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr

Ausstellungseröffnung am 12.05.2015, 18 – 21 Uhr:
- 18 Uhr: Führung durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek
- 19 Uhr: Einführungsvortrag und Lesung in der Ellipse im ehemaligen TGZ (Universitätsstr. 11, 58097 Hagen)
-- Georg Schirmers, UB Hagen: Zwischen Brettl-Dichtung und asiatischer Philosophie – der Dichter Klabund
-- „Der Kunterbuntergang des Abendlandes“ – Gudrun Höpker und Gerd Buurmann lesen Gedichte und Prosa Klabunds.

Der Eintritt zur Ausstellung und Lesung ist frei. Die Veranstaltung findet unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

Die Ausstellung behandelt das kurze, von künstlerischen Aktivitäten überbordende Leben des Lyrikers, Dramatikers und Prosaschriftstellers Klabund (1890-1928), der mit bürgerlichem Namen Alfred Henschke hieß. Sichtbar wird ein Werk, das – reich an Witz, an Melancholie und Beobachtungsschärfe – bis heute zu fesseln vermag.

Klabund war einer der berühmtesten und zugleich produktivsten Autoren der Berliner „Roaring Twenties“. Fast alle namhaften Diseusen der Zeit sangen seine provokant-frechen Kabarettverse, prominente Kritiker verglichen seine Dramen und Erzähltexte mit den Werken von François Villon, Heinrich Heine und Frank Wedekind.

Seine größten Erfolge hatte der Dichter mit Texten, die er selbst eher für „Brotarbeiten“ hielt: mit Kabarettversen, die reich sind an politischen Spitzen und erotischen Anspielungen, mit Gedichten, die ohne epigonal zu sein, an die Lyrik von Heine und Wedekind, aber auch an die seiner Zeitgenossen Tucholsky, Mehring und Kästner erinnern.

Die Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung am 12. Mai 2015 wird darauf aufmerksam machen, dass die Spannweite von Klabunds Schaffen wesentlich größer ist. Georg Schirmers geht in seinem Einführungsvortrag auf Klabunds literarische Herkunft aus dem Berliner Frühexpressionismus ein und zeigt die Faszination auf, die der Dichter für die altchinesische Literatur und Philosophie empfand. Gudrun Höpker und Gerd Buurmann stellen in ihrer Lesung „Der Kunterbuntergang des Abendlandes“ nicht nur den Lyriker, sondern auch den hellsichtigen und witzigen Prosaautor Klabund vor. Seine Grotesken schildern das Leben der Bürger, der Bohème und der Armen in der Riesenmetropole Berlin, den Wahnsinn des Weltkriegs und die Einstellungen der Rechtsradikalen, die wenige Jahre nach dem Tod des Dichters die Macht in Deutschland eroberten.

Gudrun Höpker ist Schauspielerin und Moderatorin für WDR 2. Zurzeit steht sie mit ihrem Soloprogramm „Es könnte so schön sein“ auf den Bühnen Nordrhein-Westfalens.

Gerd Buurmann ist Schauspieler und Regisseur in Köln. Er ist Gründer des deutschlandweit aktiven Theaters „Kunst gegen Bares“.


09.06.+16.06.2015 - „Die Wahlverwandtschaften“

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen den Roman von Johann Wolfgang von Goethe. Einführung: Georg Schirmers, UB Hagen

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Dienstag, 09. Juni, und am Dienstag, 16. Juni 2015, jeweils 19 – 21 Uhr, in der Ellipse im ehemaligen TGZ, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen

Eintritt frei


Eduard und Charlotte, zwei adelige Eheleute in mittlerem Alter, leben, ihre Liebhabereien pflegend, zurückgezogen auf ihrem Landgut. Beide waren bereits in der Jugend ineinander verliebt, sie wurden aber erst nach dem Tode der vorherigen Ehepartner frei füreinander.

Dies ist die Ausgangssituation in Johann Wolfgang von Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“, der erstmals 1809 erschien. Eduard äußert gegenüber Charlotte den Wunsch, dass sie beide den Hauptmann, seinen unverschuldet in Not geratenen Freund, auf das Schloss einladen. Seine Frau zögert zuzustimmen, denn ihre Erfahrung hat sie gelehrt, dass durch die „Dazwischenkunft eines Dritten“ das Verhältnis von Freunden, Geschwistern, Liebenden und Gatten „ganz und gar verändert werde.“ Eduard beharrt aber auf seiner Bitte, und so einigen sich die Eheleute darauf, nicht nur den Hauptmann, sondern auch Ottilie, die Pflegetochter Charlottes, einzuladen. Eduard und Ottilie, Charlotte und der Hauptmann verlieben sich ineinander. Es beginnt ein erotisches Wechselspiel, das die Handelnden zunächst beglückt, dessen unheilvolle Folgen sich aber bald abzeichnen. Am Ende steht der Tod, die Überlebenden bleiben ohne Trost zurück.

Goethe beschreibt dies in einer präzisen Sprache, die kunstvoll Motive und Symbole verknüpft. Der Erzähler enthält sich einer moralischen Bewertung, er ordnet die Romangestalten wie in einem wissenschaftlichen Versuch an.

Der Titel „Die Wahlverwandtschaften“ überträgt demgemäß einen Begriff aus der Chemie des späten 18. Jahrhunderts auf das menschliche Verhalten. Die Trennungen und Neuverbindungen zwischen den Menschen erscheinen als Analogien zu den Abstoßungs- und Anziehungskräften der Elemente. Die Frage, ob damit die freie Willensentscheidung verneint wird, lässt Goethe in der Schwebe.

Goethes ironische Schreibweise, sein Verzicht auf feste moralische Handlungsanweisungen und die Problematisierung der Ehe als Institution haben dazu geführt, dass viele Zeitgenossen das Werk als unsittlich verwarfen. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich gerade auf Grund der unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten des Romans die Erkenntnis durch, dass die „Wahlverwandtschaften“ ein moderner Text sind, dessen „dauerhafte Umstrittenheit“ (so der Germanist Theo Elm) die Leserschaft herausfordert.


16.03.-13.04.2015 - Helga Elben, Von Mythen und Menschen. Kunstbücher und Bildserien

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen (Universitätsstr. 23, 58097 Hagen) vom 16.03. bis zum 13.04.2015.
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr
Ausstellungseröffnung: am 16.03.2015, 19:00 Uhr, im Ausstellungsraum der UB. Sepp Hiekisch-Picard, stellvertretender Direktor des Kunstmuseums Bochum, führt in die Ausstellung ein.
Eintritt frei


Die Ausstellung bietet einen umfangreichen Einblick in das künstlerische Werk von Helga Elben (1930-2014).

Helga Elben hat in ihren Bildserien und ihren Kunstbüchern - in Unikaten oder kleinen Auflagen - immer wieder Zeichnung, Malerei, Collage und besonders Schrift miteinander verbunden und so eine komplexe Bildwelt geschaffen. In dieser spiegeln sich menschliche Grundgegebenheiten als Mythen.

Wiederholt hat sich Helga Elben mit der Figur des Ikarus beschäftigt. Und auch dem menschenfreundlichsten der griechischen Götter, Hermes, hat sie ein Kunstbuch gewidmet. Menschliche und allzu menschliche Verhaltensweisen regten sie zur Bildgestaltung an. So hat sie sich auch mit der Gestalt des Columbus in einem Kunstbuch auseinandergesetzt. Oft haben literarische Vorlagen die Künstlerin zu Bildern angeregt. Dazu gehören frühe japanische Gedichte, Märchen, Werke von Goethe, Heine, Kleist und Benn, aber auch eigene Texte und solche, die politische Probleme der Gegenwart behandeln. Helga Elbens Arbeiten bewahren die Inhalte der jeweiligen Vorlagen; diese gewinnen aber in der meist handschriftlichen Übernahme - z. B. in Aquarellen - eine neue ästhetische, bildbestimmende Wirkung. In all diesen Werken spiegelt sich das Lebensgefühl einer modernen Künstlerin.

Zahlreiche Arbeiten von Helga Elben befinden sich in öffentlichen Sammlungen. Dazu gehören u.a. das Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf, das Kleist-Museum Frankfurt (Oder), das Osthaus Museum Hagen, das Victoria and Albert Museum London, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, das Klingspor-Museum Offenbach und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.


24.03.2015 - „Nirgendwo im Haus meines Vaters“

Veronika Nickl liest aus dem Roman von Assia Djebar. Einführung: Georg Schirmers, UB Hagen
Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. und der Gleichstellungsstelle am Dienstag, 24. März 2015, 19 – 21 Uhr in der Ellipse im ehemaligen TGZ, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen
Eintritt frei


Die Szene ereignet sich in einem algerischen Dorf zu Beginn der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die fünfjährige Fatima versucht, unterstützt von einem französischen Nachbarjungen, Fahrrad zu fahren. Sie spürt, dass sie das Gleichgewicht halten kann, und sie empfindet ein Gefühl von Freiheit und Glück, verbunden mit ein wenig Angst. Plötzlich hört sie, wie ihr Vater mit metallischer Stimme ihren Namen ruft und dann ein Verbot ausspricht: „Ich möchte nicht, dass meine Tochter aufs Fahrrad steigt und ihre Beine zeigt!“

Die frankophone algerische Autorin, Filmemacherin und Historikerin Assia Djebar (1936-2015) schildert in ihrem 2007 erschienenen autobiografischen Roman „Nulle part dans la maison de mon père“ („Nirgendwo im Haus meines Vaters“) diese Begebenheit, die sich der Ich-Erzählerin „wie eine Wunde eingebrannt hat.“ Fatimas Vater – er ist Französisch-Lehrer an der Schule ihres Heimatortes – erzieht seine Tochter einerseits nach traditionell-islamischen Vorstellungen. Andererseits eröffnet er ihr Möglichkeiten, die sich nur für eine verschwindend geringe Zahl algerischer Mädchen bieten. Fatima besucht ein französischsprachiges Internat. Schon zu Anfang der Gymnasialzeit entdeckt das junge Mädchen seine Liebe zur französischen Literatur, Fatima treibt Sport und findet Gelegenheiten zu kleinen Ausflügen außerhalb der Obhut der Familie. Noch vor dem Ende der Schulzeit erlaubt ihr der Vater, ein Universitätsstudium zu ergreifen. Je mehr sich Fatima aber scheinbar von den einschnürenden Vorstellungen der väterlichen Welt lösen kann, umso stärker wird sie darauf gestoßen, dass die bewunderte französische Kultur zugleich die der Kolonisatoren ist und dass traditionelle Vorstellungen ihr eigenes Leben weiterhin bestimmen. Die verquälte Beziehung zu ihrem „Verlobten“ Tarik, einem jungen arabischen Studenten, droht am Ende Fatima in eine Katastrophe zu reißen.

„Nirgendwo im Haus meines Vaters“ ist das letzte Buch eines Zyklus autobiografisch bestimmter Werke, durch die Assia Djebar zur bedeutendsten Gegenwartsautorin aus dem Maghreb wurde. Ihr feministisch bestimmtes Schreiben und ihre Filme fanden vielfältige internationale Anerkennung. Im Jahre 2000 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2005 wurde sie in die Académie française aufgenommen. Auf Grund der politischen Entwicklung in Algerien lebte und arbeitete Assia Djebar seit den achtziger Jahren in Frankreich und in den Vereinigten Staaten.

©Leserechte der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015


13.11.2014 - „Pariser Bilder“

Dr. Peter Schütze liest Lyrik und Prosa von Charles Baudelaire.
Einführungsvortrag von Prof. Dr. Ulrich Schödlbauer, Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft: „Baudelaires Moderne“
Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Donnerstag, 13. November 2014, 19-21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ, Universitätsstr. 11 statt.


Hagener Forschungsdialog Charles Baudelaire (1821-1867) gilt seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Begründer der modernen Lyrik und als einer der wichtigsten Schöpfer der modernen Kunst- und Literaturkritik. Die Lyrik von Arthur Rimbaud, Paul Verlaine, Stefan George und Rainer Maria Rilke, um nur diese Schriftsteller zu nennen, ist ohne das Vorbild des französischen Dichters nicht denkbar.

Prof. Dr. Ulrich Schödlbauer spricht einführend zum Thema „Baudelaires Moderne“. Im Anschluss liest Dr. Peter Schütze unter dem Titel „Pariser Bilder“ aus der Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ und aus dem „Spleen de Paris“, einer Sammlung von fünfzig Prosagedichten, die größtenteils erst nach dem Tod Baudelaires erschienen. Beide Werke sind undenkbar ohne die Erfahrung der Stadt Paris, wenngleich sie kaum Schilderungen von Schauplätzen enthalten.

„Das Paris-Typische“, schreibt der Baudelaire-Forscher Claude Pichois, „ist die Sensibilität, die sich in den Texten des Dichters findet: nervöses Temperament, Geschmack an der Modernität, Kult der Künstlichkeit, Dandytum, Leidenschaft für die Masse, eine Erotisierung, die das Individuum mit einer elektrischen Aura umgibt, Heimsuchung vom Geheimnisvollen, das sich einem klarsichtigen Auge überall offenbart.“

Dass das traditionelle Versgedicht die Erfahrungswelt der modernen Großstadt nur unvollkommen wiedergeben kann, war für Charles Baudelaire ein wesentlicher Impuls, mit der Gattung des Prosagedichts zu experimentieren. Er träumte dabei, wie er im Vorwort des „Spleen de Paris“ schreibt, „von einer poetischen, einer musikalischen Prosa, die ohne metrischen Rhythmus und ohne Reim geschmeidig und zugleich sperrig genug wäre, um sich den lyrischen Bewegungen der Seele, den Wellen der Träumerei, den unerwarteten Sprüngen des Bewusstseins anzupassen.“ Dieses Ideal erwachse „vor allem aus dem Leben in den riesigen Städten, aus den zahllosen sich kreuzenden Beziehungen in ihnen.“ In nicht wenigen Texten erscheinen alltägliche Menschen der Großstadt: reiche Bürger und Handwerker, Kinder und Alte, einsam Umherirrende. Andere Prosagedichte beschreiben die isolierte Existenz des Künstlers. Charles Baudelaire fügt die flüchtigen, hässlichen und dissonanten Bestandteile der Wirklichkeit in ihren Beziehungen und Analogien kunstvoll zusammen. So entsteht eine der Moderne gemäße Form der Schönheit.


22.10.–02.12.2014 - Ausstellung: „…mehr vorwärts als rückwärts schauen…“ – Das deutschsprachige Exil in Brasilien 1933 – 1945

Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen (Universitätsstraße 23, 58097 Hagen) vom 22.10.2014 – 02.12.2014, kuratiert in Kooperation mit Marlen Eckl

(Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr)

Hagener Forschungsdialog Ausstellungseröffnung am 22.10. 2014, 18 – 21 Uhr
- 18 Uhr: Führung durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek
- 19 Uhr: Einführungsvortrag und Lesung in der Ellipse im ehemaligen TGZ (Universitätsstr. 11, 58097 Hagen):
-- Einführungsvortrag von Dr. Sylvia Asmus (Deutsches Exilarchiv 1933-1945)
-- „Träume noch jede Nacht, jeden Tag von dem Land“ – Richard Saringer und Dr. Peter Schütze lesen Brasilien-Texte deutschsprachiger Exilschriftsteller

Der Eintritt zur Ausstellung und Lesung ist frei.

Die Ausstellung und Eröffnungsveranstaltung findet unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt, die Eröffnungsveranstaltung in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und der Jüdischen Gemeinde Hagen.

Zwischen 1933 und 1945 fanden annähernd 20.000 deutschsprachige Exilanten in Brasilien Zuflucht. Stefan Zweig (1881-1942) war unter ihnen sicherlich der prominenteste Flüchtling.

Die Ausstellung „…mehr vorwärts als rückwärts schauen… - Das deutschsprachige Exil in Brasilien 1933-1945“ dokumentiert dieses Geschehen in zehn Kapiteln. Sie thematisiert den Werdegang der aus dem nationalsozialistischen Machtbereich Geflüchteten und ihre Integration in die brasilianische Gesellschaft. Behandelt werden die politischen Aktivitäten der Exilanten, der Aufbau von jüdischen Gemeinden und die Entstehung von ländlichen Siedlungen. Besonders eindringlich sind die in der Ausstellung präsentierten Filminterviews mit Exilanten und deren Nachkommen.

Die in Brasilien ansässig gewordenen Flüchtlinge wirkten erfolgreich als Brückenbauer zwischen ihrer neuen Heimat und Deutschland. Es entstand ein Kulturaustausch, der bis in die Gegenwart weiterreicht.

Richard Saringer und Peter Schütze lesen in der Eröffnungsveranstaltung am 22.10.2014 unter dem Titel „Träume noch jede Nacht, jeden Tag von dem Land“ literarische Texte und autobiografische Zeugnisse, die Stefan Zweig und Ulrich Becher in Brasilien schrieben. Stefan Zweigs Buch „Brasilien – Ein Land der Zukunft“ beeindruckt durch seine überaus lebendigen Schilderungen von Land und Leuten. Brasilien erscheint als friedliches und tolerantes Gegenmodell zu Europa, dem Kontinent, der damals von den Nazis mit Krieg und blutiger Verfolgung überzogen wurde. Stärker Stefan Zweig fängt Ulrich Becher (1910-1990) in seinem „Brasilianischem Romanzero“ die exotischen, afrikanisch und indianisch bestimmten Züge des Landes ein. Er schildert die üppige tropische Landschaft Brasiliens, afrikanische Kulte, den Karneval von Rio de Janeiro und die Armenviertel der Stadt.


20.05.2014 - Lesung : „Die grauen Seelen“

Peter Schütze liest aus dem Buch von Philippe Claudel. Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Dienstag, 20. Mai 2014, 19-21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3 statt.

Dezember 1917. Ein strenger Winter lässt das Leben in einer kleinen ostfranzösischen Stadt fast erstarren. Wenige Kilometer entfernt sterben die Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Der Donner der Kanonen und die Verwundeten, die in der Stadt Aufnahme finden, erinnern deren Bewohner immer wieder an das blutige Geschehen. Doch diese haben sich, so scheint es, mit der Gewalt des Krieges abgefunden: der hochangesehene und strenge Staatsanwalt Pierre-Ange Destinat, der Bürgermeister, der Ich-Erzähler – er ist der Ortspolizist - und die meisten anderen. Schon vor geraumer Zeit aber hat der plötzliche Selbstmord der von allen geliebten jungen Lehrerin Lysia Verhareine die Menschen erschüttert. Nun bricht erneut der Schrecken in den vorgeblich intakten Alltag des Ortes ein: An einer Uferböschung wird ein zehnjähriges Mädchen erdrosselt aufgefunden. Die kleine Stadt sucht nach dem Mörder.

So beginnt die Handlung des 2003 erschienenen Romans „Die grauen Seelen“ („Les âmes grises“) von Philippe Claudel. Der 1962 in Lothringen geborene Erzähler erweist sich in diesem Werk als virtuoser Schilderer der Abgründe der „Normalität“. Philippe Claudel versteht es, kriminalistische Spannung zu erzeugen, mit unerwarteten Wendungen der Handlung zu überraschen und zugleich die Stimmungen von Liebe, Verzweiflung und Melancholie zu vermitteln.

Am Ende des Buches ist die Frage nach dem Täter in den Hintergrund getreten. Die eindeutigen Zuweisungen von „Gut“ und „Böse“ verschwimmen. „Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß“, lässt Philippe Claudel eine Gestalt sagen, „das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen. Du bist eine graue Seele, hübsch grau, wie wir alle.“

Peter Schütze liest aus der von Christiane Seiler ins Deutsche übersetzten Ausgabe des Romans, die im Rowohlt Verlag erschienen ist.


„Die Wand“

Kriszti Kiss liest aus dem Roman von Marlen Haushofer. Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle der FernUniversität am Dienstag, 13. Mai 2014, 19-21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3 statt.

Eine Frau unternimmt mit ihrer Cousine und deren Ehemann an einem Frühlingstag einen Ausflug in die Berge. Die kleine Gruppe möchte einige Ferientage in einem Jagdhaus verbringen. Nach der Ankunft begibt sich das Ehepaar in ein nahegelegenes Dorf. Als die beiden auch am nächsten Morgen noch nicht zurückgekommen sind, macht sich die Frau, begleitet vom Hund des Paares, auf den Weg, um die Vermissten im Dorf abzuholen. Doch nach einiger Zeit stößt sie auf ein unüberwindliches Hindernis. Etwas „Unsichtbares, Glattes, Kühles“, das sie zunächst für eine Sinnestäuschung hält, versperrt ihr den Weg. Die Frau wird nie wieder das Dorf erreichen können: In der Nacht ist eine undurchdringliche gläserne Wand zwischen ihr und der Welt der Anderen gewachsen. Jenseits der Wand ist offensichtlich alles Leben vernichtet, obgleich die Objekte unzerstört sind. Im November des übernächsten Jahres beginnt die Frau, die Geschichte ihrer neuen Existenz aufzuschreiben, ungewiss, ob ihr Bericht jemals einen Leser finden wird.

So setzt die Handlung des Romans „Die Wand“ ein, den die österreichische Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970) im Jahre 1963 veröffentlichte. Eine Ich-Erzählerin berichtet darin in klarer, präziser Sprache von Geschehnissen, die einem Alptraum zu entspringen scheinen, die sich aber in der Folge durchaus realistisch entwickeln. Die Frau schafft sich auf dem Stück Land, das ihr zugänglich bleibt, mit harter körperlicher Arbeit ein neues Leben, sie wird zur Bäuerin und Jägerin. Doch eine Aussicht auf Rückkehr in die Welt der Menschen besteht für sie nicht, sie bleibt eingesperrt in ihren Umkreis, der Verbannung und zugleich Zuflucht darstellt.

Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ fand bei seinem Erscheinen, ebenso wie die anderen Werke der Schriftstellerin, nur einen geringen Widerhall. Erst mit der Frauenbewegung der achtziger Jahre setzte sich die Erkenntnis durch, dass Marlen Haushofer zu den bedeutenden deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts gehört. Großen Erfolg hatte 2012 die Verfilmung des Buches mit der Schauspielerin Martina Gedeck.

Der Roman wurde von Beginn an sehr unterschiedlich interpretiert. Zu Beginn betrachtete man ihn als zivilisationskritischen Ausdruck der Furcht vor den Folgen eines Atomkriegs. Für die Literaturpsychologie schien „Die Wand“ eine Depression zu schildern, den Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen. Die existenzialistische Interpretation rückte den Text in die Nähe von Albert Camus´ Roman „Die Pest“: Haushofers Ich-Erzählerin ist ebenso wie die Gestalten im Roman des französischen Autors dazu gezwungen, ohne Aussicht auf Rettung den Sinn des Handelns in diesem selbst zu sehen. Häufig anzutreffen sind bis heute feministische Deutungen. In diesen erscheint „Die Wand“ als radikale Phantasie selbstbestimmten weiblichen Lebens. Doch diese Selbstbefreiung ist, wie die Worte der Ich-Erzählerin belegen, teuer erkauft. „Die Erinnerung, die Trauer und die Furcht werden bleiben und die schwere Arbeit, solange ich lebe.“


11.03.2014 - Letzte Zuflucht Mexiko. Gilberto Bosques und das deutschsprachige Exil nach 1939

Eine Ausstellung des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitatsstraße 23, 58097 Hagen, vom 11.03. – 26.04. 2014 (Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr)

Ausstellungseröffnung am 11.03. 2014, 18–21 Uhr

18 Uhr: Führung durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek

19 Uhr: Lesung im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3, Universitätsstraße 33

Dr. Christine Fischer-Defoy (Berlin): „Ich bin hier wegen des Friedens – und meiner Pferde“ – Gustav Regler in Mexiko „Tod, wo ist dein Stachel?“ Dr. Peter Schütze liest Texte von Gustav Regler

Zweite Lesung am 19.03. 2014, 19-21 Uhr, im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3, Universitätsstraße 33:
Georg Schirmers (UB Hagen): Schreiben als Erinnern – Anna Seghers in Mexiko
„Der Ausflug der toten Mädchen“ – Veronika Nickl liest die Erzählung von Anna Seghers.
Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Lesungen ist frei. Die Veranstaltungsreihe findet statt in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und der Jüdischen Gemeinde Hagen. Die Ausstellung wurde gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Marseille im Sommer 1940. Die Stadt am Mittelmeer wurde zum Zielort von Menschen, die aus dem von deutschen Truppen besetzten Norden Frankreichs in den noch nicht okkupierten Süden geflüchtet waren. Zu ihnen gehörten zahlreiche deutschsprachige Exilanten, viele von ihnen jüdischer Herkunft, die ihre Heimat nach 1933 hatten verlassen müssen. Jetzt aber drohte Marseille zur tödlichen Falle zu werden. Deswegen bemühten sich die Flüchtlinge um Pässe, um Transit- und Einreisevisen in sichere Länder.
Gilberto Bosques, von 1940-42 mexikanischer Generalkonsul in Marseille, wurde mit der Rückendeckung seiner Regierung ein wichtiger Akteur der Rettungsbemühungen. Er half den Flüchtlingen finanziell und besorgte ihnen die notwendigen Visen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 25 Biografien prominenter oder unbekannter Mexiko-Emigrantinnen und –Emigranten, die zu verschiedenen politischen Lagern gehörten. Zu ihnen zählten Anna Seghers, Steffie Spira, Walter Janka und Gustav Regler. Nur wenige von ihnen konnten in Mexiko in ihren früheren Berufen arbeiten, für sie alle aber bedeutete das Land Freiheit und Rettung.

