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„Die Wand“

Kriszti Kiss liest aus dem Roman von Marlen Haushofer. Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsstelle der FernUniversität am Dienstag, 13. Mai 2014, 19-21 Uhr (Eintritt frei). Die Veranstaltung findet im KSW-Seminargebäude, Bauteil A, EG, 1-3 statt.

Eine Frau unternimmt mit ihrer Cousine und deren Ehemann an einem Frühlingstag einen Ausflug in die Berge. Die kleine Gruppe möchte einige Ferientage in einem Jagdhaus verbringen. Nach der Ankunft begibt sich das Ehepaar in ein nahegelegenes Dorf. Als die beiden auch am nächsten Morgen noch nicht zurückgekommen sind, macht sich die Frau, begleitet vom Hund des Paares, auf den Weg, um die Vermissten im Dorf abzuholen. Doch nach einiger Zeit stößt sie auf ein unüberwindliches Hindernis. Etwas „Unsichtbares, Glattes, Kühles“, das sie zunächst für eine Sinnestäuschung hält, versperrt ihr den Weg. Die Frau wird nie wieder das Dorf erreichen können: In der Nacht ist eine undurchdringliche gläserne Wand zwischen ihr und der Welt der Anderen gewachsen. Jenseits der Wand ist offensichtlich alles Leben vernichtet, obgleich die Objekte unzerstört sind. Im November des übernächsten Jahres beginnt die Frau, die Geschichte ihrer neuen Existenz aufzuschreiben, ungewiss, ob ihr Bericht jemals einen Leser finden wird.

So setzt die Handlung des Romans „Die Wand“ ein, den die österreichische Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970) im Jahre 1963 veröffentlichte. Eine Ich-Erzählerin berichtet darin in klarer, präziser Sprache von Geschehnissen, die einem Alptraum zu entspringen scheinen, die sich aber in der Folge durchaus realistisch entwickeln. Die Frau schafft sich auf dem Stück Land, das ihr zugänglich bleibt, mit harter körperlicher Arbeit ein neues Leben, sie wird zur Bäuerin und Jägerin. Doch eine Aussicht auf Rückkehr in die Welt der Menschen besteht für sie nicht, sie bleibt eingesperrt in ihren Umkreis, der Verbannung und zugleich Zuflucht darstellt.

Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ fand bei seinem Erscheinen, ebenso wie die anderen Werke der Schriftstellerin, nur einen geringen Widerhall. Erst mit der Frauenbewegung der achtziger Jahre setzte sich die Erkenntnis durch, dass Marlen Haushofer zu den bedeutenden deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts gehört. Großen Erfolg hatte 2012 die Verfilmung des Buches mit der Schauspielerin Martina Gedeck.

Der Roman wurde von Beginn an sehr unterschiedlich interpretiert. Zu Beginn betrachtete man ihn als zivilisationskritischen Ausdruck der Furcht vor den Folgen eines Atomkriegs. Für die Literaturpsychologie schien „Die Wand“ eine Depression zu schildern, den Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen. Die existenzialistische Interpretation rückte den Text in die Nähe von Albert Camus´ Roman „Die Pest“: Haushofers Ich-Erzählerin ist ebenso wie die Gestalten im Roman des französischen Autors dazu gezwungen, ohne Aussicht auf Rettung den Sinn des Handelns in diesem selbst zu sehen. Häufig anzutreffen sind bis heute feministische Deutungen. In diesen erscheint „Die Wand“ als radikale Phantasie selbstbestimmten weiblichen Lebens. Doch diese Selbstbefreiung ist, wie die Worte der Ich-Erzählerin belegen, teuer erkauft. „Die Erinnerung, die Trauer und die Furcht werden bleiben und die schwere Arbeit, solange ich lebe.“

Nachricht gültig bis 13.05.2014

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Letzte Änderung: 05.01.2014


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