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"Nirgendwo im Haus meines Vaters"

Veronika Nickl liest aus dem Roman von Assia Djebar. Einführung: Georg Schirmers, UB Hagen
Eine Veranstaltung der Universitätsbibliothek Hagen in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. und der Gleichstellungsstelle am Dienstag, 24. März 2015, 19 – 21 Uhr in der Ellipse im ehemaligen TGZ, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen
Eintritt frei

Die Szene ereignet sich in einem algerischen Dorf zu Beginn der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die fünfjährige Fatima versucht, unterstützt von einem französischen Nachbarjungen, Fahrrad zu fahren. Sie spürt, dass sie das Gleichgewicht halten kann, und sie empfindet ein Gefühl von Freiheit und Glück, verbunden mit ein wenig Angst. Plötzlich hört sie, wie ihr Vater mit metallischer Stimme ihren Namen ruft und dann ein Verbot ausspricht: "Ich möchte nicht, dass meine Tochter aufs Fahrrad steigt und ihre Beine zeigt!"

Die frankophone algerische Autorin, Filmemacherin und Historikerin Assia Djebar (1936-2015) schildert in ihrem 2007 erschienenen autobiografischen Roman "Nulle part dans la maison de mon père" („Nirgendwo im Haus meines Vaters“) diese Begebenheit, die sich der Ich-Erzählerin „wie eine Wunde eingebrannt hat.“ Fatimas Vater – er ist Französisch-Lehrer an der Schule ihres Heimatortes – erzieht seine Tochter einerseits nach traditionell-islamischen Vorstellungen. Andererseits eröffnet er ihr Möglichkeiten, die sich nur für eine verschwindend geringe Zahl algerischer Mädchen bieten. Fatima besucht ein französischsprachiges Internat. Schon zu Anfang der Gymnasialzeit entdeckt das junge Mädchen seine Liebe zur französischen Literatur, Fatima treibt Sport und findet Gelegenheiten zu kleinen Ausflügen außerhalb der Obhut der Familie. Noch vor dem Ende der Schulzeit erlaubt ihr der Vater, ein Universitätsstudium zu ergreifen. Je mehr sich Fatima aber scheinbar von den einschnürenden Vorstellungen der väterlichen Welt lösen kann, umso stärker wird sie darauf gestoßen, dass die bewunderte französische Kultur zugleich die der Kolonisatoren ist und dass traditionelle Vorstellungen ihr eigenes Leben weiterhin bestimmen. Die verquälte Beziehung zu ihrem „Verlobten“ Tarik, einem jungen arabischen Studenten, droht am Ende Fatima in eine Katastrophe zu reißen.

"Nirgendwo im Haus meines Vaters" ist das letzte Buch eines Zyklus autobiografisch bestimmter Werke, durch die Assia Djebar zur bedeutendsten Gegenwartsautorin aus dem Maghreb wurde. Ihr feministisch bestimmtes Schreiben und ihre Filme fanden vielfältige internationale Anerkennung. Im Jahre 2000 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2005 wurde sie in die Académie française aufgenommen. Auf Grund der politischen Entwicklung in Algerien lebte und arbeitete Assia Djebar seit den achtziger Jahren in Frankreich und in den Vereinigten Staaten.

©Leserechte der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015

Nachricht gültig bis 24.03.2015

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Letzte Änderung: 05.01.2014


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