Zur Ausstellungseröffnung am 11. März 2014 liest Dr. Peter Schütze Texte von Gustav Regler (1898-1962). Der im Saarland geborene Autor floh 1933 ins französische Exil. 1939 in Frankreich als feindlicher Ausländer interniert, konnte Regler zusammen mit seiner späteren Ehefrau Mieke Vogeler 1940 nach Mexiko emigrieren. Gustav Regler vermittelt in seinen Texten die Gewalt- und Todeserfahrungen seiner Generation, er erweist sich aber auch als ein Autor, der die ihm fremde Kultur Mexikos, die ihn zutiefst faszinierte, eindrucksvoll zu schildern vermochte.

In einer weiteren Veranstaltung am 19. März 2014 liest Veronika Nickl die Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ von Anna Seghers (1900-1983). Anna Seghers, seit 1933 im französischen Exil, konnte 1941 mit ihrer Familie nach Mexiko fliehen.
Ihre dort entstandene Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ verbindet autobiografische Jugenderinnerungen mit der Darstellung der Schrecken von Krieg und Faschismus. Die Ich-Erzählerin sieht sich aus der mexikanischen Gegenwart plötzlich in den Kreis ihrer Mainzer Klassenkameradinnen und Lehrerinnen Jahre 1914 versetzt. Doch diese glückhaft-visionäre „Heimkehr“ wird rasch überblendet vom Bewusstsein der katastrophalen Ereignisse der letzten Jahrzehnte: Alle in der Erinnerung aufscheinenden Menschen sind gestorben, einige als Opfer, die meisten als Mitläuferinnen und Täterinnen.


25.02.2014 - „Christus kam nur bis Eboli“

Richard Saringer liest aus dem Buch von Carlo Levi. Einführung von Georg Schirmers (UB Hagen): Carlo Levi und der Mezzogiorno
Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien am Dienstag, 25. Februar 2014, 19-21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3 statt.


An einem Augustnachmittag des Jahres 1935 wird in einem Dorf im süditalienischen Lukanien ein gefesselter Mann aus einem Polizeiwagen entladen und den örtlichen Autoritäten übergeben. Es handelt sich um Carlo Levi (1902-1975), Arzt, Schriftsteller und Maler. Als Antifaschist saß er zuvor in einem römischen Gefängnis ein, dann wurde er als Verbannter nach Grassano in Lukanien und von dort in das noch entlegenere Gagliano geschickt. Der aus Turin stammende Intellektuelle muss sich auf unbestimmte Zeit mit einer von Armut, Aberglauben und Krankheit geprägten bäuerlichen Welt auseinandersetzen. Der Verbannte darf die Grenzen der Gemeinde nicht überschreiten, seine Briefe werden zensiert, die untereinander verfeindeten Vertreter der Obrigkeit versuchen, ihn auf ihre Seite zu ziehen. Die armen Bauern aber verehren und lieben bald den Fremden, der ihrer archaischen Welt mit Respekt begegnet und der trotz aller behördlichen Verbote versucht, ihnen als Arzt zu helfen.

Carlo Levi beginnt wieder zu malen. Er lernt die Riten und Vorstellungsformen einer noch heidnisch geprägten Gesellschaft kennen, die auf Grund ihrer jahrhundertelangen Bewegungslosigkeit außerhalb der Geschichte steht. „Wir sind keine Christen“, so zitiert Levi die Bauern von Gagliano, „wir gelten nicht als Menschen, sondern als Tiere, als Lasttiere und noch geringer als Tiere und Koboldwesen, die doch ihr freies, teuflisches oder engelhaftes Dasein leben; denn wir müssen uns der Welt der Christen jenseits unseres Horizontes unterwerfen.“

Carlo Levi hat 1943, versteckt in dem von Nazitruppen besetzten Turin, ein Buch über seinen acht Monate währenden Aufenthalt in Gagliano geschrieben. Unter dem Titel „Christus kam nur bis Eboli“ erschien es 1945 nach der Befreiung Italiens. Carlo Levis Buch entzieht sich jeder gattungsmäßigen Einordnung. Es ist ein dokumentarischer Text, dessen poetische Sprache und Beschreibungskraft immer wieder den Blick des Malers offenbaren. Levis Schilderungen zeigen die analytische Fähigkeit eines Ethnologen, der von den Menschen, die er schildert, zunehmend fasziniert ist und der sich doch der Fremdheit seiner Umgebung stets bewusst bleibt.

„Christus kam nur bis Eboli“ galt bald nach seinem Erscheinen als eines der wichtigsten literarischen Werke des italienischen Neorealismus. Zur weltweiten Berühmtheit des Buches trug auch die kongeniale Verfilmung durch Francesco Rosi 1979 bei.


Horst Becking – Bücher Künstlerbücher „Manchmal ist der Mond auch blau“

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen im Ausstellungsraum der UB (Universitätsstraße 23, 58097 Hagen) vom 5.11. bis zum 9.12.2013. Kuratorin: Petra Holtmann, ardenku Verlag Hagen

(Öffnungszeiten der UB: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr)

Ausstellungseröffnung: 5.11.2013, 18-20 Uhr
Programm: 18 Uhr Ausstellungseröffnung im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3 (Universitätsstraße 33)
- Begrüßung: Georg Schirmers, UB Hagen
- Einführung in die Ausstellung: Karl-Heinz Müther
- 19-20 Uhr: Führung durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der UB (Universitätsstraße 23)

(Eintritt zur Eröffnung und zur Ausstellung frei)

Horst Becking, der an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Joseph Beuys studierte und Meisterschüler bei Rupprecht Geiger war, ist Kunstfreunden als vielseitiger Künstler bekannt; seit den siebziger Jahren ist er überregional und international in Ausstellungen vertreten.

Vielseitig im wahrsten Sinne des Wortes präsentiert sich mit über 100 Arbeiten auch das jüngste, 2013 entstandene, Künstlerbuch „Manchmal ist der Mond auch blau“, das der Ausstellung den Titel gibt. Es bildet den vorläufigen Höhepunkt der von Becking bereits in den sechziger Jahren begonnenen Gestaltung von Künstlerbüchern. Horst Becking nimmt den Begriff wörtlich und schafft mit seinen Künstlerbüchern jeweils kleine „Ausstellungen in gebundener Form“; so entstehen Malerbücher, Reisebücher, Kunstobjekte und Kataloge. Die „Liebeserinnerungen“ erscheinen 1962 noch als Unikat, bald folgen Mappenwerke in kleiner Auflage.

Daneben entsteht – nicht selten aus Fundstücken oder antiquarischen Schriften – Buchkunst in Form des Leporellos, Bleibuchs oder Buchobjekts. Die Ausstellung lädt mit beinahe lexikalischer Vollständigkeit dazu ein, mehr als 50 Jahre kreativen Schaffens des überregional anerkannten Künstlers Revue passieren zu lassen und dabei vielleicht die eine oder andere neue Seite der eigenen Kunstrezeption aufzuschlagen.


"Sarrasine"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen die Erzählung von Honoré de Balzac – eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Mittwoch, 16. Oktober 2013, 19-21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen) statt.

Paris in einer Winternacht im frühen 19. Jahrhundert. In der prunkvollen Villa der reichen Familie de Lanty findet ein Ball statt. In träumerischer Stimmung, von Lust und zugleich Betrübnis erfüllt, betrachtet ein junger Mann das festliche Treiben.
Aus dieser Perspektive eines Ich-Erzählers beginnt Honoré de Balzac (1799-1850) seine 1830 erschienene Erzählung „Sarrasine“, die er später in den Abschnitt „Szenen aus dem Pariser Leben“ des Romanzyklus „Die Menschliche Komödie“ einfügte.
Die Tochter und der Sohn der Familie de Lanty, beide von herausragender Schönheit, erscheinen auf dem Fest, schließlich ein grotesk herausgeputzter, gespenstisch wirkender uralter Mann, den die Gastgeber rasch vor den neugierigen Augen der Anwesenden zu verstecken suchen. Wer ist dieser Mensch, der Madame de Rochefide, der jungen Begleiterin des Ich-Erzählers, tiefes Grauen einflößt? Woher stammt der unermessliche Reichtum der Familie de Lanty? Wer ist das Modell eines jungen Adonis, der auf einem Gemälde in der Villa dargestellt ist?

Diese Rätsel finden in der Binnenerzählung ihre Fortführung. Der Ich-Erzähler berichtet Madame de Rochefide am folgenden Abend vom Schicksal des Bildhauers Ernest-Jean Sarrasine, der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Rom kam. Bei einem Opernbesuch verliebte sich Sarrasine leidenschaftlich in Zambinella, die Primadonna der Aufführung. In ihr erblickte er die Verkörperung weiblicher Schönheit, sie erschien ihm als ein perfektes Kunstwerk. Doch Zambinella entzieht sich seinem Werben. Sarrasines Verhalten erregt den Unmut ihres Gönners, des Kardinals Cicognara. Dieser gibt den Befehl, den Franzosen zu ermorden. Zuvor aber muss Sarrasine von Zambinella erfahren, wer sie wirklich ist – eine Wahrheit, die in ihm alle menschlichen Empfindungen abtötet.
Was diese Geschichte mit dem Reichtum der de Lantys und mit dem uralten Mann zu tun hat, der in ihrem Hause lebt, dies wird Madame de Rochefide und den Lesern erst am Ende deutlich.

Honoré de Balzacs Erzählung „Sarrasine“ ist ein spannender, komplexer und aktueller Text über das Verhältnis von Kunst und Leben, über erotisches Begehren und sexuelle Identität. In den letzten Jahrzehnten erschienen zahlreiche Deutungen des Werkes; am bekanntesten wurde die Untersuchung des französischen Strukturalisten Roland Barthes.


"Emil Schumacher – Bücher werden Kunst"

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek (Universitätsstraße 23, 58097 Hagen) vom 24.09.2013 bis zum 22.10.2013. Kuratorin: Petra Holtmann, ardenku Verlag Hagen. Leihgeber: Johannes Klopocki, Hagen.

Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr. Ausstellungseröffnung: 24.09.2013, 18-20 Uhr (Eintritt zur Eröffnung und zur Ausstellung frei). Programm:
18 Uhr: Ausstellungseröffnung im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3 (Universitätsstraße 33)
19-20 Uhr: Führung durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der UB (Universitätsstraße 23)
Begrüßung: Georg Schirmers, UB Hagen
Einführung in die Ausstellung: Jörg Tuschhoff, Journalist.

Buchgestaltung und Künstlerbücher, das waren nicht nur für Marc Chagall, Anselm Kiefer, Henri Matisse, Pablo Picasso, Andy Warhol oder Antoni Tapies Ausdrucksformen ihres Schaffens, auch Emil Schumacher hat sich künstlerisch mit dem Medium Buch auseinandergesetzt. Die Grundlagen der grafischen Gestaltung erlernte Schumacher in den dreißiger Jahren bei Professor Guggenberger an der Dortmunder Kunstgewerbeschule. In den fünfziger Jahren hat der Künstler dann neben seinen Gemälden immer wieder auch Bücher gestaltet.

Von besonderem Interesse dürften auch die in dieser Zeit entstandenen Zeitungsillustrationen sein, die Emil Schumacher in den Jahren 1951-53 für die Wochenendbeilage der Westfalenpost geschaffen hat. Die Ausstellung will mit der Präsentation dieser Arbeiten sowie der von Schumacher gestalteten Bücher und Bucheinbände einen interessanten Aspekt des Werkes von Emil Schumacher aufzeigen, der bisher wenig Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden hat.

Die Ausstellung eröffnet die Reihe „BuchKunst“, die am 5.11.2013 mit der Ausstellung „Manchmal ist der Mond auch blau – Künstlerbücher von Horst Becking“ fortgesetzt wird.


"Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!"

Melanie Rehbein, Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester lesen Balladen - eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Donnerstag, 19. September 2013, 19–21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen) statt.

Die Ballade ist seit langem eine beliebte literarische Gattung. Wie sie aber eigentlich zu definieren sei, darüber sind sich die Poeten und Literaturwissenschaftler wenig einig. Oft zitiert wird Johann Wolfgang Goethes (1749-1832) Aussage, in der Ballade seien wie in einem lebendigen „Ur-Ei“ die Elemente der Dichtung, das Lyrische, Epische und Dramatische, noch nicht getrennt.

Die Gattung hat sich immer wieder starren Festlegungen entzogen und als höchst wandlungsfähig erwiesen. So erklärt sich die Spannweite zwischen den Texten Gottfried August Bürgers (1747-1794), den klassischen Balladen Johann Wolfgang Goethes und Friedrich Schillers (1759-1805) und denen Theodor Fontanes (1819-1898). Zu den wichtigsten Erneuerern der Ballade im frühen 20. Jahrhundert gehört Bertolt Brecht (1898-1956). Er gab ihr ein neues Gesicht, indem er Politisches und scheinbar Privates mit den Mitteln „niederer“ Dichtungsformen wie der Moritat, des Bänkelsangs und Gassenhauers ausdrückte.

Nach 1945 erschien Balladendichtung lange als antiquiert. Seit den sechziger Jahren entpuppte sie sich aber wieder als höchst lebendig. Zeitkritische Texte stammen u.a. aus der Feder von Hans Magnus Enzensberger (geb. 1929), Franz Josef Degenhardt (1931-2011) und Volker Braun (geb. 1939); auch Protestsongs und Rap-Texte übernehmen Elemente der Ballade.

Melanie Rehbein, Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester spüren in ihrer Lesung einem Motiv nach, das in den Balladen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts oft anzutreffen ist, das sich aber schon in den Balladen Friedrich Schillers, Adelbert von Chamissos (1781-1838) und Heinrich Heines (1797-1856) findet: Es ist das Thema der Macht, der Kämpfe, die um sie geführt werden, und der Niederlagen, die die Handelnden erleiden. Die spannenden, traurigen, hoffnungsvollen und witzigen Poesien vom späten 18. Jahrhundert bis zu unserer Gegenwart, die zum Vortrag kommen, decken Missstände auf und beklagen sie, ermutigen zum Handeln und zum eigenständigen Denken. Sie erzählen „unerhörte“ Geschehnisse, die sich der Erinnerung einprägen.


"So wurde ihnen die Flucht zur Heimat." Soma Morgenstern und Joseph Roth. Eine Freundschaft

Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen, vom 13.05.–24.06.2013 (Öffnungszeiten: Mo-Fr: 9-16 Uhr, Sa: 9-13 Uhr)

Ausstellungseröffnung am 13.05.2013, 18-21 Uhr
18 Uhr:
Führung durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek
19-21 Uhr: "An meinem Tisch wartet das sanfte, große Elend" – Joseph Roth und Soma Morgenstern im Exil. Eine Lesung mit Richard Saringer und Peter Schütze (in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und der Jüdischen Gemeinde Hagen)

Zweite Begleitveranstaltung am 23.05.2013, 19-21 Uhr
"Die Legende vom heiligen Trinker" – Richard Saringer liest die Novelle von Joseph Roth.

Beide Lesungen finden statt im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3, Universitätsstraße 33.

Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Begleitveranstaltungen ist kostenlos.

Die von Dr. Heinz Lunzer und Dr. Victoria Lunzer-Talos kuratierte Ausstellung "So wurde ihnen die Flucht zur Heimat. Soma Morgenstern und Joseph Roth. Eine Freundschaft" behandelt das Leben und Werk zweier Autoren, die viel verbindet, manches aber auch trennt. Beide Schriftsteller stammten aus Galizien, dem Osten der österreichisch-ungarischen Monarchie. Sie kannten sich schon als junge Männer. Freundschaft schlossen sie in den Zwanziger Jahren, als sie beide für die renommierte "Frankfurter Zeitung" schrieben. Joseph Roth (1894-1939) wurde schon damals mit Romanen wie "Hiob" und "Radetzkymarsch" berühmt. Die Machtübernahme der Nazis 1933 bedeutete das Ende ihrer literarischen Karrieren in Deutschland. Joseph Roth ging ins Exil nach Paris und führte von dort einen unerbittlichen publizistischen Kampf gegen die braunen Machthaber. Soma Morgenstern (1890-1976) lebte und arbeitete bis zur Annexion Österreichs 1938 in Wien, von dort aus floh er nach Paris. Roth starb alkoholkrank 1939, wenige Monate vor Beginn des zweiten Weltkriegs. Morgenstern konnte 1941 vor den NS-Verfolgern ins amerikanische Exil fliehen. Im Unterschied zu Roth blieb er bis zu seinem Tod ein vergessener Autor.

Richard Saringer und Peter Schütze lesen zur Ausstellungseröffnung am 13. Mai 2013 Texte von Joseph Roth aus der Zeit des Exils und Auszüge aus Soma Morgensterns Erinnerungen "Joseph Roths Flucht und Ende". Dieses Werk gehört zu den eindringlichsten Zeugnissen, die über den großen Schriftsteller existieren.

In einer weiteren Veranstaltung am 23. Mai 2013 liest Richard Saringer die 1939 entstandene Novelle "Die Legende vom heiligen Trinker" von Joseph Roth. Erzählt wird die Geschichte des Andreas, der als Clochard unter den Brücken von Paris nächtigt. An einem Frühlingsabend des Jahres 1934 geschieht Andreas ein Wunder: Ein älterer Herr schenkt ihm zweihundert Francs. Daran knüpft er die Bitte, er möge, sobald es ihm möglich sei, die Summe in einer Kirche bei der Statue der heiligen Therese von Lisieux hinterlegen. Für Andreas beginnt ein Wirbel glücklicher und glückloser Ereignisse, dem er nicht mehr zu entrinnen vermag.


"Frauen, die forschen"

Eine Ausstellung der Gleichstellungsbeauftragten in Kooperation mit der Universitätsbibliothek vom 08.04. - 29.04.2013 im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen. Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr (Achtung, am 29.04. schließt die UB bereits um 16 Uhr!)

Ausstellungseröffnung am 08.04.2013, 16:00-19:00 Uhr in der "Ellipse" im Erdgeschoss des IZ (ehemals TGZ) sowie im Ausstellungsraum der UB (Führung ab 18:30 Uhr)

Finissage am 29.04.2013, 18:00 Uhr, im Erdgeschoss des KSW-Seminargebäudes, Bauteil A, Seminarraum

Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Begleitveranstaltungen ist kostenlos.

"Die Chancen für Forscherinnen sind weiterhin schlecht" so schrieb die DUZ im November 2012. Nur ein Viertel aller Wissenschaftlerinnen in Deutschland seien Frauen, das sei deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 33 %. Die Fotoausstellung "Frauen, die forschen" stellt 25 Spitzenforscherinnen aus den Bereichen Naturwissenschaften und Mathematik vor. Gerade in diesen Disziplinen sind die Frauenanteile besonders niedrig. Mit außergewöhnlichen Bildern macht die Fotografin Bettina Flitner Forscherinnen und ihre Arbeit sichtbar. Sie porträtiert die Wissenschaftlerinnen und "übersetzt" deren Forschung in Bilder.

Zur Ausstellungseröffnung am 08.04.2013, Beginn 16:00 Uhr, finden in der Ellipse zwei Vorträge statt. Nach der Begrüßung durch den Rektor, Herrn Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, und der Gleichstellungsbeauftragten, Frau Melanie Graf, hält die Journalistin und Physikerin Dr. Jeanne Rubner den Festvortrag mit dem Titel "Weiblich und Forsch(end)". Um 17.30 Uhr spricht Prof. Dr. Rainer Olbrich, Prorektor für Forschung der FernUniversität, zum Thema "Forschungsförderung an der FernUniversität". Zwischen 18:30 und 19:00 Uhr führt die Historikerin Bettina Kretzschmar durch die Ausstellung im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek.

Zur Finissage am 29.04.2013, Beginn 18:00 Uhr, hält Frau Prof. Dr. Maria Schleberger (Universität Duisburg-Essen) einen Vortrag mit dem Titel "Neues vom Kohlenstoff" (im Rahmen der Reihe "Frauen und Männer im Gespräch" und in Kooperation mit dem "Netzwerk Frauen in Führungspositionen des Öffentlichen Dienstes NRW"). Ort: Erdgeschoss des KSW-Seminargebäudes, Bauteil A, Seminarraum


"Der Liebhaber" – Veronika Nickl liest aus dem Roman von Marguerite Duras

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Donnerstag, 21. März 2013, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet statt im KSW-Seminargebäude Bauteil A, EG, 1-3, Universitätsstraße 33, 58097 Hagen

Vietnam in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Auf einer Fähre, die den Mekong-Fluss bei Saigon überquert, lernt ein noch nicht sechzehnjähriges französisches Mädchen einen zwölf Jahre älteren Chinesen kennen. Die Halbwüchsige spürt sofort, dass der Chinese ihr verfallen wird. Dies macht sie glücklich und selbstbewusst, doch sie gibt vor, die Liebe des Mannes nicht zu erwidern. Die Mutter und der dominante und gewalttätige ältere Bruder des Mädchens missbilligen die bald entstehende erotische Beziehung, weil der Liebhaber Chinese ist; dessen reicher Vater wiederum lehnt die Verbindung mit einem armen europäischen Mädchen ab. Zwei Jahre später verlässt die junge Frau auf einem Ozeandampfer das Land, sie wird von ihrer Mutter nach Frankreich geschickt. Erst nach der Trennung von ihrem Liebhaber und von ihrer Familie kann sie ihren Wunsch verwirklichen, Schriftstellerin zu werden.

Marguerite Duras, 1914 in Französisch-Indochina geboren und 1996 in Paris gestorben, erzählt in ihrem 1984 erschienenen Roman "L´ Amant" (auf Deutsch 1985 unter dem Titel "Der Liebhaber" erschienen) diese Geschichte, die sehr starke autobiographische Züge trägt. Das Buch, für das Marguerite Duras den Prix Goncourt erhielt, wurde zu ihrem größten literarischen Erfolg. Auch seine Verfilmung durch den Regisseur Jean-Jacques Annaud 1992 fand weltweite Beachtung.

Nach dem Erscheinen der deutschen Übersetzung des Romans 1985 schrieb Marcel Reich-Ranicki: "Was ist das nun eigentlich? Ein Roman? Eine Erzählung? Ein Bericht? Ein Stück Autobiographie? Die Erinnerung einer alten Frau? Auf jeden Fall: Poesie. Das Resümee verbirgt sich mitten in diesem Buch. Es klingt elegisch und düster: 'Ich habe nie geliebt, wenn ich zu lieben glaubte, ich habe nie etwas anderes getan, als zu warten vor verschlossenen Türen.' Mag jeder dieses Buch auf seine Weise verstehen. Mir scheint, dass Marguerite Duras uns sagen wollte: Die Liebe, sie ist doch kein leerer Wahn."

Veronika Nickl wurde in München geboren und wuchs dort auf. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart. Sie war Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt, Staatstheater Stuttgart, Staatstheater Darmstadt und Theater Dortmund und gastierte am Berliner Ensemble, Schauspielhaus Düsseldorf und der Neuköllner Oper Berlin. 2001 gewann sie den Schauspielpreis von NRW. Seit 2005 ist Veronika Nickl am Schauspielhaus Bochum engagiert. Ihre bisherigen Lieblingsrollen waren Elisabeth aus "Maria Stuart" von Schiller, "Lola Blau" von Georg Kreisler, Hester Swane aus "Katzenmoor" von Marina Carr, die Helene aus "Das Fest" von Thomas Vinterberg und die Lady Macbeth aus "Macbeth" von Shakespeare.


Konrad Zuse – Computererfinder und Künstler

Eine Ausstellung der FernUniversität vom 22.11.2012 – 12.1.2013 im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen (Öffnungszeiten: Mo–Do 9–19 Uhr, Fr 9–16 Uhr, Sa 9–13 Uhr. Die Ausstellung ist vom 22.12.2012 – 1.1.2013 geschlossen.)

Die Informatik kennt Konrad Zuse (1910-1995) als den Erfinder des Computers. Er schuf mit den Rechnern Z1, Z3 und Z4 bahnbrechende Maschinen. Heute gilt Zuse auf der ganzen Welt als Schöpfer des ersten frei programmierbaren Rechners in binärer Schalttechnik und Gleitpunktrechnung. Bei der Betrachtung des Lebenswerkes wird aber die künstlerische Seite von Konrad Zuse oft übersehen.

Die FernUniversität in Hagen zeigt vom 22. November 2012 bis zum 12. Januar 2013 die Ausstellung „Konrad Zuse – Computererfinder und Künstler“, die seine Doppelbegabung in den Mittelpunkt stellt. Die Ausstellung der FernUniversität möchte die wechselnden Phasen von Erfindung und künstlerischem Schaffen bei Konrad Zuse sichtbar machen, um so ein vollständigeres Bild seiner Persönlichkeit zu zeigen.

Im Rahmen der Ausstellung werden Filme des Zentrums für Medien und IT der FernUniversität zu Konrad Zuses Leben und Wirken gezeigt. Ein Beitrag gibt einen Einblick in die Entwicklungen der verschiedenen Rechenmaschinen und den Kontext ihrer Erfindung. Seine außergewöhnliche Leistung zeigt sich an der Z3. Der Sohn des Erfinders, Horst Zuse, realisierte einen Nachbau der Z3. In einem begleitenden Film erklärt er die Funktionsweise und das System dieser Rechenmaschine.

Ausstellungseröffnung am 22.11.2012, 19:00 Uhr, im großen Senatssaal im AVZ der FernUniversität, Raum B 121 (1. OG):
- Begrüßung durch den Rektor der FernUniversität, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer
- Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Horst Zuse, Berlin: Ursprung des Computers.
Prof. Dr.-Ing. Horst Zuse wird in seinem Eröffnungsvortrag die frühen Rechnerentwicklungen in den USA und Großbritannien vorstellen und das Werk seines Vaters mit vielen Fotos und Videos präsentieren.

Am 10. Januar 2013 klingt die Ausstellung mit einer literarischen Lesung (in der Ellipse im ehemaligen TGZ, Universitätsstraße 11) aus: Peter Schütze liest aus dem Roman „Die Frau, für die ich den Computer erfand“ von Friedrich Christian Delius, einem raffinierten und höchst unterhaltsamen Werk über Konrad Zuse.

