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Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von Carlo Goldoni

"Die beiden Bücher, über die ich am meisten nachgedacht habe, sind die Welt und das Theater gewesen."
Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von Carlo Goldoni
Mittwoch, 09.04.2008, 19.00 Uhr
Universitätsbibliothek Hagen, Ausstellungsraum, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen
In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Italien

Carlo Goldoni (1707-1793) gilt seit langem als einer der bedeutendsten Komödienautoren der Weltliteratur. In seinen Werken, die zumeist in seiner Heimatstadt Venedig spielen, formte er das Stegreiftheater der Commedia dell´arte zur Charakterkomödie um. In ihr sind die Rollentexte ausgeschrieben, und es treten realistisch gezeichnete Menschen auf.
Carlo Goldonis Komödien wurden seit ihrem Entstehen auf den Bühnen vieler Länder aufgeführt, z.T. in sinnentstellenden und banalisierenden Bearbeitungen. Erst bedeutende Regisseure des 20. Jahrhunderts wie Max Reinhardt und Giorgio Strehler öffneten erneut den Blick dafür, dass Goldonis Theater ein lebensnahes und aktuelles Bild der Welt vermittelt.

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen aus Dramen, die Goldoni um 1750 schrieb. Zur Komödie "Das Kaffeehaus" bemerkte der Autor in seinen Memoiren: "In dem Stück kommt ein Schwätzer vor, der allen Leuten Böses nachsagt, ein komisches Original, eine jener Geißeln der Menschheit, die alle Welt beunruhigen; er ärgert die Gäste des Kaffeehauses, vor allem die beiden Freunde des Wirts. Der Böse wird bestraft. Aus Spaß entlarvt er den betrügerischen Besitzer des Spielhauses neben dem Café. Dieser Mann wird verhaftet, und der Schwätzer, wegen seiner Angebereien von allen verachtet, muss das Feld räumen." Doch die Charaktere und die Handlung sind doppelbödig: die Moral der "Guten" und der Geläuterten erweist sich als heuchlerisch, der Verleumder Don Marzio spricht letztlich unbequeme Wahrheiten aus.
Die Komödie "Der Lügner" ist noch dem Rollenschema der Commedia dell´arte verpflichtet. Im Mittelpunkt der turbulenten Handlung steht Lelio, ein an Giacomo Casanova erinnernder Abenteurer. Am Ende verstrickt er sich so sehr im Netz seiner Lügen, dass er den Schauplatz verlassen muss.
Die Komödie "Mirandolina" gehört zu Carlo Goldonis Hauptwerken. Mirandolina, eine hübsche, junge, alleinstehende Gasthauswirtin, wird von den Männern geliebt: vom Marchese di Forlipopoli, der von altem Adel, aber völlig verarmt ist, vom reichen Conte d´Albafiorita, der seinen Titel gekauft hat, vom Kellner Fabrizio. Schließlich hält sich im Gasthaus noch der Cavaliere di Ripafratta auf, ein mürrischer Frauenfeind. Ausgerechnet ihn macht Mirandolina in sich verliebt: durch einschmeichelndes und scheinbar verständnisvolles Verhalten, durch Koketterie, die sich als Biederkeit tarnt. Mirandolina will ihn, so schreibt Goldoni in seinen Memoiren, "zu ihren Füßen sehen. Auch das gelingt ihr, und nun bringt sie ihn zur Verzweiflung, und schließlich heiratet sie vor den Augen des Cavaliere einen Mann ihres Standes, dem sie schon lange ihr Jawort gegeben hat." Mirandolina entscheidet sich für einen Mann, für den sie keinerlei Liebe empfindet, sie möchte ihre Unabhängigkeit nicht durch die Hingabe an einen anderen Menschen in Frage stellen.

Nachricht gültig bis 10.04.2008

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Letzte Änderung: 05.01.2014


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