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Peter Schütze liest Erzählungen von Flaubert und De Maupassant

"Ein schlichtes Herz" – "Der Bettler". Peter Schütze liest Erzählungen von Gustave Flaubert und Guy de Maupassant.
Donnerstag, 13.03.2008, 19.00 Uhr
Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen
In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V.

Im Jahre 1875 unterbrach Gustave Flaubert (1821-1880) die Arbeit an seinem letzten Roman "Bouvard et Pécuchet", um drei Erzählungen, darunter "Un cœur simple" ("Ein schlichtes Herz"), zu schreiben. Damals lagen mit "Madame Bovary", "Salammbô" und der "Éducation sentimentale" bereits jene Romane vor, in denen er eine moderne, die Romantik überwindende Schreibweise verwirklicht hatte.
Neu war an Flauberts Stil, dass der Erzähler darauf verzichtete, das Urteil des Lesers in eine von ihm gewünschte Richtung zu lenken. Flaubert hat seinen künstlerischen Grundsatz in diesem Satz zusammengefasst: "Der Autor muss in seinem Werk, wie Gott im Universum, überall anwesend und nirgends sichtbar sein."
Die vordergründig einfache Geschichte von Félicité, der Hauptgestalt von "Ein schlichtes Herz", erzählt von einer mystischen Erfahrung. Das Werk ist, so Flaubert, "ganz einfach die Erzählung von einem namenlosen Leben, von dem eines armen Mädchens vom Land, das fromm, aber mystisch ist, hingebungsvoll ohne Exaltiertheit. Sie liebt nacheinander einen Mann, die Kinder ihrer Herrin, einen Neffen, einen Greis, den sie pflegt, dann ihren Papagei; als der Papagei gestorben ist, lässt sie ihn ausstopfen, und als sie selbst im Sterben liegt, verwechselt sie den Papagei mit dem heiligen Geist. Das ist keineswegs ironisch, sondern im Gegenteil sehr ernst und sehr traurig."
Flaubert bricht immer wieder die scheinbare Schlichtheit der Handlung, die das Ergebnis großer künstlerischer Anstrengung ist. Er erreicht damit eine Vieldeutigkeit des Sinns.

Guy de Maupassant (1850-1893) gehörte in den letzten Lebensjahren Flauberts zu dessen engsten Freunden. Flaubert betrachtete ihn als seinen einzigen Schüler.
Maupassant schrieb in wenig mehr als einem Jahrzehnt rund dreihundert Erzählungen und sechs Romane. Alle Schichten der französischen Gesellschaft werden in ihnen geschildert, die Bauern der Normandie, die Pariser Aristokraten und Großbürger, die Welt der Kleinbürger und die der Entrechteten und Ausgestoßenen. Dargestellt sind alltägliche Menschen, deren sprachliche Ausdrucksweise der Autor weitgehend an die gesprochene Sprache seiner Zeit anpasste.
Die 1884 entstandene Novelle "Le Gueux" ("Der Bettler") spielt in der Normandie. Erzählt wird das armselige Leben des Nicolas Toussaint. Er ist ein Findelkind und muss, nachdem er durch einen Unfall zum Krüppel wurde, sein Leben als Bettler fristen. Von den Bauern wird er mit Feindseligkeit und Grausamkeit behandelt, bis es eines Tages zur Katastrophe kommt.
Maupassants Blick auf die Menschen und die Gesellschaft ist pessimistisch: Hinter der dünnen Fassade der sittlichen Normen entdeckt er Egoismus und Gewaltbereitschaft und eine "ewige, allumfassende, unzerstörbare und allmächtige Dummheit."

Nachricht gültig bis 13.03.2008

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Letzte Änderung: 05.01.2014


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