Friedrich Christian Delius, 1943 in Rom geboren, gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Autoren der modernen deutschen Literatur. 2007 erhielt er den Joseph-Breitbach-Preis, 2011 den Georg-Büchner-Preis, den bedeutendsten deutschen Literaturpreis. Delius, der seit den sechziger Jahren Lyrik veröffentlichte, ist bereits früh auch als Prosaautor hervorgetreten. Besonderes Aufsehen erregten seine Dokumentarsatiren „Wir Unternehmer“ (1966) und „Unsere Siemens-Welt“ (1972), Texte, die auf der Grundlage genauer Tatsachenermittlungen dezidierte politische Stellungnahmen enthalten. In seinen späteren Erzählwerken behandelte Delius vor allem den politischen Terrorismus der Siebziger Jahre, die deutsche Teilung und das Verhältnis zwischen „Erster“ und „Dritter Welt“.

Friedrich Christian Delius knüpft in seinem monologischen Roman über Konrad Zuse „Die Frau, für die ich den Computer erfand“ mit der akribischen Darstellung von Tatsachen an seine frühen Prosaschriften an. Auch diejenigen, die über Computer (fast) nichts wissen, werden mit Hilfe dieses raffiniert erzählten und höchst witzigen Buches besser verstehen, wie das digitale Zeitalter begann und wer der Mann war, dessen Erfindungen die Welt verändert haben.


Die Ausstellung „Konrad Zuse – Computererfinder und Künstler“ konnte realisiert werden durch Leihgaben des Deutschen Museums München, des Konrad-Zuse-Museums Hünfeld, des Zuseums Bautzen e.V. und durch Leihgaben von Privatpersonen sowie durch finanzielle Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. und Prof. Dr.-Ing. Bernd Krämer, FernUniversität in Hagen. Für die Ausleihe einer Vielzahl von Bildern und die Unterstützung bei Konzeption und Realisierung der Ausstellung danken wir Prof. Dr. Horst Oberquelle, Universität Hamburg und Mitglied der Konrad-Zuse-Gesellschaft.

Der Eintritt zur Ausstellung und zu den Begleitveranstaltungen ist kostenlos.

Hier ein Link zu einem Kurzfilm über Ausstellung und Lesung.


„Dora Bruder“ - Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus dem Buch von Patrick Modiano

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V., der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und der Jüdischen Gemeinde Hagen am Dienstag, 13. November 2012, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet statt im KSW-Seminargebäude, A. 0.004-006 (Universitätsstraße 33, 58097 Hagen).

Patrick Modiano, 1945 als Sohn einer flämischen Mutter und eines jüdischen Vaters nahe Paris geboren, gehört zu den bekanntesten französischen Schriftstellern seiner Generation. Schon Modianos erster 1968 erschienener Roman „La Place de l´étoile“ greift ein Motiv auf, das der Schriftsteller auch in zahlreichen späteren Erzählwerken behandelt: die Suche der Hauptgestalt nach den Spuren der eigenen Vergangenheit, getrieben vom Wunsch nach einer gefestigten Identität. Schritt um Schritt entsteht dabei ein eindringliches Bild der Stadt Paris, wird die Epoche des Zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit lebendig.

1988 stieß Patrick Modiano in einer Pariser Zeitung vom Dezember 1941 – die Stadt war damals von den Deutschen besetzt - auf folgende Anzeige: „Gesucht wird ein junges Mädchen, Dora Bruder, 15 Jahre alt, 1,55 groß, ovales Gesicht, graubraune Augen, sportlicher grauer Mantel, weinroter Pullover, dunkelblauer Rock und Hut, braune sportliche Schuhe. Hinweise erbeten an Monsieur und Madame Bruder, 41 Boulevard Ornano, Paris“.

Modiano verwandte diese spärlichen Angaben zunächst in einem fiktiven Text, dem 1991 erschienenen Roman „Hochzeitsreise“. Doch das Schicksal des jüdischen Mädchens ließ ihn nicht mehr los. Er schritt Doras mutmaßliche Wege ab, durchsuchte amtliche Unterlagen, fand eine Cousine von Dora. Einige Lebensspuren konnte er entdecken: Daten, Akteneinträge, Fotografien.

„Dora Bruder“, 1997 erschienen, ist ein Werk, in dem nichts erfunden ist, das aber weit über einen nüchternen Tatsachenbericht hinausgeht. Patrick Modiano setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Generation, die nach der Shoah geboren wurde, die Aufgabe des Erinnerns erfüllen kann. Er stellt das Schicksal des jungen Mädchens in eine Verbindung zu dem seines eigenen jüdischen Vaters, ja, er identifiziert sich mit Dora. Vieles aber muss offen bleiben: Warum hat Dora Bruder die – vielleicht trügerische - Sicherheit des katholischen Internats verlassen, in dem ihre Eltern sie untergebracht hatten? Wie konnte sie monatelang in der feindlichen Umwelt der besetzten Stadt überleben? Mitte 1942 wird Dora verhaftet, um nach Auschwitz deportiert zu werden. Dann verlieren sich ihre Spuren, ebenso wie die ihrer Eltern.

Gerade weil Patrick Modiano auf eine fiktionale Darstellung verzichtet, lässt er Dora Bruder ein Geheimnis. Es ist, wie der Autor schreibt, ein „armseliges und kostbares Geheimnis das die Henker, die Verordnungen, die sogenannten Besatzungsbehörden (…), die Lager, die Geschichte, die Zeit – alles was einen erniedrigt und zerstört – ihr nicht rauben konnten.“


"Ein Kind unserer Zeit" - R. Saringer liest aus dem Roman von Ödön von Horváth

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Dienstag, 30. Oktober 2012, 19–21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet statt im KSW-Seminargebäude, A. 0.004-006 (Universitätsstraße 33, 58097 Hagen)

Ödön von Horváth, 1901 in Fiume, dem heutigen Rijeka, als Sohn einer deutschsprachigen Familie mit ungarischen Wurzeln geboren, wurde seit den späten zwanziger Jahren als der bedeutendste junge Theaterautor des deutschen Sprachraums neben Bertolt Brecht erkennbar. In Dramen wie „Italienische Nacht“, „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und „Kasimir und Karoline“ entwickelte Horváth die Gattung des kritischen Volksstücks. Sein Theater schildert mit großer poetischer Kraft, sprachlicher Reflektiertheit und politischem Weitblick die krisengeschüttelte kleinbürgerliche Welt um 1930. Die Gestalten Horváths sind arbeitslos oder müssen zumindest um ihre soziale Stellung kämpfen, doch statt solidarisches Verhalten zu entwickeln, versuchen sie blind und verzweifelt, ihren vorgeblichen gesellschaftlichen Rang zu behaupten.

Hitlers Machtübernahme im Jahre 1933 bedeutete auch für Ödön von Horváth einen tiefen Einschnitt. Horváths bitter-illusionslose Werke konnten auf deutschen Bühnen nicht mehr aufgeführt werden, entsprach ihr Gesellschaftsbild doch so gar nicht dem der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“. Horváth versuchte zunächst, mit unpolitischen Arbeiten für den Film sein Auskommen zu finden, schließlich ging er wie vor ihm Bertolt Brecht, Thomas Mann, Anna Seghers und ungezählte andere Autoren und Autorinnen ins Exil. Am 1. Juni 1938 wurde Ödön von Horváth in Paris während eines Gewitters von einem Baum erschlagen.

Der Roman „Ein Kind unserer Zeit“ ist das letzte vollendete Werk des Autors, er erschien posthum im Herbst 1938.

Das Buch schildert in Ich-Form die Geschichte eines etwa zwanzigjährigen Soldaten, der in einem Land lebt, das viele Züge des nationalsozialistischen Deutschland trägt. Der Ich-Erzähler war jahrelang arbeitslos, nun findet er im militärischen Drill einen Halt. Die herrschende völkische und militaristische Ideologie verleiht ihm eine scheinbare Zukunftsperspektive und das Gefühl der Überlegenheit. Als Soldat wird er zu einem willenlosen Werkzeug in den Händen seiner „Führer“. Der brutale militärische Überfall auf ein wehrloses Nachbarland, an dem er teilnimmt, verändert ihn aber. Er erfährt, dass der von ihm verehrte Hauptmann aus Scham über die Kriegsverbrechen der eigenen Seite den Tod gesucht hat. Als arbeitsloser Kriegsinvalider auf die Hilfe anderer angewiesen, wird ihm bewusst, von den „Führern“ seines Landes betrogen worden zu sein. Die Erkenntnis seiner aussichtslosen Lage führt ihn schließlich in den Selbstmord.

Ödön von Horváths Roman, der die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs vorwegnimmt, schließt mit den Worten: „Bedenk es doch. Er wußt sich nicht anders zu helfen, er war eben ein Kind seiner Zeit.“


„Minze Minze flaumiran Schpektrum“ – Herta Müller und Oskar Pastior

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen aus dem Literaturhaus Berlin

Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen, 27.09. – 08.11.2012 (Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr)

Ausstellungseröffnung am 27.09.2012, 19–21 Uhr, in der Mensa der FernUniversität (Universitätsstr. 25, 58097 Hagen): „Niederungen“ – Janina Schmulder und Burkhard Schmiester lesen aus dem gleichnamigen Prosaband Herta Müllers.

Eintritt zur Lesung und Ausstellung frei


Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2009, wurde bald nachdem 1984 ihr erster Prosaband „Niederungen“ in der Bundesrepublik erschienen war, als eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur bekannt. In ihrer Debütveröffentlichung schildert die Autorin mit hinreißender literarischer Kraft das archaische und brutale Dorfleben in ihrer Heimat, dem deutschsprachigen rumänischen Banat.

Eine Lesung aus diesem Buch mit Janina Schmulder und Burkhard Schmiester eröffnet am 27.09.2012 die von Ernest Wichner und Lutz Dittrich (Literaturhaus Berlin) kuratierte Ausstellung „Minze Minze flaumiran Schpektrum“. Der Titel zitiert eine Zeile aus dem Gedichtband „Der krimgotische Fächer“ von Oskar Pastior. Pastiors Worte wurden für Herta Müller zu einer Beschwörungsformel gegen Tristesse, Dumpfheit und Tyrannei, als sie noch in Rumänien in einer Maschinenfabrik arbeitete; die Zeile begleitet sie bis heute.

Seit Mitte der neunziger Jahre verband Herta Müller und Oskar Pastior (1927-2006) eine Freundschaft, die sich vertiefte, als beide 2001 mit der Arbeit an einem Roman über die Deportation der Rumäniendeutschen in die sowjetischen Arbeitslager nach dem Zweiten Weltkrieg begannen. Als Pastior, der zu den 80.000 Deportierten gehört hatte, 2006 starb, entschloss sich Herta Müller nach langem Zögern, das Buch alleine weiterzuschreiben. Es erschien schließlich 2009 unter dem Titel „Atemschaukel“.

Die Ausstellung in der Universitätsbibliothek Hagen zeichnet die Freundschaft nach, die Herta Müller und Oskar Pastior verband: Erstmals werden Notizen, Skizzen und Zeichnungen aus Herta Müllers Arbeitsheft gezeigt, die Einblicke in die Entstehung der „Atemschaukel“ geben. Während der gemeinsamen Arbeit am Roman klebte Herta Müller besondere Collagen für Oskar Pastior, der, solcherart verwöhnt, schließlich Woche für Woche Nachschub erwartete. Auch diese Collagen sind zu sehen.

Als 2010 bekannt wurde, dass Oskar Pastior 1961 eine Verpflichtungserklärung für den rumänischen Geheimdienst unterschrieben hatte, waren das Erschrecken und das Unverständnis groß. Ausgewählte Dokumente aus Pastiors Opfer- und Täter-Akte verdeutlichen die zeitgeschichtlichen Umstände die zum „Fall“ des informellen Mitarbeiters „Stein Otto“ führten.


"Das Fräulein von Scuderi" – Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen die Erzählung von E.T.A. Hoffmann

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Institut für juristische Zeitgeschichte der FernUniversität Hagen am Dienstag, 5. Juni 2012, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

E.T.A. Hoffmanns "Das Fräulein von Scuderi - Eine Erzählung aus dem Zeitalter Ludwigs des Vierzehnten" gehört zu den Werken der Weltliteratur, die vom Beginn an den Lesenden in den Bann ziehen. Die 1818 entstandene Erzählung liegt – kommentiert von Heinz Müller-Dietz und Marion Bönnighausen – seit 2010 in einer neuen Ausgabe der Reihe "Juristische Zeitgeschichte" vor, die von Prof. Dr. Dr. Thomas Vormbaum herausgegeben wird. Prof. Dr. Marion Bönnighausen (Universität Münster) führt in der Veranstaltung am 5. Juni 2012 in das Werk ein.

Die Erzählung spielt im Paris des späten 17. Jahrhunderts. Eine Serie von nächtlichen Verbrechen setzt die Stadt in Angst und Schrecken. Immer wieder werden Passanten, die Schmuckstücke bei sich tragen, beraubt, viele werden ermordet. Eines Nachts klopft ein junger Mann an die Haustür des Fräuleins von Scuderi, einer adeligen Schriftstellerin, die dem Königshof nahe steht. Er bittet die Dienstmagd vergeblich, ihn zur Scuderi vorzulassen, er übergibt ein Kästchen, das Schmuck und einen Zettel enthält, und flieht, als Stimmen sich nähern. Einige Zeit später drängt er die Scuderi brieflich dazu, das Geschmeide dem Goldschmied Cardillac zurückzugeben. Als dieser erstochen aufgefunden wird, verhaftet die Polizei den jungen Mann, bei dem es sich um Olivier Brusson, den Gesellen Cardillacs, handelt. Die Scuderi begreift das Geschehene erst durch den Bericht, den ihr Brusson mit Erlaubnis der Polizei gibt: Der Goldschmied Cardillac spielte tagsüber die Rolle des biederen Bürgers, nachts lebte er seine gewalttätigen Neigungen aus. Bis aber die Scuderi der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen kann, werden die Lesenden durch die raffinierte Regie des Dichters in Spannung gehalten.

Bis heute ist strittig, ob Hoffmanns "Fräulein von Scuderi" schon als moderne Detektiverzählung zu bezeichnen ist. Zweifellos stellt Hoffmann höchst eindringlich die Verwirrungen der Rechtssprechung dar. Vor allem aber gestaltet er in der Gestalt des Goldschmieds Cardillac den narzisstischen Künstler. Dieser ist, seinem eigenen Werk verfallen, unfähig, sich von seinen Kunstgebilden zu trennen. Hoffmanns Erzählkunst entfacht – so Marion Bönnighausen - "ein Feuerwerk hintergründiger und teilweise atemberaubend spannender Geschehnisse (…), die in der Wahl der sprachlichen Mittel mit dem Ziel einer dramatischen Wirkung wiederum kühl kalkuliert sind."


"Das Geld" - Janina Schmulder, Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester lesen aus dem Roman von Émile Zola

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Donnerstag, 19. April 2012, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Im Jahre 1891 veröffentlichte Émile Zola (1840-1902) seinen Roman "L' Argent" ("Das Geld"). Das Werk ist Teil des umfangreichen Romanzyklus "Les Rougon-Macquart". Mit ihm wurde der Autor zum herausragenden Vertreter des Naturalismus. In dieser "Natur- und Sozialgeschichte einer Familie unter dem Zweiten Kaiserreich" – so der Untertitel des Zyklus – entwirft Zola ein umfassendes Panorama der französischen Gesellschaft im Zeitalter Napoleons III. Er schildert das Leben des Großbürgertums, die unwürdigen Existenzbedingungen der Arbeiterklasse und die Lebenswirklichkeit des Kleinbürgertums.

Im Mittelpunkt des Romans "Das Geld" steht die Geschichte vom Aufstieg und Fall des skrupellosen Spekulanten Aristide Saccard. Er will Macht, Geld und Genuss, doch er ist durch windige Immobiliengeschäfte finanziell ruiniert. Saccard hat aber eine Geschäftsidee: Mit Hilfe der "Banque Universelle", deren Gründung er betreibt, soll der Nahe Osten wirtschaftlich erschlossen werden. Saccard gewinnt einflussreiche Förderer aus Politik und Finanzwelt, er versteht es, mit Hilfe der Presse die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Der Aktienkurs seiner Bank steigt in schwindelerregende Höhe. Doch Saccards Geschäftsgebaren beruht auf Betrug, die "Banque Universelle" bricht zusammen, zahlreiche Kleinaktionäre sind ruiniert. In der Gefängniszelle entwirft er neue, weltumspannende Ideen. Wenige Monate später wird er freigelassen, ein neues Millionenspiel kann beginnen...

Émile Zola hat für seinen Roman "Das Geld" gründliche Recherchen in der Welt der Banken und der Börse vorgenommen. Die Handlung lehnt sich an reale Ereignisse an, vor allem an den Zusammenbruch der Bank "Union Générale" 1882; einige der Hauptfiguren waren für die damaligen Leser unschwer wiederzuerkennen. Zola gelingt es, den Zusammenhang von Wirtschaft und Politik klarsichtig darzustellen. Der moderne Finanzkapitalismus erweist sich als zwiespältig: Er vernichtet Existenzen und ist doch zugleich ein Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Der Erkenntnisreichtum des Textes verleiht ihm ungebrochene Aktualität. Die Vielschichtigkeit der Charaktere und die Ironie, mit der sie gezeichnet werden, machen die Begegnung mit dem Roman zu einem Vergnügen.


"Accabadora" – Kriszti Kiss liest aus dem Roman von Michela Murgia

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien und der Gleichstellungsstelle der FernUniversität am Dienstag, 20. März 2012, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Michela Murgia, 1972 in Sardinien geboren, wurde in Italien zunächst mit einem satirischen Buch über ihre Erfahrungen in einem Callcenter bekannt (deutsch "Camilla im Callcenterland"). Die Verfilmung des Buches hatte unter dem Titel "Das ganze Leben liegt vor Dir" auch in Deutschland einen großen Erfolg.

"Accabadora", der 2009 erschienene erste Roman Michela Murgias, spielt in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er schildert das Weiterleben urtümlicher Gebräuche und mythischer Vorstellungen in einem sardischen Dorf. Im Mittelpunkt steht der Emanzipations- und Reifeprozess der jungen Maria Listru. Sie wächst in einer Welt starker Frauen auf und muss lernen, die Widersprüche der Vergangenheit und der Gegenwart in sich zu versöhnen. Maria wird als Sechsjährige von ihrer Mutter, einer armen Witwe, der wohlhabenden Schneiderin Bonaria Urrai anvertraut. Sie wird eine "fill` e anima", eine "Seelentochter": Bonaria zieht Maria groß, dafür wird diese sich um ihre Pflegemutter kümmern, wenn sie hilfebedürftig sein wird. Das Mädchen erhält eine gründliche Schulausbildung – ungewöhnlich in der ländlichen Welt Sardiniens zur Handlungszeit des Romans. Erst sehr viel später entdeckt Maria ein Geheimnis der Bonaria: Diese ist eine "accabadora". So heißen in der sardischen Tradition die Frauen, die nach festgelegten Regeln Alten und Todkranken beim Sterben helfen. Empört verlässt die junge Frau ihre Pflegemutter. Erst als sie Jahre später zur jetzt schwerkranken Pflegemutter in ihr Dorf zurückkehrt, erfährt sie, wie wahr der Satz der Bonaria war: "Ehe du dich versiehst, kannst du selbst in so eine Situation kommen."


"Schachnovelle" – Richard Saringer liest die Erzählung von Stefan Zweig

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und der Jüdischen Gemeinde Hagen am Mittwoch, 22. Februar 2012, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Vor siebzig Jahren, am 22. Februar 1942, schied Stefan Zweig im brasilianischen Exil gemeinsam mit seiner Ehefrau Lotte aus dem Leben. Die Grausamkeit des von den Nationalsozialisten entfesselten Weltkriegs hatte beide mit tiefer Verzweiflung erfüllt.

Wenige Wochen vor seinem Tod vollendete Stefan Zweig die "Schachnovelle". Sie handelt von einer bis heute aktuellen Frage: Wie kann sich der Einzelne gegenüber der Herrschaft der brutalen Gewalt behaupten?

Erzählt wird die Geschichte eines österreichischen Exilanten, der 1938 von der Gestapo einer monatelangen Isolationshaft unterworfen wird. Durch "blind" gespielte Schachpartien gegen sich selbst gelingt es ihm, die geistige Widerstandskraft zu bewahren. Schwer erkrankt wird er freigelassen; er kann aus dem annektierten Österreich ausreisen. An Bord eines Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires trifft er auf den hochbegabten, monomanischen und zugleich primitiven, auf die Demütigung seiner Gegenspieler bedachten Schachweltmeister Mirko Czentovic. Ein atemberaubender Kampf beginnt.


"… die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war."

Eine Soiree zum 200. Todestag von Heinrich von Kleist mit Monika Bujinski, Stefan Keim und Peter Schütze am Mittwoch, 23. November 2011, 19:00 – 21:00 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Am 21. November 1811 beging Heinrich von Kleist zusammen mit seiner unheilbar erkrankten Freundin Henriette Vogel Selbstmord. Es war das Ende eines höchst widersprüchlichen und unglücklichen Menschen, der zugleich einer der sprachmächtigsten Dichter der Weltliteratur war.

Heinrich von Kleist wurde 1777 als Sohn einer Familie aus altem preußischem Adel geboren. Mit 14 Jahren musste er – der Familientradition folgend – eine Offizierslaufbahn beginnen; ihr opferte er, wie er später schreibt, „sieben unwiederbringlich verlorene Jahre.“ 1799 quittierte er den Dienst und begann, an der Universität seiner Heimatstadt Frankfurt an der Oder zu studieren. Kleist führte in den folgenden Jahren ein unruhiges, von tiefen Krisen erfülltes Wanderleben. Nicht in der Wissenschaft, sondern in der Literatur, so erkannte er, lag seine Berufung. Neben dem „Zerbrochnen Krug“ schrieb er Dramen wie „Penthesilea“, „Das Käthchen von Heilbronn“ und „Prinz Friedrich von Homburg“. 1810 und 1811 erschienen Kleists gesammelte Erzählungen. Wenige Monate vor dem Tod des Dichters scheiterte sein journalistisches Projekt, die „Berliner Abendblätter“. Nur sehr wenige Zeitgenossen Kleists erkannten den hohen Rang seines Werks. Vereinsamt, verzweifelt, von seiner Familie gedemütigt und finanziell ruiniert, entschloss sich Heinrich von Kleist zum Selbstmord. Im Abschiedsbrief an seine Schwester Ulrike schrieb er: „… Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in den Kräften einer Schwester, sondern in den Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war.“

Monika Bujinski, Stefan Keim und Peter Schütze lesen Briefe Kleists und Zeugnisse seiner Freunde und Weggefährten, die die Lebenskrisen und zentralen Themen des Dichters überaus lebendig ausdrücken. Zu hören sind u.a. Auszüge aus dem Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“, die Erzählung „Das Bettelweib von Locarno“ und Anekdoten - Texte, die trotz der schwierigen Umstände, unter denen sie entstanden, von beispielloser gedanklicher Kraft und ästhetischer Vollendung sind.


"In einer Nacht des Jahres 1943"

Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester lesen Erzählungen von Giorgio Bassani – eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. am Montag, 7. November 2011, 19:00 – 21:00 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Giorgio Bassani, 1916 in Bologna als Sohn einer jüdischen Familie geboren, wuchs in Ferrara auf, in der Stadt, in der seine Vorfahren seit vielen Generationen ansässig waren. Mit der Verkündigung der „Rassengesetze“ der italienischen Faschisten 1938 erfuhren er und seine Familie zunehmend Ausgrenzung und Verfolgung. Die meisten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Ferraras wurden seit 1943 in deutsche Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Giorgio Bassani schloss sich der Widerstandsbewegung an, er konnte überleben.

Seit den fünfziger Jahren wurde Bassani als Autor von Romanen und Erzählungen, als Essayist und Lyriker bekannt. Sein Roman „Die Gärten der Finzi-Contini“ (1962) hatte einen weltweiten Erfolg. Für sein literarisches Gesamtwerk erhielt er neben zahlreichen anderen Auszeichnungen 1969 den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund. Giorgio Bassani starb im Jahr 2000 in Rom.

Bassanis autobiographisch gefärbte Erzählungen und Romane spielen fast ausnahmslos in Ferrara. Sie handeln vom Aufstieg des Faschismus und der Schuldverstrickung des Bürgertums. Doch zugleich symbolisiert Ferrara für Giorgio Bassani Heimat – die Stadt ist der melancholisch überschattete Ort einer zunächst glückhaft empfundenen Kindheit und Jugend.

Die Erzählungen „Eine Gedenktafel in der Via Mazzini“ und „In einer Nacht des Jahres 1943“, die Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester lesen, entstanden in den fünfziger Jahren. Der erste Text erzählt von der Rückkehr des jungen Geo Josz aus deutschen Konzentrationslagern in seine Heimatstadt Ferrara. Wird er anfänglich von den ehemaligen Mitbürgern teilnahmsvoll aufgenommen, so erscheint er nur allzu bald als lästiger Mahner an Geschehnisse, die die meisten rasch vergessen möchten. Die zweite Erzählung handelt von nächtlichen Geiselerschießungen mitten in der Altstadt Ferraras, von den Verdrängungen und Lebenslügen der Täter und „Zuschauer“, die sich schnell wieder in ihrer bürgerlichen Normalität einrichten.

Giorgio Bassani versteht es, mit großer Sprachkraft und einem kunstvollen Wechsel der Erzählperspektiven die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. „Die Vergangenheit“, schreibt er einmal, „ist nicht tot, sie stirbt nie. Aber sie entfernt sich in jedem Augenblick. Es ist also möglich, die Vergangenheit zurückzuholen. Aber man muss (...) eine Art Korridor durchlaufen, der jeden Augenblick länger wird. (...) Ganz am Ende, an dem fernen, im hellen Sonnenlicht liegenden Punkt, dort, wo die schwarzen Wände des Korridors fast zusammenlaufen, dort steht das Leben, so lebendig und pochenden Herzens wie damals, als es sich das erste Mal ereignet hatte.“


"Traumnovelle"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen die Erzählung von Arthur Schnitzler – eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Mittwoch, 26. Oktober 2011, 19:00 - 21:00 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Die erstmals 1925 erschienene "Traumnovelle" von Arthur Schnitzler (1862-1931) gehört bis heute zu den meistdiskutierten Werken dieses Autors der Wiener Moderne. Stanley Kubrick verfilmte die Erzählung, ihre Handlung in das New York der Gegenwart verlegend, unter dem Titel "Eyes Wide Shut" 1999 mit Nicole Kidman und Tom Cruise in den Hauptrollen.

Arthur Schnitzler hatte zum Zeitpunkt der Entstehung der "Traumnovelle" bereits ein umfangreiches, innovatives Werk vorgelegt. In Novellen wie "Sterben" und "Leutnant Gustl", Dramen wie "Liebelei", "Reigen" und "Professor Bernhardi" hatte er mit Skepsis, Illusionslosigkeit und Grazie seine Themen behandelt: Eros und Tod, Einsamkeit und Sehnsucht, nicht zuletzt auch den damals schon virulenten Antisemitismus. Seine kühne Darstellung der Erotik, die sich in vielem mit den Erkenntnissen Sigmund Freuds berührte, provozierte wiederholt Skandale, die vor allem von klerikalen und nationalistischen Kreisen angeheizt wurden.

Die "Traumnovelle" erzählt von einem jungen Ehepaar, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien lebt, von Fridolin, einem 34-jährigen Arzt und seiner Frau Albertine. Eines Abends geraten sie in ein von Rachegefühlen bestimmtes Gespräch über ihre nicht ausgelebten erotischen Wünsche. Fridolin wird zum Totenbett eines Patienten gerufen. Damit beginnt eine Reise durch das nächtliche Wien, eine Irrfahrt, deren Realitätsgehalt vom Autor höchst kalkuliert in der Schwebe gelassen wird. Ein ehemaliger Studienfreund führt Fridolin zu einem orgiastischen Maskenball, bei dem der Arzt als widerrechtlicher Eindringling entlarvt und schmählich verjagt wird; eine junge Frau rettet sein Leben, indem sie sich für ihn opfert. Vergeblich versucht Fridolin am folgenden Tag diese Frau ausfindig zu machen. Gedemütigt kehrt er, dessen männliches Selbstwertgefühl sich ohnehin als sehr brüchig erwiesen hat, zu Albertine zurück. Sie verzeiht ihm mit dem Satz, dass "die Wirklichkeit einer Nacht, ja dass nicht einmal die eines ganzen Menschenlebens zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet."

Für Schnitzler ist ein solch harmonisches Ende untypisch. Einiges spricht jedoch dafür, dass die verstörenden (Traum)-Erlebnisse der Nacht das Ich-Bewusstsein der Figuren und ihre Beziehung zueinander unwiderruflich erschüttert haben.


"Candide oder der Optimismus"

Monika Bujinski, Richard Saringer und Peter Schütze lesen aus dem Roman von Voltaire – eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen und der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Donnerstag, 6. Oktober 2011, 19.00 – 21.00 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Im November 1755 erfuhr die Öffentlichkeit Europas vom Erdbeben in Lissabon, das 30.000 Menschenleben forderte. Die Wirkung des Ereignisses auf die Zeitgenossen war tief. Für die Gläubigen wurde offenbar, dass Gott Gerechte und Ungerechte mit dem gleichen Verderben heimsuchte. Die schmale Gruppe der Aufklärer aber wurde in der Überzeugung erschüttert, die Natur sei berechenbar und die Welt sei letztlich die beste der möglichen. Im Jahre 1756 begann der Siebenjährige Krieg, ein sinnloses Massaker, in das alle großen Staaten Europas politisch oder militärisch verwickelt waren.

Voltaires (1694-1778) 1759 erschienener satirischer Roman "Candide oder der Optimismus" bezieht sich auf diese Ereignisse. Das Werk gilt bis heute als Meisterleistung des französischen Aufklärers und zugleich als höchst witzige Widerlegung der Vorstellung einer heilen und vernünftigen Weltordnung.

Die Handlung des Romans beginnt auf einem Schloss in Westfalen. Dort lebt der illegitime Adelsspross Candide – auf Deutsch: der Naive und Gutgläubige - zusammen mit dem Hauslehrer Pangloss und der schönen Kunigunde, der Tochter des Schlossherrn. Pangloss lehrt seinen Schüler eine Philosophie, der zufolge die Welt zum Besten und Zweckmäßigsten eingerichtet ist: "Die Nasen sind gemacht, Brillen zu tragen, so tragen wir denn Brillen ... und weil nun einmal die Schweine zum Essen gemacht sind, essen wir Schweinefleisch das ganze Jahr hindurch." Candide verliebt sich in die Tochter des Hauses, wird in einer eindeutigen Situation überrascht und aus dem Schloss gejagt. Damit beginnt eine Irrfahrt, während der er unvorstellbare Gewalt erfährt und mehrmals fast den Tod erleidet. Immer wieder trifft er unter abenteuerlichen Umständen auf Pangloss und Kunigunde, die ähnliche Schrecken erleben. Am Ende leben alle Hauptgestalten des Romans auf einem orientalischen Landgut. Candide erkennt in der Arbeit und Selbstbescheidung ein Mittel, um Langeweile, Laster und Not fernzuhalten: "Wir müssen unseren Garten bestellen."


"Geist zu sein oder Staub, es ist dasselbe im All"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Gottfried Benn und Ernst Meister – eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Mittwoch, 14. September 2011; 19.00 – 21.00 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätstrasse 11 58097 Hagen)

Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann der internationale Ruhm des Dichters Gottfried Benn. Sichtbarster Ausdruck dieser Wertschätzung Benns war die Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1951. Viel gelesen, bewundert und nachgeahmt wurden jedoch weniger die frühen expressionistischen Texte und die reimlosen Sprachmontagen der fünfziger Jahre, sondern die von Trauer und Melancholie, von Klangmagie und sprachlicher Schönheit erfüllten Gedichte der mittleren Schaffenszeit.

Gottfried Benn und Ernst Meister sind sich niemals persönlich begegnet, und es ist wohl auszuschließen, dass Benn den um eine Generation jüngeren Lyriker je wahrgenommen hat. Trotzdem zeigt das Werk beider Dichter Berührungspunkte. Ihre Quellen und literarischen Bezugspunkte sind weitgehend identisch: die Poesie des Symbolismus und der Décadence, die Bibel und die Philosophie Friedrich Nietzsches. Beide haben in ihren Versen geradezu obsessiv Altern, Sterben, Tod und den Verlust von Transzendenz behandelt, beide haben die Forderung nach einem gesellschaftlichen Engagements des Dichters verworfen. Ernst Meisters Gedichte und Prosatexte belegen seine Auseinandersetzung mit Gottfried Benn, doch die zunehmend verknappte, nicht selten verrätselte Sprache seiner Gedankenlyrik bewahrt stets ihre Eigenständigkeit gegenüber der verführerischen Sprachmusik des Älteren.


Besuch bei den verbrannten Dichtern

Eine Lesung mit Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze, veranstaltet von der Universitätsbibliothek Hagen am Montag, 23. Mai 2011, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Die Nationalsozialisten erzeugten nach ihrer Machtübernahme am 30. Januar 1933 mit Morden, willkürlichen Verhaftungen, Folterungen und Veröffentlichungsverboten Angst und Schrecken. Der Reichstagsbrand am 27./28. Februar 1933 diente ihnen als Vorwand, zahlreiche missliebige Politiker, Gewerkschaftler, Journalisten und Schriftsteller zu verhaften. Mit einer noch in der Brandnacht in Kraft gesetzten "Notverordnung" liquidierten sie die Bürgerrechte der Weimarer Verfassung. Dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April folgte am 2. Mai die Zerschlagung der Gewerkschaften. Am 10. Mai und in den Tagen danach fanden, initiiert von der "Deutschen Studentenschaft", als Höhepunkt einer vierwöchigen "Aktion wider den undeutschen Geist" in mehr als 90 Städten Bücherverbrennungen statt. Begleitet von Reden prominenter Hochschullehrer, wurden die Schriften von Sigmund Freud und Karl Marx, von Heinrich Heine, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky und vieler anderer auf Scheiterhaufen geworfen, die sich auf den zentralen Plätzen der Städte befanden. Den Bücherverbrennungen folgten "schwarze Listen", die die "Säuberung" der Bibliotheken und der Buchhandlungen bezweckten. Heinrich Heines Aussage "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen" sollte sich schon wenige Jahre später auf schreckliche Weise bestätigen.


"Homo faber - ein Bericht"

Monika Bujinski und Peter Schütze lesen aus dem Roman von Max Frisch - eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Mittwoch, 4. Mai 2011, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Max Frischs 1957 erschienener Roman "Homo faber" berichtet davon, wie die Existenz eines Menschen erschüttert und zerstört wird. Die Hauptgestalt, der Ingenieur Walter Faber, ist davon überzeugt, das Leben lasse sich messen und berechnen. Sein Credo lautet: "Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Ich brauche, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik, Mathematik genügt mir." Fabers technokratisch-kühle Sprache vermag aber immer weniger die Angst und innere Leere der Gestalt zu verdecken. Am Ende einer Reise, die ihn von New York nach Mittelamerika und schließlich nach Europa führt, ist Fabers Überzeugung eines berechenbaren Lebens widerlegt. Er trägt die Mitschuld am Tod seiner Tochter, mit der er eine inzestuöse Beziehung begonnen hat. In einer Athener Klinik wartet er auf die Operation, die er wohl nicht überleben wird.

Max Frischs Kritik am technokratischen Weltverständnis, die im Roman "Homo faber" zum Ausdruck kommt, verleiht dem Text eine ungebrochene Aktualität.


"Rameaus Neffe"

Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester lesen den Dialog von Denis Diderot – eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen und der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Dienstag, 22. März 2011, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehemaligen TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Der Erzähldialog "Rameaus Neffe" von Denis Diderot (1713-1784) spielt im Paris des 18. Jahrhunderts. Der Erzähler, ein Philosoph, führt ein Gespräch mit einem Bekannten, der ihn zugleich anzieht und abstößt. Es handelt sich um den Musiker Jean-François Rameau, den Neffen des bekannten Komponisten Jean-Philippe Rameau. Dieser Neffe ist ein Zyniker, der wortgewandt, witzig, pantomimenreich und ohne Schamgefühl seine parasitäre Existenz und Amoralität enthüllt. Rameau beschreibt schonungslos den Widerspruch zwischen den bürgerlichen Tugenden und der realen Gesellschaft. Diese, so zeigt sich, inszeniert ein Maskenspiel, bei dem sich die Niedertracht auszahlt. Argumentiert der selbstüberhebliche Philosoph zunächst aus einer Position moralischer Überlegenheit, so verwickelt ihn Rameau bald immer stärker in Widersprüche. Die Sittlichkeit des Ich-Erzählers und Philosophen erweist sich als abstrakt, denn eine Existenz außerhalb der entfremdeten Gesellschaft erscheint nicht vorstellbar. Und wäre sie überhaupt wünschenswert?

Denis Diderot hatte als Mitarbeiter der "Encyclopédie" unter der Zensur im absolutistischen Frankreich zu leiden. Deshalb konnte er es nicht wagen, einen Text von einer so subversiven Sprengkraft wie "Rameaus Neffe" zu veröffentlichen. Der Dialog erschien erst 1805 in der deutschen Übersetzung Johann Wolfgang von Goethes. Das Werk fand einen unerhörten Nachhall. G.W.F. Hegel nutzte "Rameaus Neffe" in der "Phänomenologie des Geistes" zur Diagnose der Moderne, Romantiker wie E.T.A. Hoffmann entwickelten in Diderots Nachfolge ihren Geniebegriff, Michel Foucault interpretierte in seinem Buch "Wahnsinn und Gesellschaft" den Dialog als Dokument der Nachtseite der Aufklärung.

Gerd Buurmann und Burkhard Schmiester lesen "Rameaus Neffe" in einer Übersetzung, die der Dramatiker Tankred Dorst 1963 für das Theater geschrieben hat.


"Die lange Straße aus Sand"

Peter Schütze liest Pier Paolo Pasolini - eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien am Mittwoch, 9. März 2011, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehem. TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Im Sommer 1959 schrieb der Dichter und Filmregisseur Pier Paolo Pasolini (1922-1975) unter dem Titel "Die lange Straße aus Sand" eine Reportage über eine Reise längs der italienischen Küste. Sie führte ihn von der französischen Grenze bei Ventimiglia über Ligurien, Neapel, Ischia und Capri nach Sizilien. Von dort fuhr er, Kalabrien und Apulien durchquerend, zu den Badeorten der Adria, nach Venedig und schließlich bis nach Triest.

Pasolinis Text ist beschwingt und leicht wie wenige andere seiner Arbeiten. Der Autor blendet die bedrückende soziale Lage in Süditalien nicht aus. Zugleich ist ihm aber bewusst, dass die Zerstörung der alten Lebensumstände die Schönheit und Würde der Vergangenheit unwiderruflich auslöschen wird.

Während der Lesung sind Fotografien der Schauplätze aus den fünfziger Jahren und ein Ausschnitt aus einem Film über Pier Paolo Pasolini zu sehen.


"Die Blendung"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus dem Roman von Elias Canetti - eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Donnerstag, 17. Februar 2011, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehem. TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstraße 11, 58097 Hagen).

Der Roman "Die Blendung" von Elias Canetti (1905-1994) gilt seit langem als ein Werk von weltliterarischem Rang. In seinem Mittelpunkt steht ein eigenbrötlerischer Wissenschaftler, der inmitten einer riesigen Bibliothek ein Höhlenleben führt. Trotz seines Hasses gegen die Dummheit der Umwelt lässt er sich von seiner beschränkten Haushälterin zur Ehe verleiten - eine Entscheidung, die zu einer Katastrophe führt. Die gewalttätigen, unheimlichen, wahnhaften und trotzdem komisch wirkenden Verhaltensweisen der Gestalten machen aus Canettis Roman eine Fallstudie über unsere Welt: "Die Blendung" schildert hellsichtig das Unwesen der Macht und die Selbstzerstörung der Vernunft.


Zeitgenosse Tucholsky

Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze lesen Kurt Tucholsky - eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen am Mittwoch, 24. November 2010, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehem. TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstr. 11, 58097 Hagen).

Kurt Tucholsky, 1890 in Berlin geboren und 1935 im schwedischen Exil freiwillig aus dem Leben geschieden, wird seit langem zu den bedeutenden sozialkritischen Schriftstellern der deutschen Literatur gezählt. In wenig mehr als zwanzig Jahren schuf er ein umfangreiches Werk: politische Artikel und Chansons, Reisebe­richte und Erzählungen, Literaturkritiken und Schilderungen des Alltagslebens. Tucholskys Texte sind witzig und weise, hellsichtig und reich an unangestrengter philosophischer Erkenntnis. Früh schon warnte er vor den Nationalsozialisten, deren unversöhn­lichen Hass er auf sich zog. Kurt Tucholsky, der als Journalist für den Augenblick schrieb, erweist sich in vielen seiner Texte als aktuell – er ist unser Zeitgenosse.


"Der Fremde"

Peter Schütze liest aus dem Roman von Albert Camus - eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen und der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Mittwoch, 27. Oktober 2010, 19 – 21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet in der Ellipse im ehem. TGZ der FernUniversität statt (Universitätsstr. 11, 58097 Hagen).

Das Werk von Albert Camus (1913-1960) wird seit geraumer Zeit neu bewertet. Camus´ Zweifel an der Möglichkeit einer revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft hatten Anfang der fünfziger Jahre zum Bruch mit seinem Weggefährten Jean-Paul Sartre geführt. Seitdem haftete ihm, trotz des Nobel-Preises, den er 1957 erhalten hatte, der Ruf an, ein "Philosoph und Schriftsteller für Abiturklassen" zu sein. Heute, fünfzig Jahre nach seinem Unfalltod, wird Albert Camus als großer Dichter des Existentialismus wahrgenommen, als Autor von Romanen (u.a. "Der Fremde", "Die Pest"), von Essays und Dramen, die sich einer einfachen Deutung entziehen.
Camus´ 1942 erschienener Roman "L´étranger" ("Der Fremde") spielt in Algerien, der Heimat des Schriftstellers. Die Hauptgestalt, der junge Franzose Meursault, berichtet von den Umständen, die ihn zum Mörder gemacht haben. Er erzählt in kurzen, isolierten Sätzen, die seine Fremdheit gegenüber der Umwelt und seiner eigenen Person ausdrücken. Doch Meursault ist nicht unsensibel, er wird vielmehr zum Tode verurteilt, weil er sich weigert, konventionelle Regungen vorzutäuschen, die er nicht teilt. Den Tod erwartend, gelangt er in einem glückhaft empfundenen Augenblick dazu, die Absurdität des Lebens anzuerkennen und sein Los zu akzeptieren.


"Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!"

Geschichten um Melusine und Undine - gelesen von Kriszti Kiss und Peter Schütze

Zwei Lesungen der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der FernUniversität am Mittwoch, 26. Mai, und Mittwoch, 9. Juni 2010, Beginn jeweils ab 19.00 Uhr in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen


1811 veröffentlichte der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) die Erzählung "Undine". Das Werk, das von der unglücklich endenden Liebe eines jungen Mädchens, einer geheimnisvollen Wasserfrau, zu einem Ritter handelt, hatte einen großen Erfolg. Erzählungen, Musik und Werke der bildenden Kunst belegen bis heute die Faszination, die von der Gestalt der Undine ausgeht.

Kriszti Kiss und Peter Schütze folgen in den beiden Lesungen am 26. Mai und 9. Juni 2010 einigen literarischen Weiterentwicklungen der Undine- und der ihr eng verwandten Melusine-Figur in der europäischen Literatur der letzten zweihundert Jahre.

Fouqués Erzählung zeigt auf den ersten Blick ein traditionelles Frauenbild: Erst durch die Liebe zu einem Mann erhält Undine eine Seele. Und doch ist die junge Frau ihrem Ehemann überlegen, denn dieser ist in seiner Beschränktheit unfähig, Undines verstörendes Wesen, das sich Konventionen verweigert, zu begreifen. Er beleidigt und verstößt sie am Ende.

Auch Johann Wolfgang von Goethe erzählt in seiner "Neuen Melusine" (1821) von der Liebe eines übernatürlichen weiblichen Wesens zu einem Mann. Auch diese Verbindung zerbricht an der Gefühlsarmut des Mannes, auch sie endet im Liebesverrat, einer öffentlichen Schmähung.

Der französische Dramatiker Jean Giraudoux (1882-1944) schildert im Drama "Ondine" (1939) mit den Mitteln eines ironisch gebrochenen Märchenspiels den tödlichen Konflikt zwischen unbedingter Liebe und dem Festhalten an gewohnten Lebensmustern.

Die Erzählung "Die Sirene" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957) beginnt im Turin der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Doch dann gewinnt das Geschehen mythische und phantastische Züge: Der Protagonist, ein alter Professor, berichtet von seiner jugendlichen Passion zur Sirene Ligäa. Diesem Geschöpf bleibt er bis zu seinem Tode treu.

Ingeborg Bachmanns (1926-1973) Erzählung "Undine geht" zählt zu den bekanntesten Texten der Nachkriegsliteratur. In einem Monolog rechnet Undine tief enttäuscht mit ihren Geliebten ab. Jeder Kompromiss mit dem Alltag und dem bloßen Zweckdenken wird von ihr radikal verworfen. Dennoch endet die Geschichte mit einem Lockruf, der einen neuen Anfang bedeuten kann: "Komm. Nur einmal. Komm."


"Pest, Folter und Schandsäule"

Prof. Dr. Helmut C. Jacobs (Universität Duisburg-Essen) und Dr. Peter Schütze stellen Alessandro Manzonis "Geschichte der Schandsäule" vor.

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Institut für juristische Zeitgeschichte der FernUniversität und dem Freundeskreis Italien am Dienstag, 18.05.2010, 19.00 Uhr in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen

Einführung: Prof. Dr. Dr. Thomas Vormbaum


Mailand erlebte 1630 eine verheerende Pest, der fast zwei Drittel der Einwohner zum Opfer fielen. Der Volkszorn richtete sich gegen einige Personen, die "unter eben so albernen wie schrecklichen Erfindungen" (Manzoni) beschuldigt wurden, die Pest verbreitet zu haben, und zwar durch das Bestreichen von Hauswänden mit einer Pestsalbe. Nach schrecklichen Foltern gestanden die Angeklagten die ihnen vorgeworfene Tat und wurden in einer bestialischen Prozedur hingerichtet; das Haus des "Haupttäters" wurde geschleift, und auf dem Grundstück wurde eine "Schandsäule" errichtet.

Diese historischen Vorgänge wurden später zum Gegenstand zweier literarischer Verarbeitungen. 1777 widmete ihnen der Jurist und Aufklärungsphilosoph Pietro Verri eine rechtspolitische Streitschrift gegen die Folter ("Betrachtungen über die Folter"). 1840 verfasste Alessandro Manzoni, in dessen Roman "Die Verlobten" die Mailänder Pest bereits eine prominente Rolle gespielt hatte, seine "Geschichte der Schandsäule", die sich nicht mehr mit der – inzwischen überall abgeschafften – Folter auseinanderzusetzen brauchte und stattdessen die Psychologie der Beteiligten in den Mittelpunkt der Handlung stellte.


"Triest, meine Stadt, so herb und bezaubernd"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von Italo Svevo, Umberto Saba und Claudio Magris: Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien am Donnerstag, 15. April 2010, ab 19:00 Uhr in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen

Die Stadt Triest war lange Zeit ein Kreuzungspunkt italienischer, slowenischer, deutscher und jüdischer Kultur. Aus allen Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie strömten im 19. Jahrhundert Menschen in die aufblühende Hafenstadt. Diese Entwicklung war von starken Spannungen zwischen den verschiedenen Nationalitäten geprägt: Italienische Irredentisten forderten den Anschluss der österreichischen Stadt an Italien, slowenische Intellektuelle verfolgten die Idee des Panslawismus. Doch die ethnischen Grenzen waren fließend, der von allen Schichten gesprochene Triester Dialekt stellte eine Klammer zwischen den Völkern dar.

Dass Triest in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts ein Zentrum der literarischen Moderne wurde, ist auch in der Durchdringung der Sprachen und Kulturen begründet. Bis die Werke von Italo Svevo und Umberto Saba, der beiden bekanntesten Schriftsteller aus Triest, allgemeine Anerkennung fanden, sollten aber noch viele Jahre vergehen.
Italo Svevos (1861-1928) Romane, Erzählungen und Theaterstücke weisen ihn als ironischen Analytiker der bürgerlichen Welt aus, seine brüske und nicht selten regelwidrige Sprache, war für die Leser zunächst ungewohnt und verstörend. Seine Erfolglosigkeit ließ Svevo für lange Zeit verstummen. Erst wenige Jahre vor seinem Tod fand sein Werk internationale Anerkennung.
Ebenso wie für Italo Svevo wurde die vermeintlich unpoetische Handelsstadt Triest für Umberto Saba zur Quelle der Dichtung. Saba (1883-1957) arbeitete viele Jahre in seiner Heimatstadt als Antiquar. Sein lyrisches Hauptwerk, der "Canzoniere", erschien 1921.
Sabas Dichtung teilt mit der Svevos den schmucklosen Stil, der vordergründige Effekte meidet. In einem scheinbar kunstlosen Alltagston schildert Saba immer wieder die schmerzvolle Zerrissenheit und den "spröden Charme" der Stadt.
Claudio Magris, 1939 in Triest geboren, wurde bereits in den sechziger Jahren durch die literaturwissenschaftliche Studie "Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur" bekannt. In seinen seitdem entstandenen Werken, eindringlichen Mischungen aus Erzählung und Essay, hat Magris immer wieder Menschen und Schauplätze seiner engeren Heimat beschrieben und jenes "Mitteleuropa" geschildert, das seit 1989 wieder zusammenwächst.


Die Lieder und Balladen des François Villon - eine Lesung mit Peter Schütze

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Dienstag, 16.03.2010, ab 19:00 Uhr in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen

Kein anderer Dichter des Spätmittelalters ist so lebendig geblieben wie François Villon. Dichter wie Verlaine und Rimbaud betrachteten ihn als "Ahnherrn", die Autoren des Expressionismus und Bertolt Brecht wurden von ihm stark beeinflusst. Villons aufsässige und demütige, zärtliche und zynische Gedichte werden bis heute gelesen. Die Reihe neuer Übersetzungen, Vertonungen und Illustrationen reißt nicht ab.

Über Villons Leben und die Entstehung seiner Werke ist nur wenig bekannt. Gesichert erscheint, dass Villon 1431 als Sohn armer Eltern in Paris geboren wurde. Seine Kindheit und Jugend fallen in die Schlussphase des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England, eine Zeit ständiger Gewalttätigkeit und großer Not. 1452 erlangte François Villon an der Pariser Universität den Titel eines Magisters der Philosophie. 1455 wurde er straffällig. Er tötete im Streit einen Priester und floh aus Paris. Die Quellen belegen, dass Villon in den folgenden Jahren ein abenteuerliches Vagantenleben führte und mehr als einmal vom Tod am Galgen bedroht war. Ende 1462 wurde er zum Tode verurteilt, doch dann begnadigt. Im Januar 1463 musste er die Stadt verlassen. Von da an verliert sich jede Spur von ihm.

Villons "Großes Testament", sein "Kleines Testament" und seine Balladen sind erfüllt von Gedanken der Vergänglichkeit und der Gleichheit der Menschen vor dem Tode. Zugleich sind sie sprachmächtige, witzig-aggressive und bis heute aktuelle Abrechnungen mit der Gesellschaft, Texte, in denen das lyrische Ich sich selbst niemals schont.


"Die Menschenrechte haben kein Geschlecht." Hedwig Dohm (1831-1919) – Schriftstellerin, Philosophin, Radikale der Frauenbewegung

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der FernUniversität und dem Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel

Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen
Ausstellungsdauer: 11.03.2010 – 22.04.2010
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr

Vernissage 11.03. 2010, 19.00 Uhr:
"Aber – ich soll ein wahres Weib sein?!" Hedwig Dohm in Szene gesetzt

Eine Lesung mit Gerd Buurmann, Nikola Müller und Isabel Rohner

Finissage 22.04. 2010, 19.00 Uhr:
Hedwig Dohm – Ein Leben für die Gleichberechtigung

Isabel Rohner liest aus ihrer Dohm-Biografie "Spuren ins Jetzt"

Hedwig Dohm gehört zu den wichtigsten politischen Autorinnen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als eine der Ersten in Deutschland forderte die Großmutter von Katia Mann bereits 1873 das Stimmrecht für Frauen und setzte sich in ihrem umfangreichen Gesamtwerk - Romane, Novellen, Feuilletons, Essays und Theaterstücke - Zeit ihres Lebens für die politische, soziale und ökonomische Gleichstellung von Männern und Frauen ein.

Die Ausstellung schafft Einblicke in zentrale Stationen von Dohms Leben: ihre Kindheit und Jugendzeit in Berlin, ihre Ehe mit dem Journalisten Ernst Dohm und ihr gemeinsamer Salon, die Arbeit als Theater- und Romanautorin und ihre längeren Aufenthalte in Rom. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei ihren politischen Forderungen und essayistischen Arbeiten vor dem Hintergrund der Frauenbewegungen und ihrem Engagement als überzeugte Kriegsgegnerin während des Ersten Weltkriegs.

http://www.fernuni-hagen.de/ausstellung/hedwig_dohm/


"Von Hagen aus zum Bauhaus"

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek (Universitätsstraße 23, 58097 Hagen) vom 08.12.2009 bis zum 19.01.2010, Kuratorin: Petra Holtmann, ardenkuverlag Hagen.

Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr (bitte abweichende Öffnungszeiten zum Jahreswechsel beachten).

Ausstellungseröffnung: 08.12.2009, 19.00 Uhr.
Begrüßung: Karin Michalke, Leiterin der Universitätsbibliothek.
Einführungsvortrag von Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach: "Hagener Impuls für ein Studium am Bauhaus".


Keine andere westfälische Stadt stellte sechs Studierende, keine andere Stadt setzte so gezielt einen Impuls für ein Studium am Bauhaus wie Hagen mit der vom Werkbundmitglied Max Austermann geleiteten Malerschule. Keine andere Stadt dieser Region weist so viele Verbindungen zum ersten Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, auf wie Hagen. Einer der engsten Freunde und Förderer von Gropius war Karl Ernst Osthaus.

Im Jahr des 90-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses zeigt die Universitätsbibliothek Hagen die Arbeiten und Ideen des Bauhauses am Beispiel von sechs Hagener Künstler- und Gestalterbiografien. An die Stelle der "Bauhaus-Ikonen" treten Lebenswerke ganz unterschiedlicher Art, jedes für sich von anderen Ideen geprägt: Da ist Reinhard Hilker, den Feiningers Karikaturen beeinflussen sollten, August Agatz, dessen Werk einen wesentlichen Impuls durch Kandinsky erhielt, der sich aber auch als Silberschmied einen Namen machte, Erna Mayweg, die über das Bauhaus zu Bernhard Hoetger findet, Heinrich Brocksieper, der über das Bauhaus u.a. zur experimentellen Fotografie fand, Max Gebhard, der als Grafiker über den "Vorwärts" zum Dietz-Verlag kam, wo er als Atelierleiter wirkte. Schließlich Albert Buske, der in unterschiedlichsten Funktionen die Ideen der Moderne in die Gestaltung der Produkte der DDR einbrachte.


Bilder zur Ausstellung


"Cavalleria rusticana" oder Sizilianische Leidenschaften

Peter Schütze liest Erzählungen von Giovanni Verga.

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien am Mittwoch, 28.10.2009, ab 19.00 Uhr in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen


Giovanni Verga (1840-1922) gilt seit langem als Begründer der modernen italienischen Epik und als wichtigster Repräsentant des Verismus, der italienischen Spielart des sozialkritischen Realismus.

Der aus dem sizilianischen Catania stammende Autor schrieb zunächst Romane und Erzählungen im spätromantischen Stil. Sie spielen in der mondänen Gesellschaft jener Zeit und bekunden die Begeisterung des Autors für die Ideale des Risorgimento, der italienischen Einigungsbewegung. Mit der 1874 erschienenen Erzählung "Nedda" erschloss sich Verga neue Ausdrucksformen und Inhalte, die er in den später entstandenen Erzählungssammlungen "Vita dei campi" und "Novelle rusticane", in Theaterstücken und in den großen Familienromanen "I Malavoglia" (1881) und "Mastro-Don Gesualdo" (1889) weiterentwickelte. Zu den damals entstandenen Texten gehört auch die Erzählung "Cavalleria rusticana", deren Theaterfassung der Komponist Pietro Mascagni 1890 als Libretto für eine bis heute häufig aufgeführte Oper verwandte.

Die meisten Werke Vergas aus dieser Schaffenszeit spielen in der Heimat des Autors, in den Dörfern und Orten am Fuße des Ätna. Der Fortschrittsoptimismus seiner frühen Romane und Erzählungen ist verflogen: Verga wurde sich bewusst, dass sich die Realität Siziliens im vereinten Italien nicht verbessern würde. Der Autor schildert das Leben der armen Landbevölkerung in einer Sprache, die die syntaktischen Brüche und den Bildreichtum des Dialekts höchst kunstvoll nachformt. Dargestellt werden der meist vergebliche Kampf um sozialen Aufstieg, die Macht der Religion, des Aberglaubens und der Gesetze eines starren Systems der Ehre und Tradition. Verga nutzt die erlebte Rede, die Wiedergabe des Bewusstseinsstroms seiner Gestalten in der dritten Person, um in seinen Werken eine Wahrhaftigkeit zu erreichen, die im gesellschaftlichen Leben immer wieder verleugnet wird.

Giovanni Vergas Einfluss auf die italienische Literatur des 20. Jahrhunderts, insbesondere auf die Autoren des Neorealismus, war immens. Seine Ausstrahlung reicht aber auch auf das Gebiet der Wissenschaft: Der Soziologe René König (1906-1992) übersetzte nicht nur den Roman "I Malavoglia" ins Deutsche, er ließ sich auch in seinem eigenen Buch über Sizilien von Vergas Beschreibungsweise inspirieren.


"Adelbert von Chamisso – Biografische Spuren"

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen und der Chamisso-Initiative Berlin im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen
22. 09. – 02. 11. 2009, Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr


Die Ausstellung zeichnet anhand von 30 Schautafeln und zahlreichen Vitrinenexponaten das abenteuerliche Leben und das vielseitige Werk eines Mannes nach, der ein Poet zwischen den Kulturen und ein Naturwissenschaftler war.
Adelbert von Chamisso wurde 1781 auf Schloss Boncourt in der Champagne geboren. Die Französische Revolution zwang ihn und seine Familie 1792 zur Flucht nach Deutschland. Chamisso schlug die Offizierslaufbahn im preußischen Heer ein, 1808 jedoch nahm er seinen Abschied aus der Armee. Zu dieser Zeit hatte er bereits begonnen, poetische Texte zu schreiben. Er fand Zugang zu den Berliner literarischen Salons, und schloss Freundschaft mit Rahel und Karl August Varnhagen von Ense, Friedrich de la Motte Fouqué, E.T.A. Hoffmann und anderen Persönlichkeiten der romantischen Bewegung. Die 1814 erschienene Erzählung "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" machte ihn weit über Deutschland hinaus bekannt. Trotzdem fühlte sich Chamisso als Künstler und als französischer Emigrant in der Rolle eines gesellschaftlichen Außenseiters. Einen Weg aus dieser krisenhaft empfundenen Situation bot ihm das Studium der Naturwissenschaft. Von 1815 bis 1818 nahm Chamisso als Naturforscher an einer Schiffsexpedition teil, die u. a. nach Brasilien, Chile, Alaska, in die Arktis und in die Südsee führte. Die Erfahrungen dieser Reise wertete er später in umfangreichen Reiseschilderungen, botanischen Aufsätzen und sprachwissenschaftlichen Untersuchungen aus. Seine Lyrik, die einen großen Formenreichtum besitzt, beeinflusste Schriftsteller der jungen Generation wie Heinrich Heine und Ferdinand Freiligrath. Als Chamisso 1838 starb, zählte er zu den bekanntesten Dichtern Deutschlands.

Zur Ausstellungseröffnung am 22.09.2009, Beginn 19 Uhr, liest Peter Schütze Adelbert von Chamissos Novelle "Peter Schlemihls wundersame Geschichte".
Die Erzählung vom Mann, der seinen Schatten an den Teufel verkauft, unendlich reich wird, aber das Leben eines Geächteten führt und schließlich in der Wissenschaft Trost findet, wurde schon zu Lebzeiten des Dichters in viele Sprachen übersetzt. Immer wieder hat man versucht, den Verlust des Schattens zu deuten: Man sah in Peter Schlemihl, ebenso wie in seinem Schöpfer, den Menschen ohne Heimat oder man erkannte in ihm ein Sinnbild des Künstlers, der der Gesellschaft und dem bürgerlichen Glück entfremdet ist. Chamisso verwendet in seiner Dichtung eine Fülle alter Sagen- und Märchenmotive, doch die realistische Zeichnung der Charaktere, insbesondere die ironisch-sarkastische Darstellung der Macht des Geldes unterscheidet die Erzählung von der Gattung des Märchens.

Die Lesung am 9.10.2009, Beginn 18 Uhr, findet in Zusammenarbeit mit dem Lehrgebiet für Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte der FernUniversität in Hagen statt. Unter dem Titel "Wir werden mit Europa alle Übel hinter uns lassen" liest Peter Schütze aus Chamissos Buch "Reise um die Welt". Besonders berücksichtigt werden seine Schilderungen der Südsee. Chamisso war sich bewusst, dass Kolonialismus und Missionierung die Völker und Kulturen, die er während der Expedition kennenlernte, bald zutiefst umformen würden. Diese Erkenntnis macht seine Texte, die von großer Einfühlungsgabe und Toleranz für das Fremde zeugen, zu wertvollen Dokumenten.

Bilder zur Ausstellung


"Die Nashörner"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus dem Drama von Eugène Ionesco.

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. am Dienstag, 8. September 2009, 19.00 Uhr im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätstrasse 23, 58097 Hagen


Es ist Sommer in der kleinen Stadt. In einem Gasthof treffen sich zwei ungleiche Männer: Beringer, ein unangepasster, vom Leben gelangweilter Angestellter, und Hans, ein Karrierist, der, so scheint es, keine Probleme kennt. Mit dieser alltäglichen Szene beginnt Eugène Ionescos (1909-1994) Schauspiel "Die Nashörner" ("Rhinocéros").

Bald aber geschieht in der kleinen Stadt Beunruhigendes und Befremdliches: Ein Nashorn galoppiert über den Marktplatz des Ortes. Es verschwindet und erscheint erneut. Zwischen Beringers Kollegen bricht ein Streit aus über die Existenz und die Bedeutung der Nashörner und über geeignete Abwehrmaßnahmen, der zunehmend die ganze Stadt ergreift. Es zeigt sich, dass diese Geschöpfe in Tiere verwandelte Menschen sind. Wie groß ihre Macht schon ist, offenbaren die aufgeregten und wortreichen Diskussionen aller Bewohner der Stadt. Nach und nach verwandeln sich die Einwohner, die Kollegen und Bekannten Beringers willentlich in Nashörner. Selbst Daisy, eine junge Frau, die Beringer liebt, verlässt ihn am Ende und wird zum Nashorn. Unglücklich bleibt Beringer in der von Nashörnern erfüllten Welt zurück – ein Verlorener, der "letzte Mensch".

Das 1959 uraufgeführte Schauspiel "Die Nashörner" brachte für Eugène Ionesco den endgültigen Durchbruch zum internationalen Ruhm. Der Autor wurde sichtbar als der wohl einflussreichste Dramatiker des Absurden Theaters. Die Zuschauer und die Theaterkritik erkannten in seinem Schauspiel eine schlüssige Parabel über Konformismus und Gefühllosigkeit, politische Verführbarkeit und ideologischen Massenwahn. 1960 bemerkte Ionesco zu seinem Drama: "Ich bin wie immer von meinen persönlichen Zwangsvorstellungen ausgegangen. Und ich habe mich daran erinnert, wie mir im Laufe meines Lebens immer wieder das auffiel, was man vielleicht als den Strom der öffentlichen Meinung bezeichnen könnte, das plötzliche Aufkommen einer Meinung, ihre Ansteckungskraft, die der einer echten Epidemie nicht nachsteht. ... Die Menschen würden Sie ohne Gewissensbisse umbringen, wenn Sie nicht denken wie sie. Und die Geschichte der letzten fünfundzwanzig Jahre hat uns gelehrt, dass Menschen, die eine solche Umwandlung erfahren haben, nicht nur den Rhinozerossen ähneln – sie werden tatsächlich Rhinozerosse."


Eichendorff wieder finden - Joseph von Eichendorff 1788-1857

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen und des Instituts für neuere deutsche und europäische Literatur der FernUniversität aus dem Freien Deutschen Hochstift-Frankfurter Goethe-Museum und der Eichendorff-Gesellschaft e.V.

Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen 02.04.-26.05.2009
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-19 Uhr, Fr 9-16 Uhr, Sa 9-13 Uhr


Anders als andere romantische Dichter ist Joseph von Eichendorff im Gedächtnis der literarisch interessierten Öffentlichkeit geblieben. Viele Eichendorff-Gedichte wurden Volkslieder, die Vertonungen von Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Hugo Wolf machten die Texte weltweit bekannt. Trotz dieses Nachruhmes wurden der Dichter und sein Werk lange Zeit verfälschend gedeutet: Eichendorffs romantisch begründete Kritik der Wirklichkeit erschien als Weltflucht, seine tiefe Gläubigkeit als Naivität, seine Verbundenheit mit seiner schlesischen Heimat als Provinzialismus.

Die Ausstellung zeigt demgegenüber auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und wieder entdeckter Handschriften ein differenziertes Bild des Dichters: Eichendorffs Lyrik und Prosa gestalten die Gefährdungen und Verluste der beginnenden Moderne. Eichendorff war ein engagierter Zeitgenosse, der sich in die politische Diskussion seiner Zeit eingebracht hat.

Zur Eröffnung am 02. April 2009 (Beginn 19.00 Uhr) führt Dr. Renate Moering in die Ausstellung ein. Anschließend liest Dr. Peter Schütze Joseph von Eichendorffs erstmals 1837 erschienene Novelle "Das Schloss Dürande". Die Erzählung spielt zu Beginn der Französischen Revolution und fängt die politischen und sozialen Umbrüche jener Zeit in einer packenden Handlung ein.

In der Finissage am 26. Mai 2009 (Beginn 19.00 Uhr) lesen Ariane Raspe und Dr. Peter Schütze Gedichte und die Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts". Diese erzählt von einem poetischen Anarchisten und Tagträumer, der sich jeder bürgerlichen Ordnung entzieht. Zwar findet er schließlich ein bürgerliches Eheglück, doch der Schlusssatz "Es war alles, alles gut!" schließt den nächsten großen Aufbruch nicht aus.

Bilder zur Ausstellung


"Man spielt nicht mit der Liebe"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von George Sand und Alfred de Musset.

Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. und der Gleichstellungsstelle am Dienstag, 5. Mai 2009, 19.00 Uhr, im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen


Im Sommer 1833 begann zwischen George Sand (1804-1876) und Alfred de Musset (1810-1857) eine Liebesbeziehung. Beide waren durch ihre Werke und ihren exzentrischen Lebensstil in Frankreich schon bekannt, beide standen an der Schwelle zum europäischen Ruhm. George Sand hatte die Romane "Indiana" und "Valentine" veröffentlicht, Geschichten von Frauen, die gegen gesellschaftliche Normen revoltieren. Die vom Weltschmerz geprägte Lyrik und Prosa Alfred de Mussets faszinierte die jungen französischen Schriftsteller und Leser.

Ende 1833 reisten Sand und Musset nach Venedig. Dort aber machten bald Misstrauen und Eifersucht das Zusammenleben zu einem Martyrium. Im Frühjahr 1834 verließ Musset Venedig. In den folgenden vier Monaten schrieben sie sich Liebesbriefe, doch nach Sands Rückkehr nach Paris im Sommer 1834 kam es erneut zum Zerwürfnis. "Ich will Dich nicht verlassen, ich will Dich nicht von neuem besitzen. Ist ein Zusammenleben zwischen Dir und mir möglich?", so schrieb sie im Januar 1835. Einen Monat später trennten sich die Liebenden endgültig.

Diese Geschichte wäre lediglich ein Kapitel ihrer Biographie geblieben, hätte sie nicht bedeutende literarische Texte zur Psychologie der Liebe veranlasst. Musset begann im Frühjahr 1834 den Roman "La confession d´un enfant du siècle", von dem er sich seelische Heilung versprach. Es wurde indessen kein Schlüsselroman, sondern die unerbittliche Analyse einer jungen Generation ohne verbindlichen Lebensentwurf. Ebenfalls 1834 schrieb er das Theaterstück "On ne badine pas avec l´amour" ("Man spielt nicht mit der Liebe"), ein Werk, das als heitere Ausdeutung eines Sprichwortes beginnt und zum grausam-intriganten Spiel um die Liebe sich ausweitet. George Sand veröffentlichte 1859 den Roman "Elle et Lui", dessen schonungsloses Bild der männlichen Hauptgestalt die Anhänger des Dichters empörte. Die literarische Bewältigung bewahrte aber beider Geschichte für die Nachwelt. Diese werde, schrieb Musset schon 1834 überschwänglich, "unsere Namen aussprechen wie die der unsterblichen Liebenden, wie Romeo und Julia, wie Héloise und Abälard."


Konsequent modern: : Ernst Erbe (1894 - 1967) Gebrauchsgraphik - Ausstellung vom 10.02. bis 23.03.2009

Pril, Dortmunder UNION, Küppersbusch, Thonet, Roland-Schuhe, BURG und ABUS, bekannte Marken, die nichts mit Hagen zu tun haben, oder doch? Es ist der Hagener Ernst Erbe, der ihnen in den zwanziger und dreißiger Jahren graphische Gestalt gibt und damit zu einem der ersten deutschen Werbegraphiker wird.

Ernst Erbe verbindet nach seiner Rückkehr vom Studium an der Kunstakademie in München eine enge Freundschaft mit den Künstlern Reinhard Alexander Hilker und Karel Niestrath. Gemeinsam mit ihnen entsteht im Dezember 1925 der erste Hagenring-Katalog. Auch das erste Logo des Hagenrings stammt von Ernst Erbe.

Sein eigenes quadratisches Logo steht über mehrere Jahrzehnte für Gebrauchsgraphik von höchster Qualität in der Formsprache der Moderne.

Zum 115. Geburtstag des anerkannten Hagener Gestalters Ernst Erbe zeigt die Universitätsbibliothek Hagen zahlreiche Arbeiten angewandter Kunst aus 4 Jahrzehnten kreativen Schaffens.

Die Universitätsbibliothek Hagen lädt ein zur Ausstellungseröffnung am 10.02.2009 um 19:00 Uhr in den Ausstellungsraum der UB, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen:
Begrüßung durch Karin Michalke, Leiterin der Universitätsbibliothek Hagen
Einführung in die Ausstellung durch Claus-Uwe Derichs, Kulturdezernent a.D.
Die Tochter des Künstlers, Ute Kugel-Erbe, beantwortet im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung gerne Fragen zum Werk ihres Vaters.

Konzeption: Petra Holtmann, Kunsthistorikerin MA, ardenkuverlag

Leihgeber: Manfred und Ute Kugel, Gütersloh; Jens Bergmann, Hagen; Boris Brün, Hagen.

Austellungsdauer: 10.02. - 23.03.2009
Öffnungszeiten: Mo - Do 9 - 19, Fr 9 - 16, Sa 9 - 13 Uhr.

Bilder zur Ausstellung


Alfred Kubin: Orbis pictus - eine Präsentation im Ausstellungsbereich der UB vom 22.12.2008 bis zum 17.01.2009

Alfred Kubin (1877-1959) hat ein reiches graphisches und literarisches Werk hinterlassen.
Angeregt u.a. von der Kunst Goyas, James Ensors, Max Klingers und Odilon Redons hat er eine albtraumhafte, von Visionen geprägte Welt gestaltet. 1909 erschien, von ihm selbst illustriert, sein phantastischer Roman "Die andere Seite". Kubin wurde Mitglied der Neuen Künstlervereinigung München, später trat er der Künstlergruppe Der Blaue Reiter bei. Zu den von Kubin illustrierten Autoren der Weltliteratur gehören E.T.A. Hoffmann, Dostojewski, E.A. Poe und Gogol.
Kubin hat seine Grafiken wiederholt in Mappenwerken publiziert (u.a. "Am Rande des Lebens", "Ein Totentanz" und "Sansara").

1930 erschien im Merlin-Verlag Baden-Baden in einer Auflage von 300 nummerierten und vom Künstler signierten Exemplaren das Mappenwerk "Orbis pictus". Der Zyklus umfasst 147 Strichätzungen auf 27 Blättern.
Der Titel von Kubins Werk spielt an auf den erstmals 1658 erschienenen und in viele Sprachen übersetzten "Orbis sensualium pictus" ("Die sichtbare Welt") des böhmischen Humanisten und Pädagogen Johann Amos Comenius. Dieses lateinisch-deutsche Lehrbuch, das in zahlreichen Auflagen und Bearbeitungen weite Verbreitung fand, schildert in Text und Bild den Weltlauf: Elemente, Pflanzen, Tiere und Menschen.

Kubins "Orbis pictus" ist eine Sammlung von Gestalten und "Gesichten", die das Leben und Schaffen des Künstlers geprägt haben: Eindrücke seiner böhmischen Heimat, Kriegsszenen, Bilder literarischer Figuren und Charakterstudien. Diese Abbildungen von Erinnerungen hatten, so Kubin, "ihre eigene spukhafte Existenz" in seiner Seele geführt. Ihre künstlerische Formung hatte für ihn eine kathartische Funktion.
Obwohl Kubins Werk den Einbruch zerstörender Mächte widerspiegelt, vermittelt es doch nicht völlige Hoffnungslosigkeit: Die Bilder sollen nach Absicht des Künstlers den "Widerschein" des "ewigen Lichts" leuchten lassen, den jeder Mensch empfängt.


Lesung "Don Camillo und Peppone"

Peter Schütze liest Erzählungen von Giovannino Guareschi.
Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien
am Mittwoch, 19. November 2008, ab 19.00 Uhr in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen.


Der streitbare Geistliche Don Camillo und sein ihm in Hassliebe verbundener Gegenspieler Peppone sind bis heute populär. Auch sechzig Jahre nachdem ihr Schöpfer, der satirische Schriftsteller und Zeichner Giovannino Guareschi, seinen ersten Erzählungsband über die Abenteuer der beiden Streithähne, den Geistlichen und den kommunistischen Dorfbürgermeister, veröffentlicht hat, finden die Geschichten Leser in aller Welt. Die brillanten Verfilmungen mit Fernandel als Don Camillo und Gino Cervi als Peppone haben längst den Rang von Klassikern des komischen Films erlangt.

Ihr Schöpfer Giovannino Guareschi wurde 1908 in der Nähe von Parma geboren. Guareschis Begabung als satirischer Schriftsteller und Zeichner zeigte sich schon in seiner Jugend. 1943 geriet Giovannino Guareschi in deutsche Kriegsgefangenschaft. Da er sich weigerte, auf der Seite der italienischen Faschisten weiterzukämpfen, wurde er nach Deutschland verschleppt. Seine zweijährige Leidenszeit in verschiedenen Straflagern schildert er in seinem "Diario clandestino", dessen vollständige Fassung erst vor wenigen Monaten in Italien erschienen ist.

Die Erzählungen und satirischen Zeichnungen, die Guareschi nach dem Ende des Krieges schuf, machten ihn rasch über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus berühmt. Seinem 1948 erschienenen Buch "Don Camillo: Mondo piccolo" folgten in den fünfziger und sechziger Jahren mehrere Fortsetzungsbände. Guareschi, ein gläubiger Katholik und Monarchist, hatte bereits im Faschismus Mut und Unbeugsamkeit bewiesen. Nach dem Krieg geriet er in Konflikt mit der Kommunistischen Partei Italiens. Aber auch mit der vorherrschenden Democrazia cristiana setzte sich Guareschi kritisch und polemisch auseinander: Er warf ihr prinzipienloses Machtstreben vor. Ende der fünfziger Jahre zog sich Guareschi von seiner langjährigen Arbeit für die satirische Zeitschrift "Candido" zurück und arbeitete bis zu seinem Tode im Jahre 1968 als freier Schriftsteller.

Giovannino Guareschis Erzählungen sind Abbilder der frühen italienischen Nachkriegswirklichkeit. Sie schildern ein armes Land, das geprägt ist vom Konflikt zwischen politischem Katholizismus und Kommunismus. Hinter diesen Auseinandersetzungen steht der beginnende Kalte Krieg zwischen Ost und West, in dessen Frontbereich Italien lag. Eine Generation nach dem Tod des Autors hat sich die politische und gesellschaftliche Situation grundlegend verändert. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks sind die Christdemokraten und die Kommunisten von der politischen Szene Italiens fast völlig verschwunden. Die Gesellschaft ist weitgehend säkularisiert und von einem Konsumdenken erfüllt, dessen Ansätze in den Nachkriegsjahren Guareschi schon heftig kritisiert hatte.
Die Geschichten von Don Camillo und Peppone aber werden immer noch geliebt, weil sie humorvoll Menschen schildern, die zwar ihre Konflikte austragen – doch frei von Hass und Unversöhnlichkeit.


Ausstellung zu Wilhelm Heinse (1746-1803) – Der Verfasser des "Ardinghello"

Wilhelm Heinse (1746-1803) – Der Verfasser des "Ardinghello" Eine Ausstellung des Goethe-Museums Düsseldorf in der Universitätbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit dem Institut für neuere deutsche und europäische Literatur der FernUniversität, vom 23. September bis zum 3. November 2008

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 9.00 – 19.00 Uhr, freitags 9.00 – 16.00 Uhr, samstags 9.00 – 13.00 Uhr


Die Universitätsbibliothek Hagen zeigt in Zusammenarbeit mit dem Institut für neuere deutsche und europäische Literatur der FernUniversität vom 23. September bis zum 3. November 2008 die vom Goethe-Museum Düsseldorf erarbeitete Ausstellung "Wilhelm Heinse (1746-1803) – Der Verfasser des 'Ardinghello'". Die ungefähr achtzig Originalzeugnisse aus dem Bestand des Museums erinnern an einen Schriftsteller, dessen Ideen von erotischer Selbstverwirklichung und Demokratie auch noch Fragen an unsere Gegenwart stellen. Eröffnet wird die Ausstellung am 23.09., Beginn 19.00 Uhr, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Volkmar Hansen (Goethe-Museum Düsseldorf). Anschließend lesen Kriszti Kiss und Peter Schütze unter dem Titel "Wir sind ewig, unsterblich, nichts kann uns Schranken setzen!" aus Heinses Roman "Ardinghello und die glückseligen Inseln".

Der 1746 in Thüringen geborene Wilhelm Heinse wurde seinen literarischen Bestrebungen früh von den Dichtern Christoph Martin Wieland und Johann Wilhelm Ludwig Gleim unterstützt. Im Kreis um Friedrich Heinrich Jacobi in Pempelfort bei Düsseldorf hat Wilhelm Heinse zehn für ihn prägende und literarisch produktive Jahre verbracht. Dort traf er 1774 und 1792 auch mit Goethe zusammen. Die gemeinsame Ideenwelt des Sturm und Drang hat die beiden Dichter zunächst verbunden und zu gegenseitiger Wertschätzung geführt. Nach Goethes Rückkehr aus Italien 1788 schlug dessen Urteil aber in Ablehnung um. Der Dichter des "Ardinghello" war Goethe nun verhasst, "weil er Sinnlichkeit und abstruse Denkweisen durch bildende Kunst zu veredeln und aufzustutzen unternahm". Für Wilhelm Heinse erfüllte sich in den Jahren von 1780 bis 1783 der lang gehegte Wunsch einer Italienreise. In seinen Tagebuchnotizen legte er den Grund für seine intensiven Gemälde-, Skulpturen- und Architekturbeschreibungen, die in den Briefroman "Ardinghello und die glückseligen Inseln" (1787) eingingen. Das Werk gilt als der erste deutsche Künstlerroman und hat romantische Dichter wie Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel tief beeinflusst. Friedrich Hölderlin, der mit Heinse bekannt war und ihm seine Elegie "Brot und Wein" widmete, hat in seinem Roman "Hyperion" die freiheitlichen und pantheistischen Ideen des "Ardinghello" aufgegriffen und weiterentwickelt. Provozierend auf viele Zeitgenossen Heinses und auf Literaturkritiker bis in das vergangene Jahrhundert wirkte die freizügige Darstellung von Erotik und Sexualität im "Ardinghello". Sie trug dem Autor den Vorwurf der Sittenlosigkeit ein. 1786, ein Jahr vor dem Erscheinen des "Ardinghello", wurde Wilhelm Heinse an den Hof des aufgeklärten Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz berufen. Dort wurde er Bibliothekar der kurfürstlichen Privatbibliothek. Er floh 1792 vor den französischen Revolutionstruppen, lebte zeitweise wiederum in Düsseldorf und schließlich als Bibliothekar in Aschaffenburg, wo er 1803 starb.

Bilder zum Autor


Lesung: "Gefährliche Liebschaften"

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus dem Roman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos:
am Donnerstag, 30. Oktober 2008, ab 19.00 Uhr, in der Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen. In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V.


1782, sieben Jahre vor der französischen Revolution, erschien in Paris der Briefroman "Les liaisons dangereuses" ("Gefährliche Liebschaften"). Das zunächst anonym gedruckte Buch provozierte, als Schlüsselroman einer sittenlosen Adelsgesellschaft missverstanden, einen literarischen Skandal. Bereits 1783 lag eine deutsche Übersetzung vor. Ihr folgten im 19. und 20. Jahrhundert weitere deutschsprachige Bearbeitungen, von denen einige den Roman zur schlüpfrigen "Boudoirliteratur" verfälschten; in Frankreich stand das Werk im 19. Jahrhundert lange Zeit auf dem Index der verbotenen Schriften.

Der Autor Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos wurde 1741 in Amiens geboren. Laclos schlug die Offizierslaufbahn ein, doch seine Herkunft aus dem niederen Adel behinderte seine militärische Karriere. Während der französischen Revolution schloss sich Laclos den Jakobinern an. Trotzdem wurde er mehrfach verhaftet; nur der Sturz Robespierres rettete ihn vor der Guillotine. Zum Zeitpunkt des Staatsstreichs Napoleons 1799 trat Laclos wieder in die Armee ein. 1803 übernahm er ein Kommando in Italien. Noch im selben Jahr starb er in Tarent an den Folgen der Malaria.

Choderlos de Laclos zeichnet in seinem Roman die kalte, von Machtstreben, Eitelkeit und Müßiggang geprägte Welt des Adels: Die Marquise de Merteuil, die stets den Schein der Tugend wahrt, benutzt als Komplizen und als Werkzeug ihrer Intrigen ihren früheren Liebhaber, den Vicomte de Valmont. Sie will sich an einem anderen ehemaligen Geliebten, dem Comte de Gercourt, rächen und beauftragt deswegen Valmont, Gercourts Braut Cécile zu verführen. Valmont ist aber vor allem an der empfindsamen und tugendhaften Madame de Tourvel interessiert. Zwar erreicht er auch bei ihr sein Ziel, doch die Marquise de Merteuil erkennt bald, dass Valmont sich in sein Opfer Madame de Tourvel verliebt hat. Die Marquise will ihn für diesen "Verrat" bestrafen und macht die Umstände von Céciles Verführung publik. Damit stößt sie Ereignisse an, die alle Personen ins Verderben reißen.

Choderlos de Laclos hat außer diesem Roman nur wenige literarische Schriften hinterlassen. Die subtile psychologische Analyse von Verstellung und Gefühl und die sprachliche Vielschichtigkeit verliehen seinem Hauptwerk eine Vorbildfunktion für die kritisch-realistischen Gesellschaftsromane des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Autoren wie Stendhal, Baudelaire und Heinrich Mann, der den Roman ins Deutsche übersetzte, gehörten zu den Bewunderern des Autors. Der Dramatiker Heiner Müller verwandte die "Gefährlichen Liebschaften" als Vorlage für sein Theaterstück "Quartett", das 1982, 200 Jahre nach dem Erscheinen des Romans, uraufgeführt wurde. Stephen Frears (1988) und Milos Forman (1989) haben den Roman kongenial verfilmt und wieder einem breiteren Publikum bekannt gemacht.


"Heinrich Heine Buch der Lieder. Buchausgaben – Übersetzungen – Illustrationen – Vertonungen."

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen aus dem Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf, vom 3. Juni - 14. Juli 2008 (Mo - Do: 9 - 19 Uhr (während der Sommerferien 9 - 17 Uhr), Fr: 9 - 16 Uhr, Sa: 9 - 13 Uhr) in der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen.

Lesung zur Ausstellungseröffnung: am 3. Juni 2008 (Beginn 19.00 Uhr).


Die Ausstellung wurde konzipiert und realisiert vom Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf. Zahlreiche wertvolle Handschriften des Dichters und seiner Zeitgenossen, illustrierte Ausgaben, Übersetzungen, Notenblätter und Grafiken dokumentieren die weltweite Wirkung von Heinrich Heines berühmtestem Werk.
Das "Buch der Lieder" erschien erstmals 1827. In chronologischer Folge und in fünf Zyklen kunstvoll arrangiert, ist die Gedichtsammlung die Summe von Heines Jugendlyrik. Deren Hauptthema, die unerwiderte, hoffnungslose Liebe, beschreibt Heines Grunderfahrung als Außenseiter. Heine betrachtete das "Buch der Lieder" stets als die erste der drei "Säulen" seines "poetischen Ruhms". Der Erfolg der Gedichtsammlung übertrifft bis heute den der beiden folgenden, der "Neuen Gedichte" (1844) und des "Romanzero" (1851). Das "Buch der Lieder" blieb Heines bekanntestes Werk, auf dem auch heute noch der Weltruhm des Dichters gründet. Für die wachsende Beliebtheit der Sammlung sorgten in besonderem Maße die Musiker. Heines Zeitgenossen Schubert, Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Liszt und Wagner machten die Gedichte mit ihren Kompositionen weltweit bekannt. Bis heute zählt man mehr als zehntausend Vertonungen von Heine-Texten. Friedrich Silchers Vertonung der "Lore-Ley" machte das Gedicht zum Volkslied. Noch zu Heines Lebzeiten erschien die dreizehnte Auflage des "Buchs der Lieder", und die Reihe neuer Ausgaben setzt sich bis in die Gegenwart fort. Moderne Illustrationen belegen die anhaltende Popularität einer Sammlung, die Heine zu Recht als sein "Hauptbuch" bezeichnet hat.

In der Lesung zur Ausstellungseröffnung am 3. Juni 2008 interpretieren Ariane Raspe und Peter Schütze Texte aus Heines "Buch der Lieder" und aus seinen zur gleichen Zeit entstandenen "Reisebildern". Das Gedicht "Der Tod das ist die kühle Nacht, /Das Leben ist der schwüle Tag", dem der Lesungstitel entnommen ist, lässt Heines tiefe Verbindung mit der Romantik erkennen. Die Nähe zur romantischen Gestaltung von Liebe und Todessehnsucht kennzeichnet trotz aller ironischen Brechung viele Werke des Dichters.


"Mascha Kaléko – Mein Heimweh hieß Savignyplatz"

Die Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen, zeigt in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin e.V. und "Frauen im Gespräch" vom 15. April 2008 bis zum 27. Mai 2008 die Ausstellung "Mascha Kaléko – Mein Heimweh hieß Savignyplatz". Sie wurde konzipiert und realisiert von der Berliner Autorin und Journalistin Jutta Rosenkranz. Die Ausstellung enthält zahlreiche Leihgaben des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar, des Archivs der Berliner Akademie der Künste und privater Leihgeber. Sie ist montags bis donnerstags von 9-19 Uhr, freitags von 9-16 Uhr und samstags von 9-13 Uhr geöffnet.
Mascha Kaléko (1907-1975) wurde Ende der zwanziger Jahre mit ihren heiter-melancholischen Großstadt-Gedichten in der Tradition von Heinrich Heine, Kurt Tucholsky und Erich Kästner bekannt. Bald schon entwickelte Mascha Kaléko ihren eigenen Stil als einzige weibliche Stimme unter den Lyrikern der Neuen Sachlichkeit. Ihre beiden erfolgreichen, im Rowohlt-Verlag erschienenen Gedichtbände "Das lyrische Stenogrammheft. Verse vom Alltag" (1933) und "Kleines Lesebuch für Große. Gereimtes und Ungereimtes" (1935) wurden von den Nationalsozialisten verboten, weil die Autorin Jüdin war.
1938 emigrierte Mascha Kaléko nach Amerika, 1959 übersiedelte sie nach Israel. In ihren Texten spiegeln sich persönliches Schicksal und zeitgeschichtlicher Hintergrund auf eindrucksvolle Weise.
Die Ausstellung zeigt Leben und Werk der Dichterin vor dem Hintergrund der drei wichtigsten Stationen ihres Lebens – Berlin, New York und Jerusalem. Dabei steht Berlin im Mittelpunkt, wo Mascha Kaléko zwanzig Jahre lang wohnte und das sie nach der Emigration wieder besuchte. Das wechselhafte Schicksal der Metropole während der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit wird in ihren Gedichten, Prosatexten und Briefen deutlich. Berlin war die einzige Stadt, in der sie sich heimisch fühlte.

In der Lesung zur Ausstellungseröffnung am 15. April 2008 (Beginn 19.00 Uhr), schlägt Kriszti Kiss einen Bogen von den frühen heiter-melancholischen Großstadt-Gedichten Mascha Kalékos bis zur bitteren poetischen Bilanz am Ende eines Lebens, das zum Spielball der weltpolitischen Ereignisse der dreißiger und vierziger Jahre wurde.
Die Lesung beginnt mit den "lyrischen Stenogrammen" aus der Welt des Acht-Stunden-Tages, Gedichten, die im Berliner Literatenmilieu des "Romanischen Cafés" um 1930 entstanden sind. Mit dem Gedichtband "Verse für Zeitgenossen" meldete sich Mascha Kaléko unmittelbar nach Kriegsende zurück. Das Gefühl des Verlorenseins in der Fremde und des Verlustes von Sprache und existenziellen Wurzeln bestimmen die Gedichte dieser Zeit. Sie bilden in der Textauswahl von Kriszti Kiss einen zweiten Schwerpunkt.
Kriszti Kiss zeichnet in ihrer Textauswahl die Stationen des Lebensweges der Dichterin nach und lässt in privaten Textdokumenten zugleich ein Panaroma des zeitgeschichtlichen Hintergrundes entstehen.

In der Finissage am 27. Mai 2008 (Beginn 19.00 Uhr) liest die Berliner Autorin und Journalistin Jutta Rosenkranz aus ihrem 2007 erschienenen Buch über die Dichterin. Diese erste umfassende Biografie enthält bisher unveröffentlichte Gedichte und Briefe sowie unbekannte Fotos von Mascha Kaléko. In der Lesung sind auch Originalaufnahmen der Dichterin zu hören.
Jutta Rosenkranz, geboren 1957 in Berlin, studierte Germanistik und Romanistik. Sie hat Gedichte, Prosa und literarische Essays veröffentlicht, zahlreiche Autorenporträts und Features für den Hörfunk geschrieben und ist Herausgeberin mehrerer Lyrikanthologien. Zuletzt veröffentlichte sie das Buch "Letzte Gedichte. Dichter der Welt nehmen Abschied vom Leben."

Einige Ausstellungsbilder


"Die beiden Bücher, über die ich am meisten nachgedacht habe, sind die Welt und das Theater gewesen."

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von Carlo Goldoni
Mittwoch, 09.04.2008, 19.00 Uhr
Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum
Universitätsstraße 23, 58097 Hagen
In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien
Carlo Goldoni (1707-1793) gilt seit langem als einer der bedeutendsten Komödienautoren der Weltliteratur. In seinen Werken, die zumeist in seiner Heimatstadt Venedig spielen, formte er das Stegreiftheater der Commedia dell´arte zur Charakterkomödie um. In ihr sind die Rollentexte ausgeschrieben, und es treten realistisch gezeichnete Menschen auf.
Carlo Goldonis Komödien wurden seit ihrem Entstehen auf den Bühnen vieler Länder aufgeführt, z.T. in sinnentstellenden und banalisierenden Bearbeitungen. Erst bedeutende Regisseure des 20. Jahrhunderts wie Max Reinhardt und Giorgio Strehler öffneten erneut den Blick dafür, dass Goldonis Theater ein lebensnahes und aktuelles Bild der Welt vermittelt.

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus Dramen, die Goldoni um 1750 schrieb. Zur Komödie "Das Kaffeehaus" bemerkte der Autor in seinen Memoiren: "In dem Stück kommt ein Schwätzer vor, der allen Leuten Böses nachsagt, ein komisches Original, eine jener Geißeln der Menschheit, die alle Welt beunruhigen; er ärgert die Gäste des Kaffeehauses, vor allem die beiden Freunde des Wirts. Der Böse wird bestraft. Aus Spaß entlarvt er den betrügerischen Besitzer des Spielhauses neben dem Café. Dieser Mann wird verhaftet, und der Schwätzer, wegen seiner Angebereien von allen verachtet, muss das Feld räumen." Doch die Charaktere und die Handlung sind doppelbödig: die Moral der "Guten" und der Geläuterten erweist sich als heuchlerisch, der Verleumder Don Marzio spricht letztlich unbequeme Wahrheiten aus.
Die Komödie "Der Lügner" ist noch dem Rollenschema der Commedia dell´arte verpflichtet. Im Mittelpunkt der turbulenten Handlung steht Lelio, ein an Giacomo Casanova erinnernder Abenteurer. Am Ende verstrickt er sich so sehr im Netz seiner Lügen, dass er den Schauplatz verlassen muss.
Die Komödie "Mirandolina" gehört zu Carlo Goldonis Hauptwerken. Mirandolina, eine hübsche, junge, alleinstehende Gasthauswirtin, wird von den Männern geliebt: vom Marchese di Forlipopoli, der von altem Adel, aber völlig verarmt ist, vom reichen Conte d´Albafiorita, der seinen Titel gekauft hat, vom Kellner Fabrizio. Schließlich hält sich im Gasthaus noch der Cavaliere di Ripafratta auf, ein mürrischer Frauenfeind. Ausgerechnet ihn macht Mirandolina in sich verliebt: durch einschmeichelndes und scheinbar verständnisvolles Verhalten, durch Koketterie, die sich als Biederkeit tarnt. Mirandolina will ihn, so schreibt Goldoni in seinen Memoiren, "zu ihren Füßen sehen. Auch das gelingt ihr, und nun bringt sie ihn zur Verzweiflung, und schließlich heiratet sie vor den Augen des Cavaliere einen Mann ihres Standes, dem sie schon lange ihr Jawort gegeben hat." Mirandolina entscheidet sich für einen Mann, für den sie keinerlei Liebe empfindet, sie möchte ihre Unabhängigkeit nicht durch die Hingabe an einen anderen Menschen in Frage stellen.


"Ein schlichtes Herz" – "Der Bettler".

Peter Schütze liest Erzählungen von Gustave Flaubert und Guy de Maupassant.
Donnerstag, 13.03.2008, 19.00 Uhr
Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen
In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V.


Im Jahre 1875 unterbrach Gustave Flaubert (1821-1880) die Arbeit an seinem letzten Roman "Bouvard et Pécuchet", um drei Erzählungen, darunter "Un cœur simple" ("Ein schlichtes Herz"), zu schreiben. Damals lagen mit "Madame Bovary", "Salammbô" und der "Éducation sentimentale" bereits jene Romane vor, in denen er eine moderne, die Romantik überwindende Schreibweise verwirklicht hatte.
Neu war an Flauberts Stil, dass der Erzähler darauf verzichtete, das Urteil des Lesers in eine von ihm gewünschte Richtung zu lenken. Flaubert hat seinen künstlerischen Grundsatz in diesem Satz zusammengefasst: "Der Autor muss in seinem Werk, wie Gott im Universum, überall anwesend und nirgends sichtbar sein."
Die vordergründig einfache Geschichte von Félicité, der Hauptgestalt von "Ein schlichtes Herz", erzählt von einer mystischen Erfahrung. Das Werk ist, so Flaubert, "ganz einfach die Erzählung von einem namenlosen Leben, von dem eines armen Mädchens vom Land, das fromm, aber mystisch ist, hingebungsvoll ohne Exaltiertheit. Sie liebt nacheinander einen Mann, die Kinder ihrer Herrin, einen Neffen, einen Greis, den sie pflegt, dann ihren Papagei; als der Papagei gestorben ist, lässt sie ihn ausstopfen, und als sie selbst im Sterben liegt, verwechselt sie den Papagei mit dem heiligen Geist. Das ist keineswegs ironisch, sondern im Gegenteil sehr ernst und sehr traurig."
Flaubert bricht immer wieder die scheinbare Schlichtheit der Handlung, die das Ergebnis großer künstlerischer Anstrengung ist. Er erreicht damit eine Vieldeutigkeit des Sinns.

Guy de Maupassant (1850-1893) gehörte in den letzten Lebensjahren Flauberts zu dessen engsten Freunden. Flaubert betrachtete ihn als seinen einzigen Schüler.
Maupassant schrieb in wenig mehr als einem Jahrzehnt rund dreihundert Erzählungen und sechs Romane. Alle Schichten der französischen Gesellschaft werden in ihnen geschildert, die Bauern der Normandie, die Pariser Aristokraten und Großbürger, die Welt der Kleinbürger und die der Entrechteten und Ausgestoßenen. Dargestellt sind alltägliche Menschen, deren sprachliche Ausdrucksweise der Autor weitgehend an die gesprochene Sprache seiner Zeit anpasste.
Die 1884 entstandene Novelle "Le Gueux" ("Der Bettler") spielt in der Normandie. Erzählt wird das armselige Leben des Nicolas Toussaint. Er ist ein Findelkind und muss, nachdem er durch einen Unfall zum Krüppel wurde, sein Leben als Bettler fristen. Von den Bauern wird er mit Feindseligkeit und Grausamkeit behandelt, bis es eines Tages zur Katastrophe kommt.
Maupassants Blick auf die Menschen und die Gesellschaft ist pessimistisch: Hinter der dünnen Fassade der sittlichen Normen entdeckt er Egoismus und Gewaltbereitschaft und eine "ewige, allumfassende, unzerstörbare und allmächtige Dummheit."


"Heinrich Böll – Leben und Werk"

Eine Ausstellung des Heinrich-Böll-Archivs der StadtBibliothek Köln und der Heinrich-Böll-Stiftung in der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 8. Oktober – 15. November 2007
Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 9.00 – 19.00 Uhr, freitags 9.00 – 16.00 Uhr, samstags 9.00 – 13.00 Uhr


Am 21. Dezember 2007 jährt sich zum neunzigsten Male der Geburtstag von Heinrich Böll. Aus diesem Anlass präsentiert die Universitätsbibliothek Hagen in ihrem Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, vom 8. Oktober bis zum 15. November eine umfangreiche Retrospektive des Heinrich-Böll-Archivs der StadtBibliothek Köln und der Heinrich-Böll-Stiftung über Leben, Werk und Wirkung des Nobelpreisträgers.
Die Ausstellung "Heinrich Böll – Leben und Werk" bietet anhand von Fotos, Zeichnungen, Urkunden und anderen Materialien eine ausführliche Dokumentation zu Heinrich Bölls Biographie und seinem schriftstellerischen Schaffen. Die Präsentation reicht von der Jugend über die Kriegszeit und schriftstellerischen Erfolge bis hin zu den heftigen politischen Auseinandersetzungen in seinen letzten Lebensjahren. Sie umfasst 40 Plakate und wird ergänzt durch Originalexponate, die zu verschiedenen Themenschwerpunkten in Vitrinen gezeigt werden – etwa zu Bölls Gedichten, den Romanverfilmungen und dem Nobelpreis.

Die Ausstellung wird am Montag, dem 8. Oktober, Beginn 19.00 Uhr, von der Kanzlerin der FernUniversität, Frau Regina Zdebel, eröffnet. Nach einem Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Hagen, Herrn Peter Demnitz, führt Viktor Böll, der Leiter des Heinrich-Böll-Archivs der StadtBibliothek Köln, in die Ausstellung ein. Im Anschluss daran lesen Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze aus Heinrich Bölls Roman "Gruppenbild mit Dame".
Das figuren- und handlungsreiche Werk veranschaulicht in zahlreichen Lebensläufen die deutsche Geschichte von der Wilhelminischen Ära über die Epoche des Nationalsozialismus bis zur Erzählgegenwart. Allmählich entsteht das Bild Leni Pfeiffers, einer Frau, die naiv und klug, sinnlich und keusch ist und die sich gesellschaftlicher Anpassung immer wieder entzieht. Heinrich Böll erzählt zugleich die Geschichte einer großen und lebensgefährlichen Liebe in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, der Leni Pfeiffers zu dem russischen Kriegsgefangenen Boris Lvovi? Koltowski, mit dem die junge Frau einen Sohn hat. Damals und auch später provoziert Leni häufig die Ablehnung oder das Unverständnis ihrer Umwelt, die sich der kompromisslosen Frau entledigen möchte. Doch der Roman schließt hoffnungsvoll: Leni Pfeiffer erfährt in schwieriger Situation die Solidarität von Menschen, die ihr nahe stehen.

Die Abendveranstaltung zum Ausstellungsende am Donnerstag, dem 15. November, Beginn 19.00 Uhr, beschließt zugleich den 6. Infotag Hagener Bibliotheken unter dem Motto "Schule und Bibliothek".
"Bekenntnis eines Hundefängers" heißt die Lesung, in der Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze satirische Texte Heinrich Bölls vortragen. Humor, Satire, Ironie und Groteske spielen im gesamten Schaffen des Schriftstellers eine große Rolle. Berühmt wurden Texte der fünfziger Jahre wie "Nicht nur zur Weihnachtszeit" und "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen". Aber auch in den später entstandenen epischen Werken wie "Billard um halb zehn", "Ende einer Dienstfahrt" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", in seinen Essays und Kritiken nutzt Heinrich Böll Satire und Ironie, um gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufzudecken.
Die Texte der Lesung zeigen Böll nicht nur als zielsicheren Satiriker, sie vermitteln zugleich ein lebendiges Bild der deutschen Nachkriegsgeschichte.


"Le plaisir d´amour" - Lesung in der UB am 25.10.2007

"Le plaisir d´amour" – Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen französische Texte aus drei Jahrhunderten. Donnerstag, 25.10.2007, Beginn 19.00 Uhr. Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen. In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. Dass Frankreich das Land der Liebe sei und Paris deren Hauptstadt, besagt ein Jahrhunderte altes Klischee, das zahlreiche Romane, Chansons und Filme vermitteln. Häufig wurde in der Vergangenheit - insbesondere im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts - dieses Fremdbild mit dem Vorwurf verquickt, die Franzosen seien frivol, es mangele ihnen an Gefühlstiefe. Wie reich aber gerade die französische Literatur an sensiblen Darstellungen der Liebe ist, zeigt die Lesung "Le plaisir d´amour", in der Kriszti Kiss und Peter Schütze Texte vom frühen 19. Jahrhundert bis zu unserer Gegenwart vortragen.

Am Beginn stehen Auszüge aus Stendhals 1830 erschienenem Roman "Le Rouge et le Noir" ("Rot und Schwarz"). Henri Beyle (1783-1842), der sich aus Verehrung für J. J. Winckelmann nach dessen Geburtsort Stendhal nannte, gehört zu den großen Erzählern der Weltliteratur. Erzählt wird im berühmtesten Roman des Autors die Geschichte Julien Sorels, eines skrupellosen Emporkömmlings. Dieser erhält eine Stelle als Hauslehrer bei Monsieur de Rênal, dem Bürgermeister einer Kleinstadt, und verführt dessen Gattin, zu der ihn vor allem deren gesellschaftliche Position hinzieht.
Ein durchgängiges Thema von "Rot und Schwarz" ist der Zwiespalt zwischen Gefühlswahrheit und Verstellung. Er wird von der Erzählerstimme, in den Dialogen und inneren Monologen reflektiert, doch der Autor enthält sich einer moralischen Bewertung: "Der Roman ist ein Spiegel, der über eine Landstraße spaziert: Bald füllt er die Augen mit Himmelblau, bald mit dem Schmutz der Pfützen."

Christiane Rochefort (1917-1998) zählte zu den Mehrfachbegabungen der französischen Literatur. Sie schrieb, malte, zeichnete und beschäftigte sich mit Musik. Ihr Erstlingsroman "Le repos du guerrier" erregte in der prüden Gesellschaft der fünfziger Jahre heftigen Anstoß. Erst ihr zweites Buch "Les petits enfants du siècle" ("Kinder unserer Zeit"), aus der das Prosastück "Ils sont formidables" ("Tolle Burschen") stammt, brachte ihr allgemeine Anerkennung. Der Text schildert aus der Perspektive der Hauptgestalt das Leben eines Mädchens in einer Pariser Satellitenvorstadt. Viele Leser bürgerlicher Herkunft wurden erstmals durch Christiane Rocheforts Buch über die Lebensbedingungen in den Vorstädten informiert.

Die 1970 geborene Schriftstellerin und Journalistin Anna Gavalda errang mit ihrem 2002 publizierten Roman "Je l´aimais" ("Ich habe sie geliebt") einen internationalen Erfolg. Pierre und Chloé haben - so scheint es - nichts gemeinsam. Chloé ist eine junge Frau mit zwei kleinen Töchtern, die gerade von ihrem Mann verlassen worden ist. Ihr Schwiegervater, ein Mann von Mitte sechzig, erschien ihr stets als ein eingebildeter und unsensibler Bourgeois. Eines Tages lädt er sie zusammen mit den Kindern in das Ferienhaus der Familie ein. Er erzählt ihr von einer eigenen, lange vergangenen Liebesbeziehung. Chloé entdeckt hinter der autoritären Maske einen aufmerksamen Zuhörer und gewinnt einen Freund.

Jacques Prévert (1900-1977) gehört in Frankreich auch dreißig Jahre nach seinem Tod zu den populären Lyrikern. Wir hören sein Gedicht "Voyages" ("Reisen"). Es ist ein Text, der in wenigen, scheinbar einfachen Worten die Liebe nachempfinden lässt.


"Der Tag der Eule". Lesung in der Universitätsbibliothek

Mit einer Lesung von Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze aus Leonardo Sciascias (1921-1989) Roman "Der Tag der Eule" setzen die Universitätsbibliothek Hagen und der Freundeskreis Italien am 20.09.2007 ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort. Die Lesung findet im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen, statt. Sie beginnt um 19.00 Uhr.

Sciascias berühmter Roman beginnt mit einem Mord: Morgendämmerung liegt über einer kleinen sizilianischen Stadt. Ein dunkelgekleideter Mann rennt zum Autobus, der sich gerade in Bewegung setzt, er erreicht die Wagentür, zwei Schüsse fallen, der Mann bricht tot zusammen. Die Zeugen des Verbrechens zerstreuen sich rasch, niemand will etwas gesehen oder gehört haben. Der aus Norditalien stammende Carabinieri-Hauptmann Bellodi übernimmt die Ermittlungen. Rasch wird ihm klar, dass der Ermordete, der kleine Bauunternehmer Salvatore Colasberna, nicht einem Verbrechen aus Leidenschaft - dies ist das übliche Erklärungsschema - zum Opfer gefallen ist. Colasberna wurde zum Verhängnis, dass er nicht bereit war, der Mafia das übliche "Schutzgeld" zu zahlen. Hauptmann Bellodi ist entschlossen, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und dabei die Prinzipien des Rechtsstaats zu wahren. Obwohl der wichtigste Zeuge ermordet wird, gelingt es dem Ermittler, die Drahtzieher der Verbrechen ausfindig zu machen. Bellodis Arbeit wird für mächtige Männer der Politik zu gefährlich, sie wollen ihn loswerden... Als Leonardo Sciascias Roman "Der Tag der Eule" 1961 erschien, war die Mafia noch kein Gegenstand der Literatur, von vielen wurde sogar die Existenz dieser Form des organisierten Verbrechens bestritten. Nicht nur in Italien jedoch hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie stark Politik, Wirtschaft und Kriminalität miteinander verwoben sind. Sciascias Text bietet also wesentlich mehr als eine spannend erzählte Geschichte und raffiniert konstruierte Dialoge. Mit den Augen Bellodis führt uns der Autor in die gewalttätige und doch auch faszinierende Wirklichkeit Siziliens. Wir verstehen am Ende Bellodis zwiespältige Gefühle: "Er fühlte sich ein wenig verwirrt. Aber ehe er zu Hause ankam, wusste er ganz deutlich, dass er Sizilien liebte und dass er dorthin zurückkehren würde."



"Die Tatarenwüste" von Dino Buzzati. Lesung in der Universitätsbibliothek

Mit einer Lesung von Peter Schütze aus dem Roman "Die Tatarenwüste" von Dino Buzzati setzen die Universitätsbibliothek Hagen und der Freundeskreis Italien am 09.05.2007 ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort. Die Lesung findet im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen, statt. Sie beginnt um 19.00 Uhr.

Dino Buzzati (1906-1972) gehört zu den bedeutenden Repräsentanten der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Buzzati, der mehr als vier Jahrzehnte als Journalist bei der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" tätig war, veröffentlichte seit den dreißiger Jahren zahlreiche Erzählungen. Sein 1940 publizierter Roman "Il deserto dei Tartari" ("Die Tatarenwüste") wurde in fast alle europäischen Sprachen übersetzt und gilt als Meisterwerk des Autors. Dino Buzzati betrachtete sich stets ebenso als Schriftsteller wie als bildenden Künstler. Seine Gemälde, Zeichnungen und Comicstrips der sechziger Jahre zeigen Einflüsse der amerikanischen Pop-Art. Doch Buzzati gestaltet in diesen Arbeiten zugleich jene Themen, die er in seinen literarischen Texten so eindringlich darstellt: das Traumhafte der menschlichen Existenz, den Einbruch des Surrealen in eine Welt, die zunächst vernünftig und vertraut erscheint.

Der Roman "Die Tatarenwüste" bündelt bereits viele Motive von Buzzatis Werk.
Die Hauptgestalt, der junge Leutnant Giovanni Drogo, wird in eine abgelegene Festung im noch unerforschten Bergland an der Nordgrenze eines nicht benannten Reiches abkommandiert. Drogo sehnt sich nach Ruhm und glaubt, erst am Anfang eines unermesslich langen Lebens zu stehen. Das Leben in dieser Festung weist gespenstische Züge auf: Die Besatzung gibt vor, seit langem den Überfall der "Tataren" aus dem Norden zu erwarten, ohne dass irgendjemand einen der geheimnisvollen Feinde je gesehen hat. Um die quälende Sinnlosigkeit der Lage zu ertragen, unterwerfen sich die Soldaten einem komplizierten und absurden Reglement. Jahre vergehen, Giovanni Drogo lässt sich beurlauben, um seine Mutter und eine junge Frau, die er liebt, zu besuchen. Doch die Welt seiner Kindheit und Jugend ist ihm fremd geworden, er kehrt in die Festung zurück. Viele Jahre später aber geschieht das Unvorstellbare, die Feinde greifen an.

Zum Missfallen Dino Buzattis haben ihn Literaturkritiker immer wieder als Epigonen Poes und insbesondere Kafkas bezeichnet. Jorge Luis Borges hingegen nahm Buzzatis "Tatarenwüste" in seine "Persönliche Bibliothek" auf, eine Sammlung von Essays über herausragende Werke der Weltliteratur. Zum Einfluss Poes und Kafkas meinte Borges lakonisch: "Warum soll man nicht, ohne einen Nachteil für Buzzati zu machen, diese illustren Lehrherren hinnehmen?"



„Das Werk von Arno Schmidt“. Lesung und Ausstellung in der Universitätsbibliothek Arno Schmidt (1914-1979) gilt mit Romanen wie „Zettels Traum“ und „Schule der Atheisten“ seit langem als einer der wichtigsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur.

„Das Werk von Arno Schmidt“ ist der Titel der Ausstellung, die die Universitätsbibliothek Hagen vom 18. April bis zum 29. Mai 2007 in ihrem Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, zeigt. Die Präsentation wird am 18. April, Beginn 19.00 Uhr, mit einer Einführung in das Lebenswerk des Schriftstellers und einer literarischen Lesung eröffnet. Zu Beginn stellt Karl-Heinz Müther die von ihm konzipierte Ausstellung vor. Müther, Gründungsmitglied der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Arno Schmidt. 1992 veröffentlichte er eine grundlegende Schmidt-Bibliographie. Die Ausstellung präsentiert Stücke aus seiner umfangreichen Sammlung: Erstausgaben, Arbeiten bildender Künstler zu Arno Schmidts Erzählungen, in- und ausländische Kritiken, Filme und Tondokumente, in denen der Schriftsteller zu erleben ist. Bernd Rauschenbach, Autor, Rezitator und herausragender Schmidt-Experte, gibt einen Überblick über Biographie und Werk. Anschließend liest er die 1961 entstandene Erzählung „Kühe in Halbtrauer“. Beim Zuhören enthüllt sich auch dem Nichtkenner, was der Schmidt-Kenner längst weiß: Dieser Autor ist nicht nur brillant, klug und provokativ – er ist auch ausgesprochen unterhaltsam.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek zugänglich: montags bis donnerstags 9.00 – 19.00 Uhr, freitags 9.00 – 16.00 Uhr, samstags 9.00 – 13.00 Uhr.



"Leviathan" von Julien Green Mit einer Lesung von Kriszti Kiss und Peter Schütze aus Julien Greens Roman "Leviathan" beginnen die Universitätsbibliothek Hagen und die Deutsch-Französische Gesellschaft Hagen e.V. am 21.03.2007 eine gemeinsame Veranstaltungsreihe. Die Lesung findet statt im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen. Sie beginnt um 19.00 Uhr.

Julien Green, 1900 in Paris als Sohn amerikanischer Eltern geboren und 1998 dort verstorben, gilt seit langem als einer der bedeutendsten französischsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In fast acht Jahrzehnten schuf er ein umfangreiches Werk, das Romane, Erzählungen, autobiographische Schriften und Dramen umfasst. Julien Greens frühe Meisterwerke, die Romane "Mont-Cinère", "Adrienne Mesurat" und "Leviathan", machten ihn schon in den zwanziger Jahren weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt.

Julien Green veröffentlichte den Roman „Leviathan“ im Jahre 1929. Der Titel, der im Romantext nicht genannt wird, nimmt Bezug auf das Meeresungeheuer, das im Alten Testament die gottesfeindlichen Mächte verkörpert. Green schildert in "Leviathan" die Schrecken, die sich hinter der Fassade bürgerlicher Normalität einer französischen Provinzstadt verbergen. Paul Guéret, ein Hauslehrer, der in freudloser Ehe lebt, begehrt Angèle, die im Restaurant ihrer Tante, Madame Londe, als Serviererin arbeitet. Angèle verweigert sich Guéret, gerade weil er sie als einziger nicht verachtet. Als Guéret erfährt, dass Madame Londe Angèle an die männlichen Gäste ihres Restaurants verkuppelt, schlägt er die junge Frau nieder und tötet auf der Flucht einen zufällig auftauchenden Passanten. Während mehrerer Wochen irrt er in der Umgebung umher, er taucht in Paris unter und kehrt schließlich in die kleine Stadt zurück. Nunmehr überstürzen sich die Ereignisse, die schließlich zu einem zerstörerischen Ende führen.

Der Roman "Leviathan" verbindet wie die übrigen Werke des Dichters die Darstellung von albtraumhaften Heimsuchungen mit der eindringlichen Schilderung der Figuren und Schauplätze. Greens Gestalten leben in einer Welt der Ausweglosigkeit und Angst. Der Sog, der von seiner Dichtung ausgeht, entsteht nicht zuletzt aus einer äußerst präzisen und knappen Sprache. Julien Green, der aus einer anglikanischen Familie stammte, konvertierte als junger Mann zum Katholizismus. Einer konfessionellen Einordnung seines Werkes hat er aber mit dem Satz widersprochen, er sei Katholik und Romancier, aber kein katholischer Romancier. Seine frühen Romane enthalten keine religiösen Reflexionen, doch sind die theologischen Bezüge nicht zu übersehen. Für Green bestimmen Sünde und Leid, der Gegensatz von Körper und Geist die menschliche Existenz. In seinem Tagebuch findet sich der Satz: "Ich glaube wirklich, in allen meinen Büchern ist die tiefe Unruhe zu spüren, die ein nichtreligiöser Mensch kaum je erlebt haben dürfte."


"Zur Lyrik von Paul Celan" Gedichtinterpretation mit Dr. Angela Martini, Universität Witten/Herdecke, im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen, am 12.02.2007, Beginn: 18.00 Uhr.

Es wird ein Gedicht von Paul Celan zur Diskussion gestellt. Gemeinsam soll das Gedicht analysiert und auf die Lese- und Denkspuren hin wahrgenommen werden, die sich aus der reflektierten Lektüre des Textes ergeben.

Mit dieser Veranstaltung geht zugleich die Ausstellung "Füllhorn, Waage und Schwert - Justitia ist eine Frau" zu Ende.


"Füllhorn, Waage und Schwert - Justitia ist eine Frau" Eine Ausstellung des Hauses der Frauengeschichte e.V. in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Hagen, der Gleichstellungsstelle der FernUniversität, der VHS Hagen, den befreundeten Hagener Frauenverbänden, dem Netzwerk "Frauen in Führungspositionen des Öffentlichen Dienstes NRW" und dem Deutschen Juristinnenbund, 17.01.2007 - 12.02.2007

"Entdeckungsreisen - ein neuer Blick in die Räume der Gerechtigkeit" Eröffnungsvortrag von Dr. Barbara Degen (Bonn) im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen, am 17.01.2007, Beginn: 18.00 Uhr.

Die Ausstellung geht durch ca. 25.000 Jahre Menschheitsgeschichte der Frage nach, warum Justitia, das Symbol der Gerechtigkeit, eine Frau ist. Der frauengeschichtliche Blick eröffnet neue Fragen, Perspektiven und überraschende Einsichten. Dr. Barbara Degen, die im Rahmen ihrer Arbeit im Verein "Haus der Frauengeschichte e.V." die Ausstellung konzipiert hat, führt in die Thematik ein.


"Schon seit geraumer Zeit hatte ich keine Todesfurcht mehr". Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von Bertolt Brecht.

Die Universitätsbibliothek Hagen veranstaltet am 6. Dezember 2006 aus Anlass des 50. Todestages von Bertolt Brecht eine literarische Lesung. Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen unter dem Titel "Schon seit geraumer Zeit hatte ich keine Todesfurcht mehr" Gedichte, Dramenauszüge und autobiographische Texte des Dichters. Die Lesung findet statt im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen. Sie beginnt um 19.00 Uhr.
Bertolt Brechts Werk ist einer verbreiteten Meinung nach vom optimistischen Gestus des Lehrers und Aufklärers bestimmt, der an der Verbesserung der gesellschaftlichen Zustände, am Diesseits, interessiert ist. Dass Tod und Vergänglichkeit in seinem Denken einen breiten Raum einnehmen, entspricht nicht diesem Urteil. Und doch zeigt der Blick auf Brechts Gesamtwerk vom frühen Drama "Baal", der Lyrik der "Hauspostille", den Texten des Exils bis hin zu den späten "Buckower Elegien", dass Tod, Endlichkeit und Vergänglichkeit in vielfältigen Ausdrucksformen präsent sind.
Für den frühen Brecht umschließen Geburt und Tod einen Naturkreislauf, in dem das Lebensende weder Rätselhaftigkeit noch Schrecken besitzt. Die Erfahrungen und Verluste des Exils veränderten jedoch Brechts Einstellung. So notierte er 1942 im amerikanischen Exil in Erinnerung an den Tod der Freundin und Mitarbeiterin Margarete Steffin: "Der Tod ist zu nichts gut. Nicht alle Dinge müssen zum besten dienen, keine unerforschliche Weisheit etabliert sich in derlei. Es kann keinen Trost geben."
Viele Gedichte Brechts aus seinen letzten Lebensjahren sind knappe Miniaturen. In ihnen fängt der Dichter in oftmals paradoxen und überraschenden Wendungen alltägliche Beobachtungen ein. Sie betreffen die Vergnügungen des Alltags, Erinnerungen, aber auch Verluste. Unverkennbar ist eine resignative Grundstimmung, die dennoch nicht Brechts letzte Haltung zum Tode bestimmt.
Der Titel der Lesung von Kriszti Kiss und Peter Schütze zitiert das Gedicht "Als ich in weißem Krankenzimmer der Charité", das Brecht kurze Zeit vor seinem Tode schrieb. Beim Erwachen im Krankenzimmer hört der Dichter die Amsel singen. In diesem Augenblick wird ihm zur Gewissheit, dass er die Todesfurcht überwunden hat. Es gelingt ihm, sich zu freuen "alles Amselgesanges nach mir auch."


"Meinem besten Porträtisten ..." Porträtfotografien und -zeichnungen aus den Beständen des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945

Die Universitätsbibliothek Hagen zeigt vom 16. November bis zum 20. Dezember 2006 die Ausstellung "Meinem besten Porträtisten ..." Porträtfotografien und -zeichnungen aus den Beständen des Deutschen Exilarchivs 1933 - 1945.
Sie wurde von Sylvia Asmus und Dr. Brita Eckert (Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main) erarbeitet. Die Ausstellung wird im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen präsentiert. Sie ist montags bis donnerstags von 9-19 Uhr, freitags von 9-16 Uhr und sonnabends von 9-13 Uhr geöffnet.
Der Ausstellungstitel zitiert die Worte, mit denen Thomas Mann ein Porträtfoto signierte, das der Fotograf Eric Schaal 1937 von ihm angefertigt hatte. Der Künstler gehörte zur großen Gruppe der Fotografen und Porträtzeichner - unter ihnen waren zahlreiche Frauen -, die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 aus politischen und/oder "rassischen" Gründen Deutschland verlassen mussten.
Die Ausstellung wählt zwei Ansätze, um sich ihrem Thema zu nähern: Im ersten Teil werden 15 Künstler - Fotografen und Zeichner - anhand von Briefen und Lebensdokumenten und mit Proben ihres Schaffens vorgestellt. Zu ihnen gehören u.a. Florence Homolka, Lotte Jacobi, Eric Schaal, Fred Stein und Bil Spira. Im Anschluss hieran sind Porträts zu sehen, die jeweils verschiedene Künstler von berühmten Persönlichkeiten wie Thomas Mann, Albert Einstein, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger und Arnold Schönberg geschaffen haben. Deutlich wird, wie subjektiv und im Ergebnis höchst unterschiedlich der fotografische Blick sein kann.
Die Ausstellungseröffnung am 16. November 2006 (Beginn 19.00 Uhr) trägt den Titel "Ein Porträt, das mich zum Sprechen ähnlich darstellt". Sylvia Asmus stellt Leben und Werk einiger Fotografen und Fotografinnen der Ausstellung vor und präsentiert ausgewählte Schriftstellerporträts. Peter Schütze schlägt in seiner Lesung den Bogen von der Fotografie zur Literatur. Zu hören sind witzige, sarkastische und liebevolle Porträts, die Exilschriftsteller von ihren Freunden, Widersachern und Leidensgefährten, deren Bilder in der Ausstellung zu sehen sind, in ihren Lebenserinnerungen, Briefen und Tagebucheintragungen gegeben haben. Im Rückblick Carl Zuckmayers beispielsweise wird deutlich, wie faszinierend und zugleich aggressiv der junge Brecht seiner Umwelt erschien, Ludwig Marcuse und Hermann Kesten schildern eindringlich, wie verloren und fremd ein Dichter wie Alfred Döblin in Amerika wirken musste. Immer wieder erscheint als geheimer Mittelpunkt und als Oberhaupt des deutschen Exils die Gestalt Thomas Manns: bewundert, beneidet, um Hilfe angegangen, nicht selten gehasst und auf Grund seiner Distanziertheit gescholten.


"Die Wandlungen des Mattia Pascal"

Die Universitätsbibliothek Hagen und der "Freundeskreis Italien" veranstalten ihre nächste gemeinsame Lesung am 18. 10. 2006. Peter Schütze liest aus Luigi Pirandellos Roman "Mattia Pascal". Die Lesung findet statt im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen. Sie beginnt um 19.00 Uhr.
Der 1904 erschienene Roman war der erste große literarische Erfolg des sizilianischen Erzählers und Dramatikers. Luigi Pirandello (1867-1936) hatte in Rom und Bonn Romanistik studiert und lebte zur Entstehungszeit des Buches mit seiner Familie in der italienischen Hauptstadt. 1903 zerstörte eine Überschwemmung den Besitz seines Vaters. Der Autor musste von einem Tag auf den anderen seine Angehörigen allein versorgen.
Der Verlust ererbten Reichtums ist auch ein Motiv des Romans. Dessen Ich-Erzähler ist der Sohn eines Kaufmanns und Grundbesitzers. Nach dem frühen Tod des Vaters überträgt die lebensunerfahrene Witwe die Verwaltung des Vermögens an einen skrupellosen Verwalter. Mattia und sein Bruder wachsen sorglos auf, als Erwachsene müssen sie jedoch erfahren, dass der Verwalter das gesamte Erbe an sich gerissen hat. Mattia wird zur Ehe mit dessen Nichte gezwungen. Er flieht aus der Ehehölle und wird im Spielcasino von Monte Carlo zum reichen Mann. Als er erfährt, dass in seinem Heimatort ein Ertrunkener gefunden wurde, den man für den verschwundenen Mattia Pascal hält, beschließt er, eine neue Identität frei von den Zwängen der bürgerlichen Existenz anzunehmen. Er legt sich den Namen "Adriano Meis" zu und erfindet für sich eine fiktive Biographie. Nach ausgedehnten Reisen mietet sich Mattia in einer römischen Familienpension ein. Doch nur allzu bald muss er feststellen, dass er seine Vergangenheit nicht abschütteln kann. Mattia ergreift erneut die Flucht...
Pirandello behandelt in seinem Roman Themen, die ihn auch in später entstandenen Dramen wie "Sechs Personen suchen einen Autor" und "Heinrich IV." beschäftigten: den Zweifel des Menschen an seiner Identität und am Sinn des Daseins, die Maskenhaftigkeit der Existenz, die vergebliche Flucht vor gesellschaftlichen Konventionen.
Viele Passagen des Romans stehen der Tragödie näher als der Komödie. Die Fülle an grotesken Situationen, witzigen Dialogen und überraschenden Wendungen der Handlung macht aber die Lektüre zu einem höchst vergnüglichen Vorgang.


"Unverhofftes Wiedersehen" in der Universitätsbibliothek Hagen

Mit einer Lesung von Kriszti Kiss und Peter Schütze eröffnet die Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, am Mittwoch, den 31. Mai 2006 (Beginn 19.00 Uhr) die Ausstellung "Das Bergwerk von Falun. Zeichnungen von Barbara Gauger - Literarische Dokumente".
Ausstellung und Lesung behandeln ein Ereignis aus dem 18. Jahrhundert, das vor allem durch Johann Peter Hebels Kalendergeschichte "Unverhofftes Wiedersehen" zum Bildungskanon vieler Schülergenerationen gehörte. Im Jahre 1719 wurde in den Kupferbergwerken von Falun in Schweden die unversehrte Leiche eines halbes Jahrhundert zuvor verunglückten Bergmanns gefunden. Niemand erkannte ihn, bis seine Braut ihn sah, die noch am Leben war. Der Vorfall erweckte das Mitgefühl der Zeitgenossen und hat von der Romantik bis zur Gegenwart immer wieder zur dichterischen Darstellung gereizt. Neben der Erzählung Hebels werden Kriszti Kiss und Peter Schätze u.a. Texte von E.T.A. Hoffmann und Franz Fähmann lesen.
Die Ausstellung "Das Bergwerk von Falun", die bis zum 12. Juli in der Universitätsbibliothek Hagen zu sehen ist, zeigt einen Zyklus von Kreide- und Kohlezeichnungen der 1967 geborenen Künstlerin Barbara Gauger. Das Bergwerk erscheint in den Arbeiten der Berliner Künstlerin, die mit dem literarischen Sujet frei arbeitet, als ein realer und zugleich geheimnisvoller, gefährlicher und geisterhafter Ort.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Exponate aus dem Besitz des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, die die reale Geschichte um den Bergmann von Falun illustrieren. Zu sehen sind außerdem literarische Gestaltungen des Stoffes aus zwei Jahrhunderten in wertvollen illustrierten Ausgaben. Die Leihgaben stammen u.a. aus der E.T.A. Hoffmann-Sammlung der Staatsbibliothek Bamberg und aus Beständen der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
Die Ausstellung ist montags bis donnerstags von 9-19 Uhr, freitags von 9-16 und sonnabends von 9-13 Uhr geöffnet (eingeschränkte Öffnungszeiten während der Sommerferien).

Einige Exponate


Mit einer Lesung aus Carlo Levis Roman "Die Uhr" setzen die Universitätsbibliothek Hagen und die Deutsch-Italienische Gesellschaft Hagen e.V. am 17. Mai 2006 ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe fort. Die von Peter Schütze gestaltete Lesung in der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, beginnt um 19.00 Uhr.

Levi beschreibt in diesem erstmals 1950 erschienenen autobiographischen Buch plastisch und phantasiereich wie kaum ein anderer italienischer Schriftsteller seiner Generation die Stadt Rom in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Autor, 1902 in Turin geboren und 1975 in Rom verstorben, hatte sich nach dem Studium der Medizin als junger Maler einen Namen gemacht. Bereits in den zwanziger Jahren engagierte er sich politisch gegen den in Italien herrschenden Faschismus. Nach mehreren Verhaftungen wurde Levi 1935 in einen kleinen Ort der süditalienischen Basilikata verbannt. Dort lernte er die armseligen Lebensbedingungen der Kleinbauern und Tagelöhner kennen. Levis Roman "Christus kam nur bis Eboli", der die archaische, vom Aberglauben geprägte Welt Süditaliens schildert, machte nach seinem Erscheinen 1945 den Autor rasch weltberühmt.
Im selben Jahr wurde Carlo Levi Chefredakteur einer römischen Tageszeitung. An diese Erfahrung knüpft der autobiographische Roman "Die Uhr" an. Das Buch, dessen Handlung 36 Stunden umfasst, entwirft ein Panoramabild der Stadt Rom und der italienischen Gesellschaft im Augenblick der Befreiung. Der Ich-Erzähler erlebt den Sturz der ersten, von der politischen Linken getragenen Nachkriegsregierung. Sarkastisch schildert er das politische Ränkespiel, das der Democrazia cristiana zur Macht verhilft. Er findet Unterkunft in einem riesigen Palast, einer kleinen Stadt im Zentrum Roms, er diskutiert mit Freunden die Zukunft des Landes, durchstreift die elenden Vorstädte, die Schwarzmärkte, die Osterien und Nachtlokale. Am Ende begibt sich der Erzähler auf eine abenteuerliche und tragisch-groteske Reise zu seinem sterbenden Onkel nach Neapel.
Als Carlo Levis Roman "Die Uhr" 1950 erschien, wurde er von der italienischen Kritik fast einhellig verrissen. Das Werk entzog sich traditionellen Gattungsbegriffen, vor allem zeichnete es ein wenig schmeichelhaftes Bild der politischen Linken, zu der Carlo Levi gehörte. Heute wird es als ein Meisterwerk anerkannt, das auch zum Verständnis der italienischen Gegenwart beiträgt.


"Meinen Leib hat der Himmel erschaffen, um euch zu lieben". Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus Giovanni Boccaccios "Decamerone".

29. Juni 2005, Beginn: 19.00 Uhr

Veranstalter: Universitätsbibliothek Hagen und Deutsch-Italienische Gesellschaft Hagen e.V.

Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen

Giovanni Boccaccio (1313-1375) ist seit der Renaissance als der Schöpfer der italienischen Novellistik und Kunstprosa anerkannt. Sein Werk gilt mit dem Dantes und Petrarcas als früher und zugleich bedeutendster Beitrag Italiens zur Weltliteratur.
Zwischen 1348 und 1353 entstand Boccaccios Hauptwerk, die Novellensammlung "Il Decamerone". Den Stoff dieser Erzählungen hat der Dichter aus den Erzähltraditionen Italiens, Frankreichs und des Orients übernommen. Die weltweite Wirkung des Werkes ist bis zu unserer Gegenwart ungebrochen. Übersetzungen, auch solche ins Deutsche, erschienen bereits im 15. Jahrhundert, Einflüsse finden sich u.a. bei Shakespeare, Cervantes, Hans Sachs, Lessing und Voltaire.
Das "Dekameron", dessen Titel sich aus den griechischen Wörtern "deka" ("zehn") und "hemera" ("Tag") ableitet, umfasst einhundert Geschichten, die sich zehn junge Frauen und Männer an zehn Tagen erzählen. Der Zyklus beginnt mit einer eindringlichen Beschreibung der Pest, die im Jahre 1348 in Florenz wütete. Die jungen Leute begeben sich auf ein Landgut vor den Toren der Stadt, um sich vor der Seuche zu retten. Dort verbringen sie ihre Zeit mit Gesang, Tanz und dem Erzählen heiterer und ernster Geschichten. Für jeden Tag wird eine "Königin" oder ein "König" gewählt, die das Leitthema der Erzählungen des folgenden Tages bestimmen. Boccaccio entwickelt innerhalb dieses Rahmens ein großes Welttheater, dessen Akteure aus mittelalterlicher Weltverneinung zu Lebenslust und Daseinsfreude gefunden haben. "Meinen Leib hat der Himmel erschaffen, um euch zu lieben", - so verkündet der selbstbewusste Erzähler provokativ in der Einleitung zum vierten Tag. Vor allem die Liebe treibt die Männer und Frauen Boccaccios um. Der Dichter zeigt die Macht dieses Gefühls in allen Formen: als sinnliche Liebe in drastischer und schwankhafter Direktheit, als großes, den Tod der geliebten Person überdauerndes Gefühl, als Kindes- und Elternliebe und als Ausdruck von Selbstlosigkeit und Aufopferung.
Immer wieder wurde dem "Dekameron" vorgeworfen, es sei unsittlich und frivol. Es wurde von den Zensoren verstümmelt und stand zeitweilig auf dem päpstlichen Index verbotener Schriften.
Doch schon im Werk selbst bezieht Boccaccio kämpferisch gegen seine Kritiker Stellung: Er wünscht ihnen, sie möchten "in ihrer Erstarrung weiterleben und ihren verderbten Vergnügungen und Lüsten treu bleiben".


"Alles Höchste, es kommt frei von den Göttern herab". Die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen aus dem Goethe-Museum Düsseldorf.

12. Mai bis 23. Juni 2005 Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 9 – 19 Uhr, Freitag 9 – 16 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr

Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen

Lesung zur Ausstellungseröffnung: "... für mich war es ein neuer Frühling, in welchem alles froh nebeneinander keimte."
Schiller und Goethe – Ein Annäherungsversuch.
Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze lesen Texte von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang Goethe.
12. Mai 2005, 19.00 Uhr, Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen

Die Universitätsbibliothek Hagen begeht die 200. Wiederkehr des Todestages von Friedrich Schiller mit einer Ausstellung aus dem Düsseldorfer Goethe-Museum, die die Freundschaft des Dichters mit Johann Wolfgang Goethe in den Mittelpunkt stellt. Zu sehen sind Bilder, Manuskripte und Erstausgaben aus den Beständen des Museums, das eines der bedeutendsten Sammlungen zur deutschen Klassik besitzt.

Kriszti Kiss, Stefan Keim und Peter Schütze lesen zur Ausstellungseröffnung am 12. Mai 2005 aus Dichtungen und Briefen beider Dichter, die im Jahrzehnt ihrer Freundschaft geschrieben wurden.

Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat aus Schillers Gedicht "Das Glück". Es sind Worte, die sich auf die einzigartige Bereicherung beziehen lassen, die beide Dichter durch ihre Freundschaft erfahren haben. Goethe hat lange nach Schillers Tod das Gespräch über die "Urpflanze" im Juli 1794 als den Zeitpunkt bezeichnet, an dem ihre Freundschaft begründet wurde. Wenige Wochen zuvor hatte Schiller Goethe eingeladen, an der von ihm geleiteten Zeitschrift "Die Horen" mitzuarbeiten. Dieser Annäherung waren Jahre der Spannungen vorausgegangen, die bei Goethe durch literarisches Rivalitätsdenken, bei dem zehn Jahre jüngeren Schiller durch Hassliebe gekennzeichnet waren. Oft zitiert werden in diesem Zusammenhang Worte, die Schiller 1789 in einem Brief an seinen Freund Körner richtete: "Dieser Mensch, dieser Goethe, ist mir einmal im Wege."

Die 1794 als "glückliches Ereignis" beginnende, auf der gegenseitigen Anerkennung der Unterschiede beruhende Künstlerfreundschaft dauerte bis zu Schillers frühem Tode im Jahre 1805. Beide Dichter arbeiteten an den Zeitschriften des anderen mit. Die "Xenien" entstanden, ein nach Konzeption und Ausführung gemeinsames Werk. 1797 beschäftigten sich Goethe und Schiller intensiv mit der Gattung der Ballade. Der "Wallenstein" wurde auf Goethes Rat hin zur Trilogie ausgebaut, Schiller wiederum regte den Freund an, am "Faust" weiterzuarbeiten und begleitete die Entstehung des Romans "Wilhelm Meisters Lehrjahre" mit produktiver Kritik. Der umfangreiche Briefwechsel zwischen beiden Dichtern, der noch zu Goethes Lebzeiten erschien, behandelt nicht nur literarische Fragen, sondern zeigt auch die wechselseitige Anteilnahme und Hochschätzung. Goethe hat in der Zeit nach 1805 in Briefen, Aufsätzen und Gesprächen immer wieder des toten Freundes gedacht. Neben dem Gefühl des Verlustes hat er dabei auch die Gegensätze und das Befremdliche des "wunderlichen großen Menschen" hervorgehoben.

Andreas Fasbender: Spielend. Malerei, Zeichnung, Fotografie. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen

10.März bis 23. April, Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 9 – 19 Uhr, Freitag 9 – 16 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr

Vernissage: 09.03. 2005, 19.00 Uhr.
Begrüßung: Dieter Schmauß.
Einführung: Prof. Dr. Walter Israel. Der Künstler ist anwesend.

Andreas Fasbender, in Hagen geboren und in Berlin lebend, dürfte in seiner Geburtsstadt kein Unbekannter mehr sein. Seit 1992 wurde er hier regelmäßig ausgestellt – zuletzt vom Karl Ernst Osthaus-Bund 2001. Das Karl Ernst Osthaus-Museum hat bereits mehrere Arbeiten Fasbenders angekauft. Der Ausstellungstitel spielt nicht nur auf die Freiheit von konzeptionellen Beschränkungen in der inhaltlich wie formal werkimmanenten Vorgehensweise des Künstlers an, sondern wird buchstäblich in seinen Bildern und Videodokumenten sichtbar. So z.B. wenn Fasbender mit seiner Tochter Aziza ab ihrem ersten Lebensjahr gemeinsam malt. Fasbender (Maler und Musiker/Perkussionist zugleich) erspielt sich seine Bilder beispielsweise auch trommelnd: Nämlich in seinen Performances, die er "Perkussive Malerei" nennt - wodurch die Leinwand als klassischer Farbträger zum Musikinstrument erweitert wurde. Ebenso spielt er mit dem Kleinkind, das als Bildmotiv in der auf dem Bildträger gegenstandslos aufgetragenen Farbe seinen Platz behauptet. Häufig stellt ein Kleinkind genau soviel Unsinn (in den Augen Erwachsener) an wie (in den Augen der kunstwissenschaftlichen Fachwelt) die Kunst. Das Motiv des Kleinkindes (als etwas Kitschiges) war lange Zeit aus dem Kunstbetrieb verbannt worden, und ist neuerdings, seit Fasbender es 1997 wieder aufgriff, auf den Messen für Zeitgenössische Kunst wie selbstverständlich vorzufinden. Die in Fasbenders Werk bekannten Themen, wie Trommeln, Tanz, Akte, Erotik, werden ergänzt durch Motive des Malens und des Spielens. Das Verbindende dieser auf den ersten Blick vielleicht divergierenden Motive ist eines: Grenzüberschreitung. Sei es, dass - im Falle der Trommel - ein banaler Anschlag auf ein Trommelfell sich in Musik bzw. in Rhythmus, dass - im Falle des Aktes - sich bloßes nacktes Dasein in erotische Spannung, dass - im Falle des Kindes/Spieles - Unsinn sich in Kreativität/Sinn oder dass - im Falle einer auf einen Bildträger geschlagenen Farbe – sich Malerei in Musik oder - Malerei sich vielleicht in Kunst verwandeln kann. Spielen heißt für Fasbender, sich in Wandlung/Verwandlung einzuüben. Fasbender verfolgt kein Ziel. Er wandelt - in seinen Leinwänden, so wie seine Tochter auf ihnen malt. Mitte der 90er Jahre machte der aus den USA in die Zeitgenössische Kunst eingeflossene Begriff des Crossover Furore. Fasbender, der 1990 mit seiner Perkussiven Malerei zu experimentieren begann, kann zu den Wegbereitern dieser Gattung gezählt werden.


Ignazio Silone – Bilder und Dokumente. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen.

08.02.2005 – 28.02.2005
Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen
Öffnungszeiten:
Montag – Donnerstag 9 – 19 Uhr, Freitag 9 – 16 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr

Peter Schütze liest aus Ignazio Silones Roman "Fontamara".
Beginn: 19.00 Uhr. Ort: Universitätsbibliothek Hagen

Am 15.02.2005 findet in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Hagen e.V. eine Lesung zur Ausstellung statt.
Die Universitätsbibliothek Hagen stellt in einer Ausstellung und Lesung Leben und Werk des italienischen Autors Ignazio Silone (1900 – 1978) vor. Im Mittelpunkt der Präsentation, die mit Unterstützung der Zentralbibliothek Zürich und des "Centro Ignazio Silone" in Pescina erarbeitet wurde, steht Silones Exil in der Schweiz (1929 – 1944). In dieser Zeit schrieb er seine ersten Bücher; nach 1933 begegnete er dort zahlreichen aus Deutschland geflohenen Schriftstellern und Intellektuellen.
Silone stammt aus den Abruzzen, einer der noch bis vor wenigen Jahrzehnten ärmsten Regionen Italiens. Die gesellschaftliche Rückständigkeit seiner Heimat und die Unterdrückung der Bauern empörten ihn schon früh. 1921 gehörte er zu den Mitbegründern der Kommunistischen Partei Italiens. Auch nach der faschistischen Machtübernahme 1922 arbeitete Silone als Funktionär und Journalist für die KPI. Die Stalinisierung der kommunistischen Bewegung seit Mitte der zwanziger Jahre entfremdete ihn jedoch zunehmend der Partei. 1931 wurde Silone aus der KPI wegen Abweichens von der Parteilinie ausgeschlossen. Er musste sich nun im doppelten Sinne als heimatlos empfinden: In das faschistische Italien konnte er bis zum Sturz Mussolinis nicht mehr zurückkehren, die Nähe und Unterstützung seiner bisherigen politischen Weggefährten hatte er verloren.
Silone überwand die schwere Krise, in die ihn diese Erfahrung trieb, indem er zum Schriftsteller wurde. Sein erster und bis heute berühmtester Roman "Fontamara", den Peter Schütze in der Lesung am 15.02. vorstellen wird, schildert die Welt der Kleinbauern Süditaliens. Not und Unterdrückung haben die Menschen dort seit jeher erlebt. Unter der Herrschaft der Faschisten aber verschlechtern sich ihre Lebensbedingungen noch mehr. Schließlich revoltieren die Bauern. Doch der Aufstand wird blutig niedergeschlagen, die Überlebenden müssen ins Ausland fliehen. Dennoch ist das Ende des Romans nicht hoffnungslos. Die Bauern von Fontamara haben die Resignation durchbrochen, die Hoffnung auf eine Veränderung ist nicht ausgelöscht.
Der Roman "Fontamara" und die späteren Bücher Silones ("Brot und Wein", "Das Abenteuer eines armen Christen" u.a.) führen dem Leser die Lebensbedingungen und die Hoffnungen der Menschen Süditaliens lebendig vor Augen. Das Los der Armen ist, jenseits von regionalen und zeitbedingten Besonderheiten, sehr ähnlich dem vieler Menschen der ganzen Welt.


Ruth Tesmar: Collagen zu Dantes "Göttlicher Komödie". Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen.

25.11.2004 – 8.1.2005
Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 9 – 19 Uhr, Freitag 9 – 16 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr. Am 24. und 31.12. 2004 geschlossen.

"Muse und Genius, laßt im Geist mich lesen". Peter Schütze liest aus der neuen Dante-Übersetzung von Professor Thomas Vormbaum.

Eine Veranstaltung der UB Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Hagen e.V. und dem BWV Berliner Wissenschafts-Verlag.
25.11. 2004. Beginn: 19 Uhr
Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen


"Dem Amte wohlbekannt". Heinrich von Kleist. 1777-1811. Eine Annäherung.

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen, konzipiert vom Kleist-Museum Frankfurt/Oder. 15.9. – 26.10.2004
"Das Erdbeben in Chili". Peter Schütze liest Heinrich von Kleists Novelle.
29.9. 2004. Beginn: 19 Uhr. Universitätsbibliothek Hagen, 58097 Hagen, Universitätsstr. 23

Die Ausstellung unternimmt auf 27 Tafeln eine Annäherung an Leben, Werk und Wirkung Heinrich von Kleists. 1777 als Sohn einer Familie aus altem preußischen Adel geboren, muss Kleist mit 14 Jahren die vorgeschriebene Offizierslaufbahn beginnen und ihr, wie er später schreibt, "sieben unwiederbringlich verlorene Jahre" opfern. 1799 quittiert er den Dienst und beginnt, an der Universität seiner Heimatstadt Frankfurt an der Oder zu studieren. Kleist führt in den folgenden Jahren ein unruhiges, von tiefen Krisen erfülltes Wanderleben. Nicht in der Wissenschaft, sondern in der Literatur, so erkennt er, liegt seine Berufung. Neben dem "Zerbrochnen Krug" schreibt er Dramen wie "Penthesilea", "Das Käthchen von Heilbronn" und "Der Prinz von Homburg". 1810 und 1811 erscheinen seine gesammelten Erzählungen. Nur sehr wenige von Kleists Zeitgenossen erkennen den hohen Rang seiner Dichtung. Vereinsamt, verzweifelt und finanziell ruiniert, entschließt sich Kleist zum Selbstmord. Am 21. November 1811 tötet er sich zusammen mit Henriette Vogel, einer unheilbar erkrankten Freundin. Begleitend zur Ausstellung liest Peter Schütze am 29. September 2004 im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek (Beginn 19 Uhr) Kleists Erzählung "Das Erdbeben in Chili". Erzählt wird von Liebenden, die von den Autoritäten des Staates und der Familie verfolgt werden, weil ihre Liebe die geltenden Normen verletzt. Verzweifelt sinnt Jeronimo im Kerker auf die Rettung seiner Geliebten, die zum Richtplatz geführt werden soll. Da vernichtet ein Erdbeben die Stadt, die Mauern des Gefängnisses bersten, die Liebenden können fliehen und finden einander...


" ... am Tage wird gezeichnet und abends bin ich ein sehr witziger Autor." E.T.A. Hoffmann als Graphiker. Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Hagen

23.06.2004 – 03.08.2004, Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen
Öffnungszeiten: Montag – Donnerstag 9 – 19 Uhr, Freitag 9 – 16 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr.
Eingeschränkte Öffnungszeiten während der Sommerferien

: "Das allerwunderbarste Märchen ist der menschliche Geist". Peter Schütze liest aus E.T.A. Hoffmanns Capriccio "Prinzessin Brambilla".

Lesung zur Ausstellungseröffnung in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Hagen e. V.
23. 06. 2004, Beginn: 19.00 Uhr, Universitätsbibliothek Hagen

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) verkörpert wie keiner seiner Zeitgenossen das Urbild des romantischen Universalkünstlers. Neben seinem juristischen "Brotberuf" schuf er ein umfangreiches literarisches, musikalisches und zeichnerisches Werk. Hoffmanns Nachruhm gründet sich zwar vor allem auf seine Erzählungen und Romane, er war sich jedoch viele Jahre im Unklaren, welche seiner Begabungen die erste Stelle einnehmen sollte. Die Universitätsbibliothek Hagen zeigt vom 23. Juni bis zum 3. August 2004 die Ausstellung "am Tage wird gezeichnet und abends bin ich ein sehr witziger Autor – E.T.A. Hoffmann als Graphiker". Da viele Zeichnungen Hoffmanns während des Zweiten Weltkriegs vernichtet wurden, stützt sich die Präsentation hauptsächlich auf alte Faksimileeditionen. Zu sehen sind außerdem als Leihgaben der Staatsbibliothek Bamberg Erstausgaben Hoffmanns, die der Dichter graphisch gestaltete, illustrierte Hoffmann-Ausgaben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und einige Arbeiten gegenwärtiger Künstler, die die Bilderwelt Hoffmanns originell weiterentwickeln. Zur Ausstellungseröffnung am 23. Juni 2004 liest Peter Schütze aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Prinzessin Brambilla", die den Untertitel "Ein Capriccio nach Jakob Callot" trägt. Die Erzählung spielt in Rom zur Zeit des Karnevals. Hoffmann entwickelt eine farbenprächtige und humoristische Handlung, in der sich Traum und Realität, Scherz und tiefere Bedeutung vexierbildhaft durchdringen. Der eitle Tragödienschauspieler Giglio Fava, eigentlich mit Giacinta Soardi, einer jungen Putzmacherin, liiert, verliebt sich in eine Prinzessin, die mit ihrem Hofstaat in die Stadt eingezogen ist. Giglio und Giacinta (und mit ihnen die Leser) ahnen lange Zeit nicht, welche Gestalt die Fäden der Handlung zieht und welche Erkenntnis des Lebens und der Kunst sie schlie;szlig;lich erlangen werden. E.T.A. Hoffmann hat wesentliche Anstöße für sein Capriccio und für andere Erzählungen aus dem Werk des französischen Graphikers Jacques Callot (1592-1635) gewonnen. Einige Stiche Callots sind in der Erstausgabe der "Prinzessin Brambilla" reproduziert worden. Hoffmanns Bemerkung im Vorwort der Erzählung, der Leser möge Callots Blätter nicht aus dem Auge verlieren und daran denken, was der Musiker von einem Capriccio verlange, lässt erkennen, dass er eine Schreibart anstrebte, die Geist und Technik der verschiedenen Künste verbindet. Auch ein Blick auf die Graphik des Dichters erlaubt es, sein literarisches Schaffen besser zu verstehen, das Gemeinsame seiner künstlerischen Produktion zu begreifen.


"Hofierst Du den Tod, als wäre er eine schöne Frau?"

Peter Schütze liest aus dem Roman "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
21.04.2004, Beginn 19 Uhr
Veranstalter: Universitätsbibliothek Hagen und Deutsch-Italienische Gesellschaft Hagen e.V.
Universitätsbibliothek Hagen, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen

Der erstmals 1958 erschienene Roman "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa hat schon bald nach seinem Erscheinen eine weltweite Resonanz gefunden. Die Bekanntheit des Buches wurde noch durch die meisterhafte Verfilmung Luchino Viscontis (1963) gesteigert. Sein Autor, 1896 als Sohn einer Familie der sizilianischen Hocharistokratie geboren, hatte erst wenige Jahre vor seinem Tode 1957 mit dem Schreiben begonnen.
Der Roman "Der Leopard" erzählt in Anlehnung an die Familiengeschichte des Dichters vom allmählichen gesellschaftlichen Niedergang des Fürstengeschlechts Salina. Die Handlung, die sich über ein halbes Jahrhundert erstreckt, setzt im Jahre 1860 mit der Landung Garibaldis und seiner Freischärler auf Sizilien ein. Im Mittelpunkt steht der Fürst Fabrizio Salina, eine nach außen hin kraftvolle Persönlichkeit, die jedoch vom Bewusstsein erfüllt ist, dass die aristokratische Welt dem Untergang geweiht ist. Tancredi, der Neffe des Fürsten, heiratet Angelica, die Tochter eines aus einfachsten Verhältnissen stammenden Aufsteigers, der durch Spekulation ein großes Vermögen erworben hat. Nur durch diese Verbindung kann der ehrgeizige Tancredi seine politischen Ambitionen erfüllen.
Wie erklärt sich die Anziehungskraft des Romans auch in unserer Gegenwart?
Für viele Betrachter Siziliens erfasst Lampedusas Werk eine bis heute kaum gewandelte Mentalität. In ihr verbinden sich Pessimismus und Fatalismus, ihre Träger sehen Veränderungen und Umstürze mit Gleichmut, weil sie überzeugt sind, dass die alten Leiden immer wieder von neuen Leiden abgelöst werden. Vor allem aber versteht es Lampedusa, auch dem heutigen Leser das Sizilien des 19. Jahrhunderts, das er in seiner Kindheit noch erlebt hat, in seinem morbiden Glanz vor Augen zu führen. Sein eigentliches Interesse war, wie er einmal schreibt, dem Verlust und der Zerstörung seiner Welt die Erinnerung an die "Verlorenen Paradiese" entgegenzusetzen.

Ihr Kontakt: Dr. Jeanine Tuschling-Langewand

Vorgänger: Georg Schirmers



Letzte Änderung: 06.08.